2008

 

Bayreuth muss einen Gang höher schalten!

 

Der Aufnahmeantrag für die Welterbeliste der UNESCO muss weiterentwickelt werden. Die Fokussierung auf die "Idealwelt der Markgräfin Wilhelmine reicht offenbar nicht aus, den Bayreuther Traum vom Weltkulturerbe wahr werden zu lassen.

Es geht dabei um die Frage, wie ein Alleinstellungsmerkmal für Bayreuth gefunden werden kann, mit dem es bei jedem sofort "klick" macht. Wilhelmine reicht dafür nicht aus. Der Bekanntheitsgrad der Markgräfin ist begrenzt. Aus dieser Einsicht resultiert die Weiterentwicklung des Titels, der nun lautet:

 

"Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth - Stätte der europäischen Musikkultur"

 

Daher soll nun der besondere Wert des Opernhauses in Verbindung mit der Musikkultur, dem Mäzenatentum der höfischen Tradition herausgearbeitet werden. Die Wirkungsgeschichte der Wilhelmine bis hin zu Richard Wagner soll deutlich werden.

 

Zuständig für den Aufnahmeantrag ist Dr. Peter O. Krückmann,

Referent für Bayreuth in der Bayerischen Schlösserverwaltung.


 

2008

 

Markgräfin Wilhelmine im Bayerischen Landtag

 

 

 

2007

 

„Sanspareil soll Weltkulturerbe werden“

 

berichtet Alexander Hartmann in der Bayerischen Rundschau vom
9./10. Juni 2007 von seinem Interview mit dem Museumsdirektor der Bayerischen Schlösserverwaltung Dr. Peter Krückmann.

 

Wonsees/Sanspareil - Die Altstadt von Bamberg und Regensburg sind es schon, ebenso die Klosterinsel Reichenau, die Würzburger Residenz und die Wieskirche: UNESCO-Weltkulturerbestätten. Um die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste bemüht sich (wie berichtet) auch Bayreuth. Der Mann, der die Anerkennung des „Markgräflichen Opernhauses und Bayreuths der Markgräflichen Wilhelmine als Idealwelt einer Frau zwischen Absolutismus und Aufklärung" maßgeblich vorantreibt, ist Dr. Peter Krückmann von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Gärten, Schlösser und Seen. Die Bayerische Rundschau sprach mit dem Museumsdirektor über die Bayreuther Bewerbung und die Chancen, die sich dadurch für Sanspareil ergeben. Denn der von Markgräfin Wilhelmine errichtete Felsengarten mit Morgenländischem Bau sowie Burg Zwernitz würde bei einem erfolgreichen Abschneiden der Wagnerstadt als Teil des Erbes der Markgräfin ebenfalls Weltkulturerbe. „Für Sanspareil und die gesamte Region wäre das mehr als ein Sechser im Lotto“, sagt Dr. Krückmann.

 

Herr Dr. Krückmann: Wann soll der offizielle Antrag zur Anerkennung des Markgräflichen Opernhauses und des Bayreuths der Markgräfin Wilhelmine in die Weltkkulturerbeliste erfolgen?

Wir wollen die Bewerbung Ende 2008 einreichen. Bis dahin ist noch viel Arbeit zu bewältigen.

 

Sanspareil wird explizit in den Antrag aufgenommen. Welche Aufgabe kommt da im Vorfeld auf den Markt Wonsees zu?

Die Gemeinde hat die Aufgabe, gemeinsam mit der Schlösserverwaltung und dem Landkreis einen so genannten Managementplan zu entwerfen. Wir werden diesbezüglich in den nächsten Monaten mit Markt und Landratsamt intensive Gespräche führen. In dem Konzept gilt es unter anderem darzustellen, was man beabsichtigt, um dem Denkmalgedanken in Sanspareil im Sinne des Weltkulturerbes gerecht zu werden. Da sind Bebauungspläne ebenso wie Naturschutzprojekte einzubeziehen. Ein Windpark in Nähe des Felsengarten wäre dem Projekt ebenso abträglich wie der Bau eines Betonklotzes, der sich nicht in das Gesamtbild einpasst.

 

Das Prädikat Weltkulturerbe würde Bayreuth und Sanspareil zusätzliche Touristen zuführen. Mit welchem Besucherzuwachs wäre zu rechnen?

Der Titel Weltkulturerbe zieht. Der Besucherzuwachs kann bis zu 50 Prozent betragen. Deshalb ist neben dem denkmalpflegerischen Aspekt auch ein touristisches Konzept ganz wichtig.

Weltkulturerbe ist zwar kein Tourismusprädikat, sondern in erster Linie die Schutzfunktion für Kulturgut in allerhöchster Stufe. Nichtsdestotrotz will die UNESCO wissen, wie sich die Besucher in angemessener Weise in einer Region aufhalten können. Da ist beispielsweise im Bereich Infrastruktur auch die Parkplatzfrage für Busse zu klären.

 

Wie kann die doch kleine Gemeinde Wonsees eine so gewaltige Aufgabe meistern?

