Mittelalterliche Pferdeschwemme auf der Cadolzburg entdeckt


Die Bayerische Schlösserverwaltung hat auf der Cadolzburg bei Fürth eine

mittelalterliche Pferdeschwemme entdeckt. Archäologen legten das Areal erst

kürzlich in mühsamer Kleinarbeit vollständig frei. Begleitet hat die

Arbeiten die Außenstelle des Bayerischen Landsamts für Denkmalpflege in

Nürnberg. Geprüft wird nun, ob die Pferdeschwemme im Rahmen der laufenden

Sanierungs- und Baumaßnahmen wiederhergestellt werden kann. Die Bauabteilung

und die Gärtenabteilung der Schlösserverwaltung sehen in der Pferdeschwemme

ein wichtiges Element der historischen Burg. Ihre Wiederherstellung würde

den Vorburgbereich erheblich aufwerten.


Die Besichtigung der Cadolzburg ist derzeit aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten nicht möglich.


Badeanstalt und Waschanlage für Pferde

 

Pferdeschwemmen sind frühe "Pferdewaschanlagen". Bevor es in den Stall ging

wurden die Tiere dort gereinigt. Die Cadolzburger Pferdeschwemme ist ein

fünf Meter breites und zwölf Meter langes Wasserbecken, in das die Pferde

über eine flache Rampe hineingeritten oder -geführt wurden.

 

Archäologen graben Beckenmauern und originale Bodenpflasterung aus

 

Erste Hinweise auf die Pferdeschwemme gibt eine skizzenhafte Zeichnung des

Landgrafen Moritz von Hessen aus dem Jahre 1629. Da die Pferdeschwemme Teil

des Wirtschaftsbetriebs der Vorburg war, ist sie sehr wahrscheinlich bereits

im Mittelalter entstanden. Da Schwemmen aus dieser Zeit äußerst selten sind,

kommt diesem Fund eine umso größere Bedeutung zu.

 

2003 brachten erste archäologische Untersuchungen bereits Relikte der

Beckenumrandung zutage. Die im März 2006 erfolgte Freilegung ergab, dass

nicht nur die kompletten Beckenmauern, sondern auch die ursprüngliche

Bodenpflasterung aus Sandstein sowie die historischen Lehmdichtungen noch

nahezu vollständig erhalten sind. Lage und Beschaffenheit der nicht mehr

vorhandenen Ummauerung lassen sich anhand bauhistorischer Befunde und früher

Fotografien rekonstruieren.

 

 

Erst Pferdeschwemme - dann Löschteich und Abbruch

 

Wie lange die Cadolzburger Pferdeschwemme ihrer eigentlichen Funktion

diente, ist unbekannt. Ihr Aussehen ist in ihrer ursprünglichen Form

letztmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Bis in die Zeit des

Zweiten Weltkriegs diente das Becken dann als Löschteich. In den 50er-Jahren

wurden die Umfassungsmauern abgerissen und das Wasserbecken aufgefüllt.

Seitdem überwucherten Gehölzsämlinge und Disteln das Areal.

 

Gesamtmaßnahme: Schloss Cadolzburg - Wiederaufbau

Einzelprojekt: Freilegung der ehemaligen Pferdeschwemme im Bereich der

Vorburg

Bauherr: Freistaat Bayern, vertreten durch die Bayerische Verwaltung

der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München

Projektleitung: Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg

Außenanlagen-Planung: Landschaftsarchitekt Helmut Wiegel Dip.-Ing.,

Bamberg

Untersuchungszeitraum: März bis April 2006

 


zurück