Schrumpfendes Schauspiel - müde Museen


 

Es wird häufig der Eindruck erweckt, als seien die Finanzen das einzige und allein entscheidende Problem der öffentlichen Einrichtungen.

Nun ist Geld ohne Zweifel wichtig, allerdings bleibt die Frage, wofür es in welchem Umfang genutzt werden soll.

 

1) Schauspiel - zwischen Niedergang und Aufbruch?

Von einer Finanzkrise des Theaters kann keine Rede sein. Inflationsbereinigt standen den öffentlichen Theatern in der Spielzeit 2011/12 rund 9 Prozent mehr Mittel zur Verfügung als 1990/91. Die Eigeneinnahmen verdoppelten sich in dieser Zeit sogar. Prekär ist allerdings die Lage des künstlerischen Personals. 1989/90 wurden rund 87,4 Mio. Euro für  1.945 Darsteller ausgegeben. 2011/12 standen 87,1 Mio. (nicht inflationsbereinigt) für 1.989 Darsteller zur Verfügung. Zugleich verdoppelte sich der Anteil von Zeitarbeit und Werkverträgen.

Ein genauer Blick auf die Besuchszahlen des Schauspiels ist weniger erfreulich:

Sie sinken seit den 1950er Jahren kontinuierlich - zwischen 1990/91 und 2011/12 etwa von 6,15 Mio. auf 5,25 Mio. Zugleich stieg das Veranstaltungsangebot von rund 21.800 auf knapp 24.000.

 

Des Rätsels Lösung:

1) Das Schauspiel wich immer mehr auf kleine Spielstätten aus, um nicht vor zunehmend leeren großen Theatersälen spielen zu müssen.

2) Fließbandmethode des Premieren-Outputs

3) Geschlossenes Milieu der etablierten Häuser

 

Prekarisierung insbesondere der künstlerischen Mitarbeiter, abnehmendes Publikumsinteresse

Die Schwäche des gegenwärtigen Theaters ist nicht in erster Linie ein ökonomisches Defizit, sondern eher schon ein inhaltliches!

 

 2) Müde Museen

Auch bei den deutschen Museen wird gern auf die Besuchszahlen verwiesen. Sie sind gestiegen und haben sich um die 110 Millionen eingependelt. Je nach Zahl der publikumsträchtigen Sonderausstellungen steigt die Anzahl der Besuche sogar noch - vor allem wegen der Touristen.

Die Attraktivität der Dauerausstellungen hält sich dagegen in Grenzen. Doch die "gewaltige Zahl" der Museumsbesuche ist dagegen nur relativ. Vier Fünftel aller Bundesbürger gehen in ihrem ganzen Leben nicht ins Museum, der Rest vielleicht zweimal im Jahr. Dazu besagt auch die gerne hervorgehobene hohe Anzahl von Museen in Deutschland wenig. Ernüchtert muss man feststellen, dass davon knapp die Hälfte Heimatmuseen sind.

Statistiken geben auch keine Auskunft, ob ein Museumsbesuch "kulturell sinnvoller, erfüllender" ist als etwa ein Gang ins Kino oder auf dem Sportplatz. Es ist ja  bekannt, dass die meisten Ausstellungen eher langweilig sind. Was u.a. daran liegt, "die immer gleichen Praktiken mit dem besten Gewissen zu wiederholen". Man könnte auch formulieren: das von der Fachwelt abgesicherte lexikalische Wissen und der Blick zurück siegt stets über das Experiment und den ungewissen Blick nach vorn. Dabei sollte eine Ausstellung doch eher dem Diskurs über offene Fragen dienen. Es sollten Konstellationen präsentiert werden, die vielleicht quer zu allen musealen Usancen stehen. Dafür wäre ein intensiveres Nachdenken über die Formen von Vermittlung notwendig.

Dass Institutionen von sich aus ändern, ist im höchsten Maße unwahrscheinlich. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass etwas Druck von Außen für Bewegung sorgt, sei es nun über die Freie Theaterszene oder die der freien Kuratoren.


 

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