Die Weltkulturerbestätte betrifft den Kernbereich Sanspareil, hat aber auch eine Pufferzone, die beispielsweise den Hauptort Wonsees einschließen könnte. Gemeinde und Landkreis müssen sich gemeinsam überlegen, wie es gelingen kann, dass die gesamte Region einen Nutzen daraus zieht. Die Besucher dürfen nicht nur aus dem Bus aussteigen und nach einem Spaziergang durch den Felsengarten das Weite suchen. Es muss das Ziel sein, die Gäste möglichst über Nacht zu binden. Wonsees allein wäre in diesem Bestreben verloren. Die Gemeinde muss Partner suchen, etwa Thurnau, Hollfeld oder auch die Therme Obernsees. Jeder sollte einen Mosaikstein zu einem Komplettangebot beitragen, das geeignet ist, die sehr attraktive Urlaubsregion nach außen besser zu verkaufen. Sollte das Konzept greifen, wäre dann im übrigen zu prüfen, ob man im näheren Umfeld einen Investor für ein Hotel findet.

 

In welchem Bereich muss sich Wonsees selbst steigern?

 Man kann aus dem wunderschönen Wonsees sicher noch mehr herausholen. Es reicht nicht, nur mit Natur und Wanderwegen zu werben. Man muss die kulturhistorische und geschichtliche Bedeutung mehr herausstellen, deutlich machen, dass die Hohenzollern auch hier ihre Spuren hinterlassen haben. In diesem Zusammenhang ist ganz besonders auch der Landkreis Kulmbach gefordert. Er muss klar herausstellen, dass Sanspareil neben der Plassenburg der Leuchtturm im Landkreis ist.

 

Wird mit den Pfunden, die der Landkreisgerade auch mit dem Erbe Wilhelmines in Sanspareil hat, zu wenig gewuchert?

Den Eindruck habe ich. Aber selbst im Markt Wonsees fehlt meiner Ansicht nach das Bewusstsein darüber, dass es sich hier um eine ganz besondere Ecke handelt. Dieses Bewusstsein müssen wir aber haben, wenn wir Weltkulturerbe werden wollen.

In Bayreuth hat da schon ein Wandel eingesetzt. Dort hat man erkannt, dass das Potenzial von Wagner fast ausgeschöpft ist, man mit Wilhelmine ein zweites Standbein hat, mit dem man viel erreichen kann.

 

Wann rechnen sie mit einer Entscheidung der UNESCO? Wie beurteilen sie die Chancen der Bayreuther Bewerbung?

Mit einer Entscheidung ist frühestens 2010 zu rechnen. Vom Gefühl her bin ich sehr zuversichtlich. Nüchtern betrachtet stehen die Chancen 50:50. Man muss sehen, dass das Weltkulturerbe-Prädikat nicht oft vergeben wird. In Bayern gibt es zurzeit nur fünf Weltkulturerbestätten, und die Kriterien, die bei der Vergabe angewandt werden, werden immer strenger.

  

Kommentar Alexander Hartmann:

 

   Einmalige Chance

 

C’est sans pareil - dies ist ohne Gleichen. Die Worte, die eine Hofdame des Markgrafen einst beim Anblick des Felsengartens gewählt hat, treffen auch auf die Chancen zu, die sich für Sanspareil, den Markt Wonsees und das gesamte Kulmbacher Land durch den Weltkulturerbeantrag Bayreuths ergeben, der auch das Erbe der Markgräfin Wilhelmine in Sanspareil uuumfasst.

Bei einer Anerkennung der Bewerbung hätte der Landkreis mit dem Prädikat UNESCO-Weltkulturerbe ein gewaltiges Zugpferd, das die Region ins Rampenlicht rücken würde. „Das wäre mehr als ein Sechser im Lotto", sagt Museumsdirektor Dr. Peter Krückmann zu den Auswirkungen, die eine Weltkulturerbestätte hat.

Um die Auszeichnung zu erhalten, reicht es aber nicht, nur ein paar Kreuzchen zu machen. Der ganze Landkreis muss in den kommenden Monaten die Ärmel hochkrempeln und ein Konzept erstellen, das im Zusammenspiel mit dem Bayreuther Antrag die UNESCO überzeugt.

Die Chance muss am Schopf gepackt werden, denn sie ist für die Region einzigartig, oder, wie es die Hofdame vor Jahrhunderten ausgedrückt hat: ohne Gleichen.

 

2007

- UNESCO -

The Margravial Opera House Bayreuth -

an outstanding place of the european musical culture

The Margrave Opera House in Bayreuth (built 1745 - 1748) is one of the most outstanding monuments of European theatre architecture in baroque times, preserved virtually unchanged in its original appearance. The interior design with its splendid auditorium is the heyday of artistic creativity of the theatre architects Giuseppe and Calo Galli-Bibiena. Further places representing the intellectual and spiritual world of Margravine Wilhelmine in significant manner are the Neues Schloss (New Palace) or Residence, which was projected in cooperation by Wilhelmine, and the Eremitage, an intimate garden area outsite of Bayreuth with two houses where the ruler's family spent the summertime. The interior design of the older palace documents Wilhelmine's encodet thinking. The fourth place of interest is the Rock Garden Sanspareil between Bayreuth and Bamberg. The bizarre rock formations are reminiscents of chinese gardens. The most particular building in the garden is the Roman Theatre, the first ruined garden architecture in Europe.

