Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth schließt nicht bereits im September 2011, sondern kann noch bis Ende September 2012 besichtigt werden.

 

 


 

 

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth:

Erste Hürde auf dem Weg zum Welterbe genommen

 

 

Experten erproben Restaurierungstechniken

 

Die Bewerbung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth hat die erste Hürde der offiziellen Nominierungsphase der UNESCO für die Liste des Weltkulturerbes ohne Probleme genommen. Die UNESCO reichte kürzlich die für vollständig befundenen Bewerbungsunterlagen an die beratenden Gremien von ICOMOS, dem internationalen Rat für Denkmalpflege, weiter. Ein Theaterexperte von ICOMOS nimmt nun in den kommenden Monaten Kontakt zur Schlösserverwaltung für die entscheidende Evaluierung vor Ort auf.

 

Gerüst für eine Musterachse steht bereits

 

Derzeit erproben und verfeinern Experten die vorgesehenen Restaurierungstechniken anhand einer Musterachse auf einem Gerüst im Innenraum des Opernhauses im Detail. Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtages hatte Ende März die Baumaßnahme in Höhe von knapp 19 Millionen Euro genehmigt. Daraufhin wurde der Antrag für die Ausführungsarbeiten dem Staatlichen Bauamt Bayreuth übergeben. Geplant ist, dass die Bauarbeiten Ende 2012/Anfang 2013 beginnen und rund vier Jahre dauern. Besucher können noch bis Ende September 2011 das Opernhaus besichtigen, auch wenn die beliebte Videopräsentation zur Geschichte des Hauses wegen des Gerüsts nicht mehr zu sehen ist.

 

Schlösserverwaltung rechnet mit der Aufnahme ins Welterbe

 

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth geht im Rennen um den begehrten Titel nun auf die Zielgerade. Im Sommer 2012 fällt die Entscheidung über seine Aufnahme in das Welterbe. Bei der Bayerischen Schlösserverwaltung ist man voller Zuversicht: „Das Markgräfliche Opernhaus ist heute das bedeutendste und besterhaltene Beispiel höfischer Opernhausarchitektur und Opernkultur des Barock“, sagte Präsident Dr. Johannes Erichsen bei einem Pressegespräch in Bayreuth. „Daher machen wir uns berechtigte Hoffnungen, dass die UNESCO den außergewöhnlichen Wert dieses Theaters durch die Aufnahme in das Welterbe bestätigt.“

 

„Markgräfliches Opernhaus Bayreuth – Einzigartiges Monument barocker Theaterkultur“ lautet der Titel des Antrags, der bereits seit Januar 2010 der UNESCO in Paris vorliegt. Allerdings entschloss sich im vergangenen Jahr die Ständige Konferenz der deutschen Kultusminister, bei der die letzte Entscheidung darüber liegt, welche Anträge der UNESCO von Deutschland offiziell vorgeschlagen werden, zwei anderen Anträgen den Vorrang zu geben („Fagus-Werk“ im niedersächsischen Alfeld und „Deutsche Buchenwälder“).

 

Die Vorschläge, die alljährlich im Rahmen des deutschen Kontingents zur Nominierung für die Welterbeliste anstehen, werden von den für Denkmalpflege zuständigen Länderbehörden über das Sekretariat der Kultusministerkonferenz, das Auswärtige Amt und das UNESCO-Welterbezentrum in Paris dem UNESCO-Welterbekomitee zur Entscheidung vorgelegt. Im Februar 2011 reichte die Kultusministerkonferenz nun den gemeinsamen Antrag der Bayerischen Schlösserverwaltung und der Stadt Bayreuth ein.

 

Ein Theater von außergewöhnlichem universellem Wert

 

Das Markgräfliche Opernhaus ist die großartigste Schöpfung, die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und ihr Gemahl Friedrich der Nachwelt hinterlassen haben. Es wurde vom kaiserlichen Theaterarchitekten Giuseppe Galli Bibiena (1696-1757) unter Beteiligung seines Sohnes Carlo und des Bayreuther Hofarchitekten Joseph St. Pierre (1709-1754) errichtet.

 

Giuseppe Galli Bibiena war der wohl berühmteste Theaterarchitekt seiner Zeit. Außerdem gilt er als der namhafteste Vertreter einer europaweit führenden Dynastie von Theaterarchitekten, die den Bau von Opernhäusern in der Barockzeit zur Vollendung gebracht haben. Die Herrscherhäuser ganz Europas beriefen die Bibiena als Spezialisten für Theaterarchitektur und Bühnenbilder.

 

Außer dem Markgräflichen Opernhaus hat sich aufgrund von gravierenden Veränderungen des jeweiligen Zeitgeschmacks, aber auch durch Brandkatastrophen bis in jüngste Zeit leider keines der zahlreichen Theater dieses Architekten und seiner Familie in dieser Vollständigkeit erhalten. Daher lässt sich die Blüte des höfischen Opernbaus nur noch in Bayreuth bis in kleinste Details unverfälscht studieren: ein wichtiges Kriterium für den außergewöhnlichen universellen Wert des Opernhauses.

 

Repräsentation und Festkultur

 

Wilhelmine, eine Schwester des preußischen Königs Friedrich II., des Großen, wirkte selbst als überdurchschnittlich talentierte Komponistin, Intendantin und Regisseurin auf ihrer Bühne. Das Opernhaus diente aber nicht nur dem Musikgenuss, sondern vor allem der Repräsentation und der höfischen Festkultur: Das Erscheinen des Markgrafenpaares war genauso wichtig wie die Theateraufführung selbst. Im Gesamteindruck des Innenraums nimmt die Fürstenloge daher eine herausragende Stellung ein. Die gesamte, noch aus dem Jahre 1748 erhaltene Gestaltung und Dekoration diente einzig der Verherrlichung des Herrschers.

 

„Als einmalig erhaltener Festraum der Barockzeit vermittelt das Markgräfliche Opernhaus in außerordentlicher Authentizität die höfische Theater- und Festkultur des 18. Jahrhunderts“, sagte Erichsen. Das Markgräfliche Opernhaus sei heute der einzige Ort, an dem die Opernkultur der Barockzeit und die Beziehung der Opera seria zum politischen System des Absolutismus authentisch erfahren werden könne, betonte der Präsident. „Diesen außergewöhnlichen Theaterraum gilt es nun dauerhaft und für alle Menschen zu erhalten und zu schützen. Der UNESCO-Welterbetitel ist die beste Garantie dafür!“

 

 

Weitere Informationen:

www.wilhelmine-bayreuth.de