Kunst aus Franken

"Rückführung darf kein Tabu sein"


So manches Kunstwerk fand in den vergangen Jahrhunderten auf verschlungenen Pfaden seinen Weg von Franken nach Oberbayern. Nun hat die CSU-Fraktion des Bayerischen Landtags eine Kultur-Initiative ins Leben gerufen, die prüfen soll, ob Kulturgüter an Franken zurückgegeben werden können.

Die Probleme begannen mit Napoleon:

Durch den von ihm herbeigeführten "Reichsdeputationshauptschluss" fiel Franken 1803 an Bayern. Im Zuge der Säkularisation wurden viele Kunstwerke nach Altbayern geschafft. Zu ihnen gehören unter anderem das wertvolle Fränkische Herzogsschwert, das Bischof Johann von Grumbach im 15. Jahrhundert in Würzburg hatte anfertigen lassen, die sogen. Heinrichskrone, entstanden um 1280, eine der schönsten Kronen des Mittelalters, oder mehrere Werke von Albrecht Dürer, darunter die "Vier Apostel", "Selbstbildnis im braunen Pelzrock", die "Beweinung Christi" oder der "Baumgartner Altar" aus der Nürnberger Katharinenkirche. Und aus dem Bamberger Domschatz schafften die Bayern 15 Kisten wertvollen Inhalts nach Süden.

Die CSU-Landtagsfraktion hat sich zwecks möglicher Rückführung von Kunstwerken "mit der Staatsregierung darauf verständigt, dass diese alsbald ein Konzept vorlegt, wie die Interessen aller Regionen Bayerns künftig noch stärker in der Entwicklung der staatlichen Museen und Ausstellungen berücksichtigt werden können, um eine lebendige Auseinandersetzung mit Bayerns Geschichte und Kultur in allen Landesteilen zu fördern", sagt Joachim Herrmann, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und Bezirksvorsitzender der CSU Mittelfranken. Dabei soll auch geprüft werden, "welche hochrangigen, für die Geschichte Frankens bedeutenden Kunstwerke befristet oder auf Dauer in staatliche Zweigmuseen in Franken gegeben und dort ausgestellt werden können".

Herrmann und sein Landtagskollege Markus Söder, Mitglied im Kulturausschuss, fordern deshalb, dass "eine Rückkehr einzelner Kunstwerke nach Franken kein Tabu mehr sein darf". Zwar weisen Herrmann und Söder darauf hin, dass durch die Einrichtung von zwölf Zweigmuseen und -galerien der staatlichen Einrichtungen in Franken sowie durch bedeutende Landesausstellungen wie etwa in Kulmbach und Bamberg in den letzten Jahren viel geschehen sei. "Aber nicht genug", befinden die beiden fränkischen CSU-Politiker.

(BK, Nr. 7, 13.02.2003 - P.B.)


Kommt "Beutekunst" wieder nach Franken?

Kunstminister Zehetmair will Rückführung prüfen

 

Das Tauziehen um die fränkische "Beutekunst":

Der Landtag hat überraschend beschlossen, dass die aus der bayerischen Provinz stammenden Schätze, die jetzt in München sind, auch in ihrer Heimat präsentiert werden sollen. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag der CSU-Fraktion wurde mit nur einer Enthaltung angenommen.

Bei der Debatte geht es um Kunstwerke aus ganz Bayern, die im Zuge der Säkularisation bei der Auflösung von Fürstbistümern und Klöstern vor 200 Jahren nach München gebracht worden waren. Der Großteil dieser Schätze schlummere in den Depots der Münchner Museen, ohne dass sie jemand zu Gesicht bekomme, kritisierte der oberfränkische SPD-Abgeordnete Friedrich Odenbach. In dem Antrag wird die Staatsregierung aufgefordert, ein Konzept zur Präsentation der Kunst in allen Regionen Bayerns zu erarbeiten.

Eine SPD-Initiative, die sich nur auf Franken bezog, fand keine Mehrheit. Denn auch andere Regionen wie Schwaben und die Oberpfalz sollen von dem Vorhaben profitieren. Der SPD-Abgeordnete Gerhard Hartmann sprach von der "identitätsstiftenden Bedeutung" der Kunstschätze für die jeweilige Region.

Das Konzept soll voraussichtlich schon Mitte Mai im Landtag vorgestellt werden. Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) sagte zu, dafür auch Gespräche mit dem Haus Wittelsbach - Besitzer eines großen Teils der "Beutekunst" - aufzunehmen.

(TZ-Mü., 17.02.2003)

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