Die Weihnachtsbäume an die Decke hängen


 

Hängende Weihnachtsbäume schmückten früher in Franken die Wohnzimmer

Bekanntlich schmückte man früher besonders im Fichtelgebirge den hängenden Weihnachtsbaum mit Nüssen, Äpfeln, Binseneiern (mit dem Innengewebe von Binsen umwickelt) und "Brettlen" (selbstgebackenem Marzipan). Kerzen wurden bei den hängenden Weihnachtsbäumen weniger verwendet. Einfacher und schlichter hielt man es oft auch, ihn "meistens mit roten und weißen Papierrosen" - Symbole des Jessebaums und des Kruzifixes als Rosenstrauch - heraus zuputzten.

Um Bamberg, im Baunachtal, im östlichen Steigerwald und um Würzburg fanden sich als weitere Variante die mit Zuckerstücken oder roten Äpfeln geschmückten Fichtenwedel unter der Decke im Herrgottseck der Bauernhäuser. Im Hummelgau/Landkreis Bayreuth, wurde vor 1900 hingegen lediglich ein größerer Zweig in der Sitzecke befestigt, der sich an der Decke bis zur Mitte des Tisches bog und mit vergoldeten Nüssen, Äpfeln, Engelhaar, später mit Glaskugeln, Vögeln und Glöckchen geschmückt wurde. Im Landkreis Kulmbach hieß dieser große geschmückte Zweig "Plätzen". In der Fränkische Schweiz ist der Barbarazweig als geschmückter "Christtagszweig" um 1870 nachgewiesen. Allgemein war es in Franken üblich, in der Vorweihnachtszeit Tannen- und Fichtenzweige in den Stuben hinter den Spiegel zu stecken oder im Herrgottswinkel aufzuhängen und so die Räume an Weihnachten anstelle eines Weihnachtsbaumes zu schmücken.

In der Gegend um Pegnitz wurde der ausgediente Weihnachtsbaum am Neujahrstag als "Neujahrchen" umzufunktioniert und als Glücksbringer an Haus- und Scheunengiebel befestigt.

 

Zugleich zu den eigentlichen Nadelbäumen an der Decke gab es in Franken auch Holzgestelle, so den "Roaf" oder "Rafn" (Reifen) im Nürnberger Umland, der an die Decke gehängt wurde. Dieser "Ersatzbaum" bestand aus bis zu fünf Reifen, die mit Buntpapier umwickelt und rundum mit buntbemalten Zuckerstücken geschmückt waren. Die Reifen wurden nach oben verjüngend, kegelförmig angeordnet. Sie wirkten dann wie ein von der Decke herabhängender Baum. In ärmeren Familien war es nur ein einziger Fassreif. Praktische Kerzenhalter gab es damals noch nicht, deshalb wurden die Lichter auch aus Sicherheitsgründen ringsum auf Konsolen und Fenstersimse gestellt, so dass das ganze Zimmer festlich illuminiert war.

 

Die hängenden Christbäume in Franken blieben hingegen nur der Weihnachtszeit vorbehalten. Eine adventliche Variante tauchte erstmals um 1790 in Nürnberg in Gestalt von einem "Barbarabaum" auf, der zur Weihnachtszeit blühen sollte. Auch in der Gegend um Nördlingen hatte man nicht den düsteren Tannenbaum für die Christbescherung, sondern man setzte schon monatelang vorher den jungen Stamm von einem Kirschbaum in eine Zimmerecke in einen großen Topf. Gewöhnlich stehen diese Bäume bis Weihnachten in voller Blüte und dehnen sich weit an der Zimmerdecke hin aus, was man als eine große Zierde betrachtet.

 

Hinweis: Osterbaum in Franken

 


 

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