Unterfrankens

erstes bandkeramisches Grabenwerk

(BAB A 71)


Bei Mellrichstadt-Sondheim hat man auf rund 2,3 ha Fläche Teile einer ausgedehnten bandkeramischen Siedlung freigelegt, deren Zentrum wohl etwa 30 bis 40 m südöstlich der Grabungsgrenze im leicht abgeflachten Kuppenbereich liegt.

Vorläufig sind im zentralen Siedlungsbereich etwa 17 Hausgrundrisse auszumachen, deren unterschiedliche Ausrichtungen und Überschneidungen eine mehrphasige Besiedlung belegen. Dieses Siedlungszentrum wird von einem Graben umschlossen, der aber einige Hausgrundrisse und Grubenkomplexe schneidet und somit nicht zur ältesten Besiedlungsphase gehören dürfte.

Siedlungs- und Hausbefunde reichen zudem weit über das Grabenwerk hinaus. So sind im Westen, getrennt durch einen befundarmen Bereich, Spuren von mindestens fünf Gebäuden erkennbar. Nach vorläufiger Sichtung des umfangreichen Fundmaterials liegt der Besiedlungsschwerpunkt in der älteren (Stufe Flomborn) und mittleren Bandkeramik. Der ältesten Bandkeramik und den jüngsten Phasen können jeweils nur wenige Keramikreste eindeutig zugewiesen werden.

Wie die Siedlungsstrukturen ist auch die Grabenanlage selbst nicht einheitlich. So schließt sich an einen auf rund 100 m Länge erfassten ca. 3,5 m bis 4,5 m breiten und noch stellenweise 1,2 m tiefen regelmäßigen Sohlgraben ein schmaler stellenweise nur noch 0,2 m tief erhaltener Graben mit mehreren Lücken und unregelmäßigem Verlauf an. Nach einer größeren Unterbrechung folgt ein wiederum regelmäßiger, in den anstehenden Muschelkalt eingetiefter 2 m bis 3 m breiter Sohlgraben mit einem einziehenden Grabenkopf. Neben den bereits erwähnten Lücken sind im nordwestlichen Grabenteil zwei jeweils ca. 5 m breite Durchgänge mit scharf begrenzten Grabenköpfen zu beobachten, welche ältere Grubenkomplexe schneiden. In beiden Durchgängen konnten längs verlaufende, den Weg teilende Schlitzgruben festgestellt werden. Solche Toreinbauten wurden auch bereits an anderen Anlagen beobachtet.

Insgesamt scheint die unterschiedliche Ausprägung wohl auf eine nicht gleichzeitige Entstehung der gesamten Grabenanlage hinzudeuten. Ihre Größe ist derzeit nicht näher zu beurteilen, da bislang höchstens ein Drittel bis ein Viertel der Anlage freigelegt worden ist. Die Ostwestausdehnung beträgt jedoch bereits jetzt schon gut 200 m, sodaß bei einer hypothetischen Ergänzung zu einer leicht ovalen Gesamtform die Anlage eine Fläche von rund 9 bis 11 ha eingenommen haben dürfte. Damit gehört das neu entdeckte bandkeramische Grabenwerk, als zweite gesicherte Anlage in Nordbayern, mit zu den größten Erdwerken dieser Zeit in Mitteleuropa (so M. Hoppe).


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