Zu den herausragenden Taten Wilhelm Löhes zählte zunächst die Gründung der "Missionsvorbereitungsanstalt" 1846, in der Löhe sogenannte Nothelfer zur Betreuung der vielen Amerika-Auswanderer ausbilden ließ. Aus dieser Ausbildungseinrichtung ging das Evangelische Missionswerk Bayern hervor, das sich seit einiger Zeit Mission EineWelt nennt. 1854 rief Wilhelm Löhe die Diakonissenanstalt ins Leben. Aus ihr wiederum entwickelte sich die Diakonie Neuendettelsau, heute immerhin ein soziales Unternehmen mit 6.000 Mitarbeitern.
Der vielseitige Pfarrer kam 1837 nach Neuendettelsau, damals ein Ort, der nichts anderes war als viele andere Bauerndörfer im Fränkischen auch. Löhe war am Anfang nicht gerne auf dieser Pfarrstelle und wäre viel lieber Geistlicher einer angesehenen Stadtgemeinde geworden. Doch er fügte sich in sein Schicksal und verhalf der Gemeinde bis zu seinem Tod im Jahr 1872 zu einer gewissen Berühmtheit. Als Löhe Neuendettelsau 1836 erstmals besuchte, dachte er bei sich "nicht tot möchte ich in diesem Neste sein", wie er 1868 rückblickend berichtet. Und er amüsiert sich darüber, dass Neuendettelsau durch sein Wirken plötzlich einen Namen hat. In seinem Bericht von 1868 schreibt er: "Es ist neulich eine Missionsweltkarte erschienen, die empfohlen werden kann und auf der sich in der Mitte Europas Neuendettelsau verzeichnet findet. Es ist mir schier ein Spaß und Spott, aber wohlan es ist so, und der Grund, warum es so ist, sind die Anstalten, die auf der Gemarkung Neuendettelsau ihre Herberge gefunden haben".
Löhe, der Visionär:
Löhe gründete in der Mitte des 19. Jahrhunderts die erste b ayerische Diakonissenanstalt im ländlichen Raum. Von Neuendettelsau aus sollte eine über Bayern hinausgehende diakonische Bewegung entstehen. Löhes Weg stellte ein großes Wagnis dar. Konnte er ausreichend Unterstützung im ländlichen Neuendettelsau bekommen? Löhe wählte diesen Weg und war sich der Problematik bewusst. Durch seinen Tatendrang und seine Ideen verwirklichte Löhe in Neuendettelsau sein diakonisches Konzept. Löhe legte den Grundstein für soziales Handeln aus dem evangelischen Glauben heraus. Seine Vision war es, Menschen aktiv zu helfen, um sie für den Glauben wieder zu gewinnen.
Löhe, der Helfende:
Löhe nahm die sozialen Probleme seiner Umgebung deutlich war. Die ländliche Massenarmut grassierte auch in Löhes fränkischer Heimat. Die soziale Problematik der beginnenden Industrialisierung war ihm durch seine Heimatstadt Fürth und seine Kontakte zu Nürnberg bekannt, durch intensive Zeitungslektüre kannte Löhe zudem die sozialen Nöte der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Mit der Errichtung erster kleiner diakonischer Einrichtungen und 1854 durch die Gründung der ersten bayerischen Diakonissenanstalt in Neuendettelsau verwirklichte Wilhelm Löhe konkrete Hilfsmaßnahmen für kranke, arme und sozial schwache Menschen.
Löhe, der Ökonom:
Wilhelm Löhe behielt bei all seinen Projekten und Initiativen die Machbarkeit im Blick. Der Umgang mit den ihm anvertrauten finanziellen Ressourcen und der sinnvolle Einsatz derselben waren eine primäre Voraussetzung für sein diakonisches Handeln. Die wirtschaftlichen Grundlagen und Kenntnisse vermittelte er auch an Dritte, insbesondere den Trägerinnen seiner diakonischen Arbeit, den Neuendettelsauer Diakonissen. Keine Diakonisse wurde in das Berufsleben entlassen, ohne entsprechende Kenntnisse über das Rechnungswesen erlangt zu haben. Durch sein Handeln war in Neuendettelsau nicht nur ein geistliches diakonisches Zentrum, sondern auch ein sichtbares diakonisches Zentrum, mit Krankenhäusern, einem Waisenhaus, Behinderteneinrichtungen und Ausbildungsstätten entstanden.
