Wie ändert sich die Heimatpflege?


In Mittelfranken hört Kurt Töpner auf, Nachfolgerin Andrea Kluxen will die Jugend gewinnen

 

"Heimat ist für mich die Region, in der ich verwurzelt bin." Das sagt nicht nur die neue Heimatpflegerin des Bezirks Mittelfranken, Dr. Andrea Kluxen M.A., 44 Jahre alt, geboren in Essen, aufgewachsen in Erlangen und seit Beginn dieses Jahres in dem neuen Verwaltungsgebäude, dem "Bezirksrathaus" in Ansbach tätig. Das Zitat ist auch die klassische Definition von Heimat, der selten widersprochen wird. Heimatpflege ist demnach die Bemühung um die Pflege der Region, in der man verwurzelt ist - Aufgabe insbesondere der Bezirksheimatpflege, die ja für mehr als nur einen Ort oder einen Landkreis zuständig ist.

Die Frage, die sich neu stellt, allerdings lautet: Ändert sich die Pflege einer Region in dem Maße, in dem sich die Region selber ändert? Denn dass die Regionen, sprich Bezirke, in Bayern wie überall sich im Aussehen wie in der Zusammensetzung und den Interessen ihrer Population in der letzten Zeit stark verändert haben, ist nicht zu übersehen.

So beschreibt der Amtsvorgänger von Andrea Kluxen, Dr. Kurt Töpner, langjähriger Heimatpfleger und Leitender Kulturdirektor des Bezirks Mittelfranken am Tag seiner Verabschiedung anlässlich der Denkmalprämierung für das Jahr 2001 in dem Saal des neuen Bezirksgebäudes jene Regionen, die für viele Menschen heute Heimat sind: "Die Menschen ziehen immer weiter ins Land hinaus, weil sie sich im Grünen bessere Lebensbedingungen erhoffen. In den Neubaugebieten der ländlichen Provinz findet dann aber das Leben in der Regel im Planquadrat statt, wo der rechte Winkel das Lebensumfeld bestimmt.

Der Siedlungsbrei ohne Form frisst sich weiter wie ein Geschwür in die Landschaft, und der Mensch lebt in einem Gebilde, das weder Dorf noch Stadt ist. Das Einheitshaus von der Stange wird vom chaotischen Mischmasch der Fertigprodukte aus den Baumärkten geprägt, die eine Art Geschmacksmonopol innehaben. Glasbausteine, Zement, Asbestplatten, waschbare Keramikfliesen, Kunststoff-Jalousien ...

Das Umfeld dieser Provinzmodernität ist adäquat: exotische Bäume und Sträucher in den Gärten, immergrüne Bodendecker. Der bepflanzte Schubkarren, aufpolierte Gartenzwerge und der rasierte englische Rasen vervollständigen das sterile Szenario. Wachbetonsäulen und protzige Metallzäune rahmen das Ganze ein.

Dass bei der gesichtslosen Ödnis solcher Spießerästhetik die Denkmalpflege als die unbestrittenste und hochnotwendige Aufgabe der Heimatpflege ist, liegt auf der Hand. Die neue Heimatpflegerin in Mittelfranken will denn auch das große Engagement Töpners zur Erhaltung historischer Bauten und Ensembles fortführen. Sind sie doch steingewordene Geschichte und Zeugnisse unserer Tradition und Kultur, die zu pflegen Aufgabe der Heimatpflege ist.

Aber Heimat ist mehr. "Der Ort, wo ich verwurzelt, die Freunde, mit denen ich verbunden bin, die Geschichte und Tradition, mit der ich mich identifiziere," führt Andrea Kluxen auf. Wenn aber nun mein Ort das oben genannte Waschbetongartenzwergvorstadtambiente ist, mein Freundeskreis der Punkclique, hiesige Geschichte mir unbekannt und meine Traditionen einem fernen Land angehören, aus dem ich zugereist bin und meine Vorfahren habe? Was besagt mir da bayerische Heimatpflege und was richtet sie mir aus?

Das Problem der örtlich wie geistig nicht Verwurzelten stellt sich jedem Heimatpfleger. Die Trachtenvereine und Volksmusikgruppen sind vielerorts überaltert und werden weniger. Wie gewinnt man die Jugend für Heimat, als einem Qualitätsbegriff? Die heutige Heimatpflege kennt das Problem nur zu genau und sucht nach neuen Wegen.

 

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