Wal - Waalstatt - Walpoten

Ein mittelalterlicher Rechtsbegriff - nicht nur für Franken

 


 

Neuere Forschungsergebnisse zeigen , dass der Begriff "Wal" keine Bezeichnung für einen Turmhügel war.

Zur Richtigstellung dieses - offensichtlich weit verbreiteten - Irrtums verweise ich auf die Züricher Forschungsstelle für Rechtssprache, Rechtsarchäologie und Rechtliche Volkskunde, aber auch auf den bekannten Forscher Karl Bader, die die Bedeutung des Begriffes "WAL" wie folgt nachgewiesen haben:

 


Der Rechtsbegriff "WAL"

 

Als "WAL" oder "WALSTAT" ( "-STAT" = im Siedlungszusammenhang zu sehen) wird vornehmlich ein Rechtsbereich (besonders bei der Totschlagsühne, Streitigkeiten um Örtlich-keiten und im Grenzprozess) bezeichnet. Noch heute sind in den ehemaligen Andechser Gebieten in Südtirol "WALE" aus dem 12./13. Jahrhundert bekannt. Das sind die jahrhundert alten, künstlich angelegten Wasserkanäle, die oft mehrere Kilometer lang sind und für die Wasserversorgung besonders in den Sommermonaten sehr wichtig waren. Heute sind "Walwege" beliebte Touren für Wanderer. Diese "Wale" zur Andechser Zeit haben das "Wasser-recht" geregelt. Hier ist noch die rechtliche Bedeutung, das Recht (Besitzrecht) auf eine sorgsam abgesteckte bzw. vermessene Örtlichkeit (Campus) erkennbar.

 

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Rechtsbegriff "Wal" und das Wasserbesitzrecht

 

Der Rechtsbegriff "WAL" tritt in seiner Schreibweise unterschiedlich auf: "Vale", "Walle", "Wale", "Wal", "Waal" und ab dem 16. Jahrhundert auch "Wahl".

 

Der Rechtsbegriff "Wal" im Sinne des Wasserbesitzrechtes lässt sich sehr oft in der Nähe von Ansiedelungen, ritterlichen Behausungen (Burgen), Kirchen und Fronhöfen nachweisen:

a - Walburg, Waalburg, Wahlburg oder Walschloss = Hinw. auf einen adeligen Wassersitz,

b - Walgraben, Waalgraben, Wahlgraben = Hinw. auf künstliche u. natürliche Wassergräben,

c - Walwiesen, Waalwiesen, Wahlwiesen = Hinw. auf wasserführende (Gräben) Wiesen,

d - Walstatt, Wallstatt, Wahlstatt = Hinw. auf einen Wal in der Nähe von Ansiedlungen,

e - Walhaus, Wallhaus, Wahlhaus = Hinw. a. Wasserreservoir/Hüll, Brunnenhaus, Fronhaus.

 

"Wale"/Gräben wurden auch künstlich errichtet. Sie wurden oft auch aufgeschüttet (= Schütt oder Schute/Schutt). Häufig sind diese Erdwälle noch heute sichtbar und die Rechtsbezeich-nung in Ortsnamen (z.B. Wahl / Schütt) erkennbar.

 

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"Walorte"

 

1. Wale bei ritterliche Behausung nachweisbar:

Breitenbach (Lkr. Ebermannstadt), Grünwald (Lkr. Amberg), Küps (Lkr. Kronach), Peesten (Lkr. Kulmbach), Reuthlas (Lkr. Münchberg)

2. Wale an einem festen Haus:

Heinersreuth (Lkr. Bayreuth - ein Bergfried), Vannau (Lkr. Kulmbach - eine Behausung), Waizendorf (Lkr. Kulmbach - eine Behausung mit Graben umfangen), Kersbach (Lkr. Forchheim - ein Wasserhaus), Mistelbach (Lkr. Bayreuth - eine Veste), Naslitz (Lkr. Eschenbach - ein Schloss).

3. Spätere Sitze an früheren urkkundlich belegten Walen:

Hesselbach (Lkr. Kronach), Laineck (Lkr. Bayreuth), Mistelgau (Lkr. Bayreuth), Oberweilersbach (Lkr. Ebermannstadt) Rüssenbach (Lkr. Ebermannstadt).

