Restaurierung des Jean Pauls Dichterstübchen

(Bayreuth)


An der Stelle, an der die Königsallee mit einem Knick zur Eremitage abbiegt, steht das ehemalige "Chaussee- oder Zollhäuschen", das 1907 vom Ehepaar Friedrich und Anna Dorothea Rollwenzel zu einer Schänke umfunktioniert wurde und seitdem im Bayreuther Volksmund "Rollwenzelei" genannt wird.

Fast täglich soll von 1809 bis 1925 der Herr Legationsrat, Jean Paul Friedrich Richter, zur Rollwenzelei spaziert sein, um in dem kleinen Kämmerchen im Obergeschoss des Hauses ungestört arbeiten zu können.

In Jean Pauls Briefen wird die Rollwenzelei erstmals im Jahr 1809 erwähnt, zunächst als Ziel gemeinsamer Familienspaziergänge, erst später als Arbeitsstätte. Im oberen Stockwerk nach hinten gelegen stellte die "Rollwenzelin" dem von ihr hoch verehrten Dichter ein Stübchen bereit, in das der sehr lärmempfindliche Jean Paul flüchten konnte, um sich ganz in Ruhe seinen dichterischen Stimmungen hinzugeben.

Der Zauber Jean Paus ist noch heute in diesem winzigen Stübchen zu spüren. Der große, einfache hölzerne Tisch, das Sofa, die Stühle, die Wanduhr und der alte Ofen. Die noch authentische Schreibfeder und ein Bierkrug mit Zinndeckel, aus dem er das würzig-bittere Johanniter Bier aus dem nahe gelegenen Örtchen St. Johannis getrunken hat. Die "Idylle vom Leben Fidels" (1811 erschienen) und Jean Pauls letzter großer Roman "Der Komet" sind größtenteils in diesem Stübchen entstanden.

DEr Biertrinker Jean Paul war natürlich auch ein Freund von gutem Essen. Bei der guten Sophie Dorothea Rollwenzel, die ihn bewunderte und gern bediente, war er dabei in guten Händen. Die Wirtin war für ihr ausgezeichnetes Essen bekannt und sah es dem Legationsrat gerne nach, wenn er in Gedanken versunken das Essen kalt werden ließ oder es die Rollwenzelin stundenlang auf dem herd warm halten musste. Er fühlte sich wohl in seinem kleinen Dichterstübchen.

Die ehrwürdige Kammer ist der Rollwenzelei ist in die Jahre gekommen: Die Wände, die Decke und die einfachen Möbel, die der Schriftsteller noch genutzt hat, warten fast 200 Jahre nach Jean Pauls Tod ebenso auf eine dringende Restaurierung wie das Türschloss und der Ofen. Darüber hinaus müssen die kulturhistorisch wertvollen Gästebücher mit den inzwischen vergilbten Seiten dringend restaurierte werden. Die Gesamtkosten belaufen sich nach einer Expertise einschließlich der Fenstersanierung auf rund 25.000 Euro. Davon werden fast 8.000 Euro für die fachgerechte Bücherrestaurierung benötigt. Die Arbeiten sollen bis zu Jean Pauls 250. Geburtstag im Jahre 2013 abgeschlossen sein. Materielle und ideelle Hilfe erhoffen  man sich von der Stadt Bayreuth, der Oberfrankenstiftung, dem Historischen Verein, beim Frankenbund und der Jean-Paul-Gesellschaft. Historisches Franken hat sich ebenfalls daran beteiligt.

 


 

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