Die Nürnberger Burg erhält ein vernünftiges Ausstellungskonzept


Sie ist eines der bedeutendsten Zeugnisse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Bayern und gleichzeitig ein Symbol für ganz Franken: Die Nürnberger Kaiserburg.

 

Nun soll die Kaiserburg für 2,8 Millionen Euro ein vernünftiges Ausstellungskonzept erhalten - unter dem Titel "Der Kaiser kommt!" Die künftige Ausstellung soll sich ab 2013 auf 800 Quadratmeter erstrecken. Als Schwerpunkte sind vorgesehen: die Reichskleinodien, die Goldene Bulle von Kaiser Karl IV. (1356), ein wichtiger Bestandteil der Reichsverfassung, die Doppelrolle des Kaisers als weltlicher und geistlicher Herrscher sowie der Streit zwischen Kaiser und Papst, die Umstände des "Regierens aus dem Sattel", da die mittelalterlichen Könige und Kaiser ja keine feste Residenz hatten, das Verhältnis zwischen Kaiser und Stadt, der Widerstreit von Kaiserwahl und dynastischer Vererbung sowie die Reichstage zwischen 1378 und 1524. In diesen rund 150 Jahren fanden die meisten Reichstage auf der Nürnberger Burg statt. Die mittelalterlichen Kaiser waren ausgesprochen häufig und gern in Nürnberg. Sogar Kaiser Ludwig dem Bayern von Wittelsbach habe es offensichtlich auf der Nürnberger Burg besser gefallen als in seiner eigenen Residenz zu München.

Die jeweiligen Themen sollen an ihren authentischen Orten anschaulich gemacht werden. So eignet sich für die Darstellung der Kaiserpfalzen und ihrer Kapellen  - die zweistöckige Doppelkapelle der Burg ganz besonders - eine der wenigen Doppelkapellen in Deutschland übrigens. Im großen Kaisersaal im Obergeschoss des Pallas soll die Festtafel zu Ehren des Kaisers Friedrichs III. vom Reichstag 1470 dargestellt werden. Das "Regieren aus dem Sattel" wird im Empfangsraum dargestellt, das kaiserliche Schlafgemach beherbergt die Abteilung "Königswahl und Dynastie". Filme in einem eigenen Filmraum sollen die Darstellungen abrunden.

Bisher bestehen aber nur Grobkonzeptionen, die Feinplanung soll nun erst beginnen. Fest steht, dass mehr Besucher auf die Burg gelockt werden sollen als die bisherigen 250 000 pro Jahr. Es soll möglich sein, allein die Ausstellung zu erkunden, bisher ist das beinah nur mit Führungen möglich. Die Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums im Bereich der früheren Frauen-Kemenaten soll möglichst mit eingebunden werden: "Dem Besucher wird es egal sein, unter welcher Trägerschaft die Ausstellung steht." Eine 3-D-Schau soll einen imaginären Blick vom heutigen Sinwellturm, dem höchsten Turm der Burg, vor 200 Millionen Jahren bieten, um klarzumachen, wie der typische Nürnberger Burgsandstein überhaupt entstanden ist. Außerdem so anschaulich gemacht werden, welche Bewohner eine Burg hat - außer den Menschen: Hunderte Arten von Pflanzen und Pilzen, Spinnen, Insekten und Vögeln. Etwas besonderes ist auch die Modernisierung des "Tiefen Brunnens", unter anderem mit elektrischer Beleuchtung: "Das ist die schönste Grundwasserstelle Nürnbergs. Die Präsentation verläuft heute aber immer noch so wie vor 50 Jahren: mit einem Spiegel und einem Kerzenleuchter, der hinuntergelassen wird. Das kann man auch besser machen!"


 

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