Lichtmess in Franken


Wenns o' Lichdmess schdermd und schneid - is' da Frihling nimmer weid !

 

Lichtmess ist der erste Marienfeiertag im Kirchenjahr. In der katholischen Kirche galt der Feiertag als Ende der Weihnachtszeit. Noch heute werden in einigen katholischen Kirchen und Häusern die Christbäume erst am 2. Februar entfernt. An Mariä Lichtmess werden die Kerzen für das ganze Kirchenjahr und für den häuslichen Gebrauch geweiht. Sie sollen auf Christus, das wahre Licht, hinweisen. Dieser Brauch war auch der Namensgeber für den Ruhetag, der in Bayern bis ins Jahr 1912 offizieller Feiertag war. Er wird seit dem vierten Jahrhundert gefeiert. Bis zur Kalenderreform im Jahr 1969 hieß das Fest auch Maria Reinigung. In manchen fränkischen Orten gibt es heute noch Lichtmessprozessionen (Lichterprozessionen). Zur Lichter - Weihe bringen die Gläubigen Kerzen aus der Familie als Symbole des geistigen Lichts und der Vergänglichkeit des Menschen mit. Das gedrehte Wachs solle vor bösem Zauber, Tod, Feuer, Blitz- und Hagelschlag schützen. Noch heute findet man in manchem fränkischen Bauerhof schwarze Wetterkerzen, die bei Gewitter ins Fenster gestellt werden.

 

Im bäuerlichen Jahresablauf war Lichtmess der wichtigste Termin für die Dienstboten. Er war Zahltag und bot zudem die Möglichkeit, zu einem anderen Dienstherrn zu wechseln, denn das Arbeitsjahr der Mägde und Knechte dauerte immer von Lichtmess zu Lichtmess. Ein Dienstbüchlein war gesetzlich vorgeschrieben. Oft zogen die bäuerlichen Hilfskräfte am 2. Februar mit ihrer ganzen Habe,  einem Zeugnis und dem kargen Lohn für das harte Arbeitsjahr in der Tasche zum nächsten Bauern, nicht selten nur ein paar Dörfer weiter, um eine neue Arbeitsstelle anzutreten. An Lichtmess konnte das Gesinde den Lohn bei üppigen Essen und Trinken auf den Kopf hauen oder bei einem der vielen Märkte an den Mann bringen. Oft wurde getanzt und gefeiert, was das Zeug hielt. An Lichtmess gab es meist auch ein Festmahl, Schuhe und Kleidung vom Bauern. In der Zeit nach Lichtmess hatten die Dienstboten meist die einzigen Urlaubstage im Jahr, die sogen. "Schlenkerladoch".

Für die Arbeitsuche waren die Lichtmessmärkte damals die einzige Plattform. Die Bauern erkannten von weitem, welche unter ihnen noch frei waren. So trugen die Mägde meist zweierlei Strümpfe, einen roten und einen weißen, während die Burschen ihre Hüte mit einem Strohbüschel geschmückt hatte. Wer an Lichtmess seinen Dienst neu antrat oder den Vertrag beim Bauern per Handschlag verlängerte, wurde immer zu einem deftigen Essen eingeladen. 

 


 

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