Spitz- oder Spottnamen für die Bewohner unserer Dörfer in früherer Zeit
(Heinz Friedel, Heinersreuth)
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In früherer Zeit haben sich die Einwohner von einzelnen Ortschaften gegenseitig mit Spitz- oder Spottnamen bedacht und geneckt. Diese Spaßnamen wurden häufig von nicht ganz alltäglichen Arbeiten abgeleitet, welche von den Dorfbewohnern ausgeübt wurden. So wurden zum Beispiel die Neudrossenfelder und die Altenploser „Beechkratza“ (= Pechkratzer) genannt. Die Bezeichnung kommt daher, weil man sich dort mit dem Anzapfen/ Anritzen von Waldbäumen und dem dadurch austretenden Harz (Pech) ein Zubrot verdiente. Das Pech wurde zum Pichen von Fässern, zur Herstellung von Wagenschmiere oder als Pechöl zur Arzneimittelbereitung benötigt.
Die Heinersreuther wurden „Nochtwächta“ (=Nachtwächter) genannt. Woher kommt diese Bezeichnung ? Unser verstorbener Heimatforscher Rektor Eugen Maisel hat mir einmal die folgende Erklärung gegeben: Als im nahen Bayreuth in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die großen Textilfabriken und andere Betriebe entstanden waren, brauchte man während der Nachtzeit Wachpersonal, also Nachtwächter. Dies wären vornehmlich Männer aus Heinersreuth gewesen.
Ganz anders die Darstellung in einem Schriftstück aus unserem Schularchiv, abgefasst in deutscher Schrift (Sütterlin-Schrift). Sie lautet: In Heinersreuth musste früher jeder Hausbesitzer, der Reihe nach, Nachtwache halten. Erstens wegen der Feuersgefahr und zweitens wegen Einbruch. Einer kam auf den Gedanken, dass es im Bett schöner wäre. Er steckte seinen Spieß in eine Schneewehe, hing den Mantel darüber und stülpte die Mütze drauf. Er ging heim und legte sich ins Bett und schlief. Da kam ein Bayreuther daher. Er sagte zu sich: „Es ist dort der Nachtwächter, den kann ich fragen wie viel Uhr es ist.“ Er ging hin, klopfte ihn auf die Schulter und sprach: „Du, welche Uhr ist es ?“ Es regte sich nichts. Er ging um ihn herum und schaute ihn an. Er machte den Mantel auf und sah, dass es der Spieß war. Deshalb heißen die Heinersreuther die Nachtwächter.
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Heinersreuther „Nochtwächta“