"Der verschollene Hofkanzler kehrt in die Residenz zurück"
Restauriertes Hofkanzler-Porträt kommt von München nach Würzburg
Die Würzburger Residenz erhält ein neues Ausstellungsstück. Die Bayerische
Schlösserverwaltung präsentierte am Mittwoch (3. Mai) ein Porträt des
Hofkanzlers Reibelt. Das bedeutende Gemälde aus dem Jahr 1762 von Nicolaus
Treu, einem Meister des fränkischen Rokoko, ist nun zwischen Spiegelkabinett
und Museumsladen im Rudolph-Byss-Raum zu bewundern.
Das Porträt des fürstbischöflich-würzburgischen Hofkanzlers Johann Philipp
Christoph Reibelt (1686-1766), an den die Reibeltgasse im Sanderviertel
erinnert, galt lange als verschollen. Nun wurde es im Münchner Depot der
Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wiederentdeckt und dank einer Spende der
Würzburger Mäzenatin Maria Fischer-Flach fachgerecht restauriert.
Nach rund 250 Jahren kehrt der Hofkanzler nach Würzburg zurück. Dr. Werner
Helmberger, der Museumsreferent der Schlösserverwaltung für Unterfranken,
sagte bei der Präsentation am Mittwoch: "Die Residenz Würzburg als ehemalige
Stätte des Wirkens von Hofkanzler Reibelt ist der ideale Ort, um dieses
erstklassige Porträt auszustellen."
Ein Porträt auf Reisen - Von Berlin über München nach Würzburg
In den späten 1930er Jahren war im Berliner Kunsthandel ein Porträt des
Würzburger Hofkanzlers Johann Philipp Christoph Reibelt aufgetaucht, das
zunächst dem Maler Georg Anton Abraham Urlaub zugeschrieben wurde. Erst Max
von Freeden entdeckte die verschlüsselte Signatur des wahren Künstlers auf
einem Buchrücken rechts vorne: "NIC. 3. 1762" steht dort, was als "Nicolaus
Drei" bzw. "Trey" zu lesen ist, wie er sich selbst schrieb.
Als von Freeden diese Erkenntnisse und ein Foto des Gemäldes im Jahre 1975
veröffentlichte, gab er an, es habe sich zuletzt im Besitz einer Berliner
Bank befunden und sei dort 1945 verbrannt. Dies war nicht der Fall: Das
Gemälde war zwischenzeitlich in den Besitz der Bayerischen
Staatsgemäldesammlungen gekommen, wo es wegen seines schlechten
Erhaltungszustandes im Depot aufbewahrt wurde.
Wiederentdeckt, restauriert und neu präsentiert
Maria Fischer-Flach aus Würzburg, eine Nachfahrin der Familie Reibelt, stieß
bei ihren familiengeschichtlichen Forschungen in München im Bestand der
Staatsgemäldesammlungen auf das zerstört geglaubte Bild und sponserte die
Restaurierung. Auf Veranlassung der zuständigen Referentin der
Staatsgemäldesammlungen, Dr. Helge Siefert, restaurierte Klaus Büchel das
Gemälde.
Der Maler Johann Nicolaus Treu
Johann Nicolaus Treu (1734-1786) ist ein Spross der bekannten Bamberger
Malerfamilie Treu. Sein Großvater war der Bamberger Hofjude Wolf Nathan,
sein Vater konvertierte zum katholischen Glauben und nahm den Namen Joseph
Marquard Treu an. Als Schüler seines Vaters spezialisierte sich Nicolaus auf
das Porträtfach.
Unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim kam er nach Würzburg, wo er
zum fürstlichen Kammerdiener, Hofmaler und Galerieinspektor ernannt wurde.
Von ihm stammt unter anderem das Hochaltarbild der Würzburger
Augustinerkirche und das Gemälde des Nikolausaltars im "Käppele".
Zahlreiche seiner Werke befinden sich im Historischen Museum und in der
Neuen Residenz in Bamberg und im Mainfränkischen Museum in Würzburg. In der
Würzburger Residenz war er an der Gemäldeausstattung des Zweiten Gastzimmers
der Nördlichen Kaiserzimmer beteiligt. Und auch neben den vier Gemälden von
Rudolph Byss im Byss-Raum schließt sich ein Kreis für Nicolaus Treu: Sein
Vater Marquard Treu war acht Jahre Schüler bei Byss gewesen.