Hakenkreuzfibel

im Obernburger Römermuseum


Eine Hakenkreuzfibel erwarb das Römermuseum Obernburg Anfang Dezember 2003.

 

Das "Hakenkreuz" ist indogermanischen Ursprungs und wurde als Symbol des Sonnenkults auch auf Fibeln römischer Soldaten getragen, vornehmlich von Soldaten im Bereich des obergermanisch-rätischen Limes. Diese Fibeln kommen vereinzelt jedoch auch in den übrigen römischen Provinzen vor.

Die Neuerwerbung ist aus Bronze, misst 30x30 mm, hat eine hellgrüne Patina und ist komplett erhalten. In der Mitte ist eine Radnabe eingepunzt. Die als Pferdeköpfe gestalteten Enden der vier Radspeichen sind nach rechts drehend abgebogen. Am Pferdehals sitzen nebeneinander zwei kleine Ohren. Die Pferdemäuler sind keilförmig geöffnet.

Die Swastika wurde durch das Dritte Reich unter dem Namen Hakenkreuz als das politische Symbol des Nationalsozialismus schlechthin bekannt. Dieser missbrauchte das uralte indogermanische Sinnzeichen, das seitdem für Gewaltherrschaft, Menschenverachtung, Völkermord und Unterdrückung steht. Die Swastika entstammt dem ur-indogermanischen und germanischen Kulturkreis. Sie entstand als ein Symbol des Sonnenkultes und ist als eine Variation des Achsenkreuzes im Kreis zu verstehen. Die Dynamisierung eines statischen Bildzeichens weist auch auf den Ablauf des Sonnenjahres mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter hin.

Im Römermuseum Obernburg hält die Taranis-Jupiterfigur mit ihrem linken Unterarm das vierspeichige keltische Sonnenrad (der Arm verdeckt eine Speiche). Die in einem Brunnen im 3. Jahrhundert n.Chr. versunkene Skulptur aus gräulichem Buntsandstein bekrönte einst eine Jupiter-Gigantensäule. Die erste nachweisbare dieser Säulen wurde 56 n.Chr. zu Ehren des römischen Kaisers Nero (54 bis 68 n.Chr.) in Mainz aufgestellt.

Die von da aus in Obergermanien verbreiteten Gigantensäulen sind die Urbilder der späteren christlichen fränkischen Bildstöcke.

Wegen der umgebogenen Enden der Swastika, meist nach rechts gerichtet, kam auch die Bezeichnung Hakenkreuz auf. Seit 700 n.Chr. steht im indischen Kulturraum das Symbol auch für die Zahl 10 000, was so viel wie "Unendlichkeit" bedeutet; in Tibet wird es als glücksbringend getragen. In der indischen Religion bedeuten die vier Arme der Swastika die Seinsebenen der Götter-, Menschen-, Tier- und Unterwelt. Im Mittelmeerraum gibt es Darstellungen mit eingerollten oder mäanderartigen Kreuzenden.

Bis in das 13. Jahrhundert wird das Hakenkreuz gern zu Ornamentbändern verbunden, die oft den Chorraum von Kirchen abschließen. Typische Beispiele finden sich in Griechenland und auch in dem einst byzantinischen Teil der heutigen Türkei. Da man das Hakenkreuz in frühmittelalterlicher Zeit auch als Vervielfachung des griechischen Buchstabens Gamma ansah, wurde der Name "crux gamma" (Gammakreuz) gebräuchlich. Im nordgermanischen Raum erscheint die Swastika zudem als "Thorshammer-Amulett". Sehr selten kommt sie in der vorkolumbischen amerikanischen Indianerkultur vor.

Die Obernburger Swastika mit ihren Pferdeköpfen ist letztlich eine symbolische Verschmelzung von Sonnenrad, Sonnenwagen und Zugtier des Himmelswagens. Seit der Geburt Jesu in Bethlehem und der Festlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember erhalten all die mythischen Vorbilder einen neuen Sinngehalt.

 


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