Die "Hezilostraße"

- Auf mittelalterlichen Wegen -


In seinen neuesten Forschungen befasst sich der Heinersreuther Gemeindeheimatpfleger Heinz Friedel mit der mittelalterlichen "Hezilo-Straße" zwischen Regensburg, Bayreuth und Kronach. Straßen, wenn auch nicht im heutigen Sinne, waren laut Heinz Friedel für die Menschen schon vor tausend Jahren wichtig. Die Straßen von damals würden wir heute allerdings als Feldfuhren bezeichnen; sie waren weitgehend unbefestigt. Der Verkehr auf diesen "Fuhren" bestand ja auch nur aus Fußgängern, Fuhrwerken und bestenfalls aus Kutschen, die von Gespannen mit Ochsen oder Pferden gezogen wurden, sowie aus Reitern.

Die Fernstraße, um die es nachfolgend gehen soll, führte von Regensburg über Ammerthal, in der Nähe von Amberg/Oberpfalz gelegen, bis nach Kronach im Frankenwald. Sie wird von dem Bayreuther Geschichtsforscher Dr. Wilhelm Müller als "Hezilo-Straße" bezeichnet. Wie kommt es zu diesem Namen?

Unser Gebiet, zum einstigen "Nordgau" gehörend, unterstand um die erste Jahrtausendwende dem Markgrafen Heinrich von Schweinfurt, auch "Hezilo" genannt. Dieser hatte bei der Königswahl im Jahr 1002 Heinrich II., dem späteren Kaiser, unterstützt. Für diesen Dienst war ihm das Herzogtum Bayern versprochen worden. König Heinrich II. löste jedoch aus machtpolitischen Gründen dieses Versprechen nicht ein. Markgraf Heinrich erhob sich gegen den König, worauf es 1003 zu einer Schlacht bei Creußen kam. Der Markgraf Heinrich unterlag und floh über die vorgenannte Straße auf seine Burg Kronach. König Heinrich II., der seine gesamte Streitmacht eingesetzt hatte, ließ die Burgen Ammerthal und Kronach niederreißen, nahm den aufsässigen Markgrafen gefangen und hielt ihn über ein Jahr in strenger Kerkerhaft auf der Burg Giebichenstein bei Halle an der Saale fest.

Die Hezilo-Straße führte von Ammerthal über Auerbach in der Oberpfalz durch das Bayreuther Land: Dabei verlief die Route über die heutigen Bayreuther Stadtteile Destuben, Saas, die Altstadt, Oberobsang sowie weiter über die Flur, unterhalb des heutigen Einzelhofes vorbei und weiter in etwa auf Linie der jetzigen Bundesstraße 85 durch Heinersreuth, Altenplos und weiter nach Kronach. Unterhalb von Oberobsang überquerte die einstige Hezilostraße dabei das Bächlein "Die Preuschwitzerin" und verlief weiter nach Heinersreuth. Zur Sicherung dieser damaligen Fernstraße stand in der Nähe des heutigen Heinersreuther Recyclinghofes, dessen Areal den Flurnamen "Wallweiherwiese" trägt, ein sogenannter "Bergfried", also ein befestigter Wohnturm mit Wällen und Wassergraben. Für die Versorgung des Wachpersonals diente ein in der Nähe liegender Hof, das heutige Anwesen "Alter Bahndamm 3"

Der Bergfried wurde wahrscheinlich im Hussitenkrieg 1430 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Manche Historiker sehen in Heinrich von Schweinfurt übrigens den Gründer und Namensgeber des Dorfes Heinersreuth, so Heinz Friedel.


 

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