Deutsches Burgenmuseum

in der Veste Heldburg bei Coburg


Nicht auf der Cadolzburg bei Nürnberg, sondern auf der fränkisch-thüringischen Veste Heldburg bei Coburg wird das erste Deutsche Burgenmuseum entstehen. Damit geht der Freistaat Bayern, der das Pionierprojekt eines Burgenmuseums zu gerne auf der Cadolzburg gesehen hätte, leer aus. Aus eigener Schuld, wie der Initiator und Vorsitzende des soeben aus der Taufe gehobenen Trägervereins "Deutsches Burgenmuseum", Generaldirektor Prof. Ulrich Großmann vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg bei der Gründungsversammlung auf der jahrhundertelang fränkischen, 15 Kilometer westlich von Coburg und hart an der bayerisch-thüringischen Grenze gelegenen Heldburg betonte.

Als international anerkannter Burgenforscher und 1. Vorsitzender der 1992 in Leben gerufenen Internationalen Wartburg-Gesellschaft, die sich der Erforschung von Burgen und Schlössern verschreiben hat, hatte Großmann schon vor Jahren das Deutsche Burgenmuseum gefordert und für diese Idee auch das Bayerische Finanzministerium und die Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung gewonnen.

Die Cadolzburg nahe Nürnberg, eine Hohenzollern-Veste, deren vom Freistaat für 21 Millionen Euro in den letzten Jahren durchgeführte Sanierung so gut wie abgeschlossen ist, war als der nahezu ideale Standort dafür ins Auge gefasst worden. Ideal deswegen, weil sie verkehrsgünstig gelegen ist und zudem vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aus leicht wissenschaftlich betreut hätte werden können, ganz abgesehen davon, dass das Nürnberger Nationalmuseum auch eine Dauerausstellung mit wesentlichen Exponaten aus seinen über vier Millionen umfassenden Depotbeständen hätte bestücken können.

 

Aber genau daran, an der Frage einer wissenschaftlichen Forschungsstelle,

scheiterte das Deutsche Burgenmuseum in Bayern,

weil - so Großmann - das Finanzministerium in München nicht bereit war,

den wissenschaftlichen Apparat mitzufinanzieren,

obwohl bereits namhafte Sponsoren,

so unter anderem die finanzstarke Nürnberger Versicherungsgruppe,

gewonnen waren.

 

Vielmehr wollte sich die Bayerische Schlösserverwaltung,

in deren Besitz sich die Cadolzburg befindet,

nur auf eine Schausammlung

und eines der üblichen bayerischen Publikumsmuseen verständigen.

Aber, so Großmann, ein "Museum besteht nicht nur aus Vitrinen mit irgendeiner Füllung",

vor denen die Besucher staunend, aber verständnislos stehen.

Gerade beim romantisch verklärten,

aber wissenschaftlich längst nicht durchleuchteten Thema "Burg", meint Großmann, tue Aufklärung und Forschung not.

 

Mehr Gehör dagegen fand die Wartburg-Gesellschaft beim Freistaat Thüringen, dem bundeseigenen Deutschen Historischen Museum Berlin und natürlich beim sowieso initiativen Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, das vom Bund, vom Land Bayern und von der Stadt Nürnberg als Stiftung getragen wird. Nicht zu reden von der Nürnberger Versicherungsgruppe, der IHK Südthüringen, der Kreissparkasse Hildburghausen und weiteren Förderern, die das Deutsche Burgenmuseum unterstützen wollen. Außerdem fand die Wartburg-Gesellschaft in der 837 erstmals erwähnten, vor allem aber aus dem 14. Jahrhundert stammenden fränkischen Heldburg, die seit dem Mittelalter zum Fränkischen Reichskreis gehörte, eine nicht minder ideale mittelalterliche Burganlage, die sich als erstes Deutsches Burgenmuseum empfahl.

Mit einer ersten kleineren Ausstellung, die für 2007 geplant ist, soll die Idee eines Burgenmuseums zunächst einmal "angewärmt" werden, die dann in den darauf folgenden Jahren mit der Einrichtung einer Fachbibliothek und zwei größeren Burgen-Ausstellungen, im Deutschen Historischen Museum in Berlin und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, konkretere Gestalt annehmen und in ein ausgefeiltes Konzept münden soll. Ehe dann im Jahr 2010 etwa das "Deutsche Burgenmuseum Veste Heldburg" im Renaissanceflügel der Burg, im so genannten "Französischen Bau", auf zunächst 3000 Quadratmetern, (die unter Einbeziehung anderer Teile der Burg nach und nach auf 6000 erweitert werden können), eröffnet werden soll.

 

(Auszug: Bayer. Staatszeitung Nr. 11, 18. März .2005, F.J. Bröder)


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