Löhe, der Lutheraner:
Löhes Aktivitäten kamen aus seinem tiefen Glauben heraus. Im Mittelpunkt seines Lebens stand die Verbindung zu Gott, symbolisiert durch das Abendmahl. So konnte für Löhe Diakonie nur vom Altar ausgehen. In all seinem Handeln und Wirken vertraute er auf die Hilfe Gottes. Im Lutherischen Bekenntnis sah er den rechten Glauben. Diese Überzeugung vertrat Löhe Zeit seines Lebens.
Löhe, der Unbequeme:
Löhes theologisches Haltung und seine diakonischen Aktivitäten eckten aber auch an. Nicht in allen kirchlichen und Politischen Kreisen waren die Initiativen Löhes inhaltlich anerkannt. Löhe sprach Missstände an. Seine kritischen Anmerkungen in kirchenpolitischen Angelegenheiten, seine betont christliche Auslegung von Diakonie und Innere Mission wurden oftmals von dritter Seite aus kritisch betrachtet und kommentiert. Löhe lies sich von seinem Weg nicht abbringen und verwirklichte seine Vorstellungen.
Löhe, der Internationale:
Das Wirken Wilhelm Löhes blieb nicht auf seine fränkische Heimat begrenzt. Er unterstütze auch den Aufbau diakonischer Arbeit in anderen Regionen, so etwa im Baltikum, Bessarabien oder in Nordamerika. Dabei war es ihm wichtig zu zeigen, dass äußere Mission immer mit innerer Mission verbunden sein musste. Durch das Vorbild der christlichen Nächstenliebe sollte der evangelische Glaube wahrgenommen und angenommen werden. Die Wichtigkeit und die Bedeutung des Aufbaues von internationalen Netzwerken und der Verbreitung des sozialen Know Hows standen im Blick Löhes.
"Frankenmuth und Frankentrost"
Josef Schaitberger und das Kirchenmuseum in Franken
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St. Lorenz church in Frankenmuth Michigan Christlicher Gottesdienst live in deutsch 11 Uhr US-Ostzeit German language service live 11 a.m. (Eastern Standard Time in the USA)
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Löhe, der Pädagoge:
Löhe sah die Missstände in der Ausbildung im 19. Jahrhundert. Gerade junge Frauen waren von der nachschulischen Weiterbildung ausgegrenzt. Dieses Potenzial nutze Löhe, indem er die Ausbildung zur Diakonisse auch Frauen öffnete, welche nicht den Berufswunsch Diakonisse hegten. Mit den in Neuendettelsau errichteten Ausbildungsstätten bot Löhe eine fundierte Weiterbildung an. Dabei verknüpfte er theoretische und praktische Ausbildung. Über die Bildung versuchte Löhe den Menschen eine gesicherte Zukunft anzubieten.
Löhe, der Seelsorger:
Wilhelm Löhe blieb Zeit seines Lebens Pfarrer in Neuendettelsau. In Neuendettelsau führte Löhe nicht nur in der Diakonissenanstalt ein reiches spirituelles Leben ein. Er fühlte sich seiner Gemeinde verpflichtet und nahm das Amt intensiv wahr. Die Beichte und das Heilige Abendmahl standen im Mittelpunkt. Impulse für die gesamte Kirche gingen von Löhes "Schmuck der Heiligen Orte", Löhes Schrift über Paramentik, aus. Heute zeigen die Tageszeitengottesdienste oder die Arbeit der Paramentik den intensiven Bezug Löhes zu Seelsorge und Spiritualität.