4. Nachstehend angeführte "Wale" trugen vorher und nachher einen burgähnlichen Bau:

Ebermannstadt, Kirchlauter, Naila, Partenfeld (Lkr. Kulmbach), Sachsendorf (Lkr. Ebermannstadt), Seukenreuth (Ortsteil von Schwarzenbach, Lkr. Hof), Truppach (Lkr. Bayreuth), Reizendorf (Lkr. Pegnitz), Untersteinach (Lkr. Stadtsteinach - Wassersitz), Triebenreuth (Lkr. Stadtsteinach).

5. Wale an einem Rittersitz (Schloss bzw. Veste):

Laineck, Küps, Mechlenreuth, Mistelbach, Naslitz (Lkr. Eschenbach), Untersteinach, Reizendorf Reuthlas, Schweinsbach, Altencreußen, Naila (Bergfried), Untersteinach, Schlackenreuth, Dietzhof, Stückbrunn, Heiligenstadt (Walhaus), Gottschalk, Oberhöchstadt, Oberleinleiter, Waizendorf, Zedlitz (Trupfgärtlein).

6. Wale mit Graben und Schut:

Altencreußen, Almannshof (unterhalb Reifenberg, Lkr. Ebermannstadt), Buch am Sand, Büchitz, Buttenheim, Heinersreuth, Höfen, Oberleinleiter, Reizendorf, Seukenreuth, Stückbrunn, Truppach, Unterweilersbach, Waizendorf, Münchberg (Wassergraben), Vannau (Wassergraben), Woja (Wassergraben), Manndorf (Lkr. Bamberg - Graben, Weet, Altwasser neben dem Graben),

7. Wale in Verbindung mit Burgstall:

Heiligenstadt, Heinersreuth, Hohenloch, Mistelbach, Kirchenlamitz, Rabenstein, Altencreußen, Lanzendorf, Lochau, Seukenreuth, Schwarzach.

8. Wale vor einem Schloss:

Steinberg, Theisenort

9. Walstatt:

Buch am Sand, Burgkunstadt, Kirchlauter (Lkr. Ebern), Alladorf, Schaumberg (Burgkunstadt),

10. Hof neben dem Wale:

Almannshof, Grünwald, Naila, Naslitz, Mistelgau, Oberweilersbach

11. "Wale" bayernweit:

Wahl (Lkr. Freising), Wahl (Lkr. Stadtsteinach), Wall (Lkr. Rosenheim), Wall (Lkr. Regensburg), Wale (Lkr. Miesbach), Caaschwitz, Holsteitz, Löbitz, Podebils bei Würchwitz, Thierbach, Traupitz, Gladitz, Zeitz, Rössuln, Wildenborn (Walteich), Podebils, Wölbattendorf (Walgraben), Woja (Lkr. Rehau - Wale mit Wassergraben), Ramsentahl (Lkr. Bayreuth - Wale mit Wassergraben), Tennenlohe, Oberleinleiter, Burggrub, Zoggendorf, Heiligenstadt, Veilbronn.

 

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"Walpoten" - Garanten für die "Wal"-Ansprüche

 

Seit der Errichtung des Bistums Bambergs durch Kaiser Heinrich II. und seiner Renovatio in Franken, lassen sich anhand von 136 urkundlichen Rechtsvorgängen "Walpoten" als eine Art Rechtspfleger (Halsgerichtsbarkeit) und auch als Treuhänder nachweisen sowie auch viele ihrer Burgen und familiären Linien (u.a. von Schönfeld, Wonsees, Krögelstein, Zwernitz und Reifenberg).

Mit den Grafen von Andechs-Meranien lassen sich die "Walpoten" auch in Südtirol ("Wal-wege"), Innsbruck, Kärnten, Wien usw. urkundlich feststellen.

 

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Die Bedeutung des Namens "Walpoten"

 

nach:

 

Gustav Voit

 

(Die Walpoten, ISBN: 3-7896-0562-X)

nach:

Karlheinz Hengst

(Die Walpoten - Kritische Betrachtung eines Namens und seiner mainwendischen Deutung. Archiv für Geschichte von Oberfranken, 80. Band, 2000.)

 


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