Die Toten von der Bayreuther Stadtkirche


Sie sprechen! Und es gibt sehr viel, was sie erzählen, die Knochen, die die Archäologen aus dem unmittelbaren Umfeld der Stadtkirche geholt haben. Bis ins zwölfte Jahrhundert können die Bestattungen der Toten datiert werden. Rund 300 Skelette wurden in den vergangenen Wochen geborgen.

Im Norden der Kirchenanlage liegen die Gräber ziemlich tief. Dort ist auch offenbar Erdreich aufgetragen worden im Verlauf der Jahrhunderte. Auf der Südseite sieht das anders aus: dort stößt man bereits nach 60 bis 70 Zentimetern auf Skelette. Särge konnten nur drei gefunden werden. An der Armhaltung der Toten lasse sich deutlich ablesen, wann die Beisetzung stattgefunden hat. Die ersten Bestattungen waren wohl um 1200 hier rund um die Stadtkirche. Die ersten Toten liegen hier mit seitlich angelegten Armen. Später ändert sich die Armhaltung, was den Wechsel vom Hoch- zum Spätmittelalter andeutet. Die Menschen wurden dann mit über dem Bauch verschränkten und später vor der Brust gekreuzten Armen beigesetzt. Auf der Nordseite der Kirche liegen die Toten aus der urkundlich überlieferten Anfangszeit Bayreuths, dort fand man auch die Reste der romanischen Vorgängerkirche.

Ein Großteil der Skelette liegt streng in West-Ost-Richtung im Boden, das wurde erst später im 15. und 16. Jahrhundert gelockert. Danach orientierten sich die Beisetzungen eher an baulichen Gegebenheiten. Grabbeigaben wurden keine gefunden, nur ein paar bescheidene Bronzeschlaufen, die das Totenhemd zusammengehalten haben. Dafür entdeckte die Archäologen drei Tote, die mit dem Gesicht nach unten beerdigt waren. So hat man Verbrecher oder Selbstmörder beigesetzt, aus Angst, dass sie einem wieder erscheinen können.

Die letzen Beerdigungen rund um die Bayreuther Stadtkirche sind vermutlich um 1533 gewesen. Die Gebeine werden nun gesammelt und später am Bayreuther Stadtfriedhof noch einmal beigesetzt.

 

Info:

Gründung der Stadt Bayreuth


 

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