Tappert und steinreiche Geheimnisse

Bayreuth


 

Die Trefferquote der Archäologen, die die Sanierung des Bayreuther Marktplatzes begleiten, ist beachtlich hoch:

Neben dem Sandsteinbett des alten Tappert fanden sie auch Reste eines Steinbodens und Scherben, die Rückschlüsse darauf zulassen, dass es vor dem Einfall der Hussiten im 15. Jahrhundert Häuser aus Stein in Bayreuth gegeben hat. Jede Grabung ein Treffer. Mindestens einer: Wenn Hartmut Endres und sein Team dem Baggerfahrer sagen, wo er seine Schaufel in das Pflaster des Marktes rammen soll, folgt innerhalb kurzer zeit ein archäologisch oder auch für die Bayreuther Stadtgeschichte interessanter Fund. Während der Architekt der Marktsanierung, Martin Hirner aus München, sein neuzeitliches Stadtbächlein auf der Nordseite des Marktes entlang plätschern lässt - gefasst in Granit - , war der alte Tappert "etwa drei Meter von der Häuserfront entfernt und parallel dazu geführt", wie der Archäologe Endres sagt. Was in etwa zwei Meter Tiefe ausgegraben wurde ist die in Sandsteinquader gefasste Altwasserleitung, deren schachtartiger Aufbau aus einer jüngeren Phase stammt. Die Forscher sind sich relativ sicher, dass es sich hier um das Bett des dort inzwischen versiegten Tappert handelt, der in Richtung Spitalkirche geführt wurde. "Man kann das unterirdisch noch einige Meter weit verfolgen und erkennt ganz deutlich einige Abzweige, auch Richtung Frauengasse."

Der aktuelle Fund würde auch zu der Grabung passen, die vor dem Bau des Hugendubel-Hauses gemacht wurde. Endres: "Der jetzige Bachlauf fluchtet auf die Bachfassung die wir damals ausgegraben haben." Während der Tappert-Fund optisch greifbarer ist für die Zaungäste, Die kurzfristig einen freien Blick auf  die Bayreuther Geschichte hatten, ist der andere Fund - nur rund zehn Meter weiter - stadthistorisch wesentlich interessanter: "Wir haben dort eine zweite Fläche sondiert, in deren nördlichen Bereich wir ein altes Steinpflaster gefunden haben, das überzogen wird von einem Mörtel-Estrich. Dort haben wir eine Keramik aus dem 14. oder 15. Jahrhundert gefunden", sagt Endres. Den Fund macht so spannend, dass "ein Steingebäude aus dem 15. Jahrhundert oder älter dort an dieser Stelle in keinster Weise geläufig ist, und würde bedeuten, dass das Steinhaus - oder was auch immer es war - vor dem Hussiteneinfall dort gestanden haben muss". Reste von Holz- oder Fachwerkhäusern haben die Archäologen bei ihren Grabungen bisher bereits gefunden, an dieser Stelle vor der heutigen Spitalkirche war kein Gebäude bekannt. "Wir werden die Fläche in der kommenden Woche vorsichtig weiter öffnen, weil das zu wichtig für die Ortsgeschichte ist", sagt Endres. Der Fund sei auf jeden Fall "ein weiterer kleiner Mosaikstein für die Geschichte der Stadt Bayreuth.


 

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