König Ludwig II in Bayreuth

Am 10. November 1866 besuchte der Märchenkönig erstmals Bayreuth.

 

Ein Königsbesuch war für die Provinzstadt Bayreuth im 19. Jahrhundert ein überwältigendes Ereignis. Kein Monarch machte jedoch einen so nachhaltigen Eindruck auf die hiesigen Untertanen wie Ludwig II., und das war gut so. Denn die Bayreuther waren anno 1866 beim Krieg der Bayern gegen die Preußen - dem letzten deutschen Bruderkrieg - wegen ihres Wankelmutes im ganzen Land in Verruf geraten. Da musste schon ein Märchenkönig her, um sie mit patriotischer Seelenmassage wieder fester an die Krone Bayerns zu binden.

Blutjung und bildschön entstieg Ludwig am 10. November 1866 dem königlichen Eisenbahn-Salonwagen in Bayreuth. Die ganze Stadt war "beflaggt und bewimpelt, bekränzt und belaubt". Nachts glichen die Straßen nach der Schilderung der Lokalzeitung einem Feuermeer. An einer Ehrenpforte empfingen 25 holde Jungfrauen den 21-jährigen Monarchen und plapperten ihm brav ihre eingelernte Verse ins Ohr - was man eben damals aus einem solchen Anlass so sagte:

 

"Die Herzen aller, die hier stehn,

Wie schlagen sie voll Jubel hoch

Und bis zum Himmel soll es gehn:

Es lebe König Ludwig hoch."

 

Knapp drei Tage lang durfte der prächtige König bestaunt und bejubelt werden, etwa bei Fabrikbesuchen oder bei der Militärparade in der Mainaue. Bei einem großen Galaabend war das Markgräfliche Opernhaus erstmals mit Gas erleuchtet, und zwei Kostproben aus "Lohengrin" und "Tannhäuser" erfreuten das königliche Gemüt. Ansonsten war Wagner freilich im damaligen Bayreuth noch kein Thema.

 

Möglichst volksnah sollte der König den Oberfranken erscheinen. Ein Ball im früheren Gesellschaftshaus der "Bürgerressource" am Rennweg (heute Richard-Wagner-Straße) übertraf alle Erwartungen, denn Seine Majestät wirkte damals noch kein bisschen verhaltensgestört. Vielmehr erwies er sich als erstaunlich locker und bewegte sich völlig ungezwungen in "echt bürgerlichen Kreisen", wie das Bayreuther Tagblatt zu rühmen wusste. Bei der Eröffnungspolonaise durften neben vier adligen Damen auch vier Bürgertöchter mit dabei sein. Der König war ein exzellenter Tänzer und machte an diesem Abend keine Standesunterschiede. In München hat der später so menschenscheue Monarch nie mehr mit bürgerlichen Mädchen getanzt. Jeder noch so beiläufige und belanglose Satz des Königs machte in Windeseile seine runde. Der Bayreuther Pfarrerssohn Nägelsbach erinnerte sich noch 50 Jahre später an das glückstrahlende Gesicht der "Morgs-Lisette", als sie am nächsten Morgen das tägliche Fleisch ins Pfarrhaus brachte. Vom König war die blühende Maid gefragt worden, was denn ihr Vater sei. "Metzgermeister, Seine Majestät." Daraufhin erwiderte der König in heiterster Laune: "Ah, Fleischer, Fleischer - das sieht man", und ging weiter. Das Mädchen war selig


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