 

Justification for Outstanding Universal Value

Satements of authenticity and/or integrity

All the monuments have come down authentically; there has hardly been any loss during WW II or due to post war moderations (less than 10 % of the original substance are concerned); thus one can experience the world of Wilhelmine in an almost unaltered setting.

 


 

2005

Bayreuth:

Bewerbung zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste.

Neufassung des Antrags für Bayreuth

 


"Mit der Neufassung des Antrags steigern wir die Erfolgsaussichten für Bayreuth, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden, deutlich. Bayreuth bietet mit dieser Bewerbung genau das, was die UNESCO sucht: Das so genannte ,intangible cultural heritage', also das immaterielle Kulturerbe. Die Baudenkmäler der Markgräfin Wilhelmine bilden ein vorzüglich erhaltenes Ensemble, das die Ideenwelt die Bauherrin und ihrer Zeit abbildet", erklärten Finanzminister Kurt Faltlhauser und Wissenschaftsminister Thomas Goppel am Donnerstag in München.

Nunmehr werden neben dem Markgräflichen Opernhaus auch die anderen originären baulichen Zeugnisse der Markgräfin Wilhelmine in Bayreuth (Eremitage, Neues Schloss und - etwas außerhalb gelegen - Sanspareil) in den Antrag aufgenommen. Der neuen Konzeption entsprechend, das Schaffen der Markgräfin in Bayreuth als Gesamtkunstwerk zu erfassen, wird auch der Titel der Bewerbung neu gefasst zu

 

 "Das Markgräfliche Opernhaus und das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine -

Die Idealwelt einer Frau zwischen Absolutismus und Aufklärung".

 

Die deutschen Vorschläge für die Liste des Welterbes der UNESCO werden von der Kultusministerkonferenz (KMK) gesammelt in der so genannten Tentativliste gebündelt. Bislang sieht die Liste drei bayerische Positionen vor: die Altstadt von Regensburg, den Limes und das "Markgräfliche Operhaus Bayreuth". Bayern hat bei der KMK die Neufassung beantragt. Der erweiterte Antrag soll dem Welterbezentrum der UNESCO im Lauf des Jahres 2007 zur Vorprüfung vorgelegt werden. Sowohl die Stadt Bayreuth als auch der Landkreis Kulmbach haben bereits ihre konstruktive Unterstützung bei der Erstellung des Antrags zugesichert.

"Das Markgräfliche Opernhaus und das Gesamtensemble in Bayreuth sind ein Juwel des Rokoko von Weltrang. Bayreuth ist ein würdiger Aspirant für die Aufnahme in die Liste des Welterbes", erklärte Faltlhauser, oberster Dienstherr der Schlösserverwaltung. Eine Auszeichnung als Weltkulturerbe brächte der Stadt Bayreuth und der Region sicher einen nachhaltigen Impuls, ergänzte Faltlhauser. Nach den derzeitigen Erfahrungen könne in diesen Fall mit einer spürbaren Zunahme der Besucherzahlen gerechnet werden. Goppel, der in der Staatsregierung für Fragen des Weltkulturerbes zuständig ist, erklärte, eine verlässliche Prognose, in welchem Jahr mit der Entscheidung über den Antrag gerechnet werden könne, sei derzeit nicht möglich. Die derzeit geltende Tentativliste solle jedoch voraussichtlich bis zum Jahr 2015 abgearbeitet werden.


Informationen zur Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und ihren Bauten

Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth war eine der herausragendsten Frauenpersönlichkeiten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bekannt ist sie bis heute vor allem durch ihre Memoiren und den berührenden Briefwechsel mit ihrem Bruder König Friedrich den Großen. Hochgebildet und künstlerisch vielfältig begabt, begründete sie nach ihrer Heirat mit dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth in der fränkischen Residenzstadt einen in seiner Art einzigartigen "Musenhof". Er spiegelte in seiner Konzeption und Ausstattung weniger die verbreiteten Standesvorstellungen der Zeit wieder, sondern brachte auf vielfältige Weise das persönliche, von Kunst und Philosophie geprägte Weltbild der Markgräfin zwischen Absolutismus und Aufklärung zum Ausdruck. Im Laufe weniger Jahre entwickelte er sich zu einem Hof von europäischem Rang. Wilhelmine initiierte mit der Unterstützung ihres Gatten eine rege Bautätigkeit. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten erweiterte sie den Schlossbereich Eremitage vor den Toren der Stadt, schuf mit dem Neuen Schloss eine prachtvolle Residenz des Markgrafentums und legte den Felsengarten Sanspareil mit dem ersten Ruinentheater in der Architekturgeschichte an. Mit der Errichtung des Markgräflichen Opernhauses, der Krönung ihrer Bautätigkeit, hat sich bis zum heutigen Tag die weltweit bedeutendste historische Spielstätte des Barockzeitalters erhalten.

 

Weitere Informationen unter:

Bayerischer Rundfunk München

Historisches Franken in Europa

 


 

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