Viele Geheimnisse aus der Kirschbaumhöhle gelüftet


Vor gut drei Jahren haben Mitglieder eines Höhlenforschungsvereins auf der Fränkischen Alb eine Schachthöhle voller Knochen entdeckt. In der Höhle lagen Knochen aus der Eisen-, Bronze- und Steinzeit.

Die Höhle sei völlig unberührt gewesen. Es handle sich um die erste Schachthöhle Deutschlands, die im Originalzustand mit modernster Technik erforscht werden könne. Im Moment sind Skelettreste von sieben Menschen, genauer fünf Erwachsenen und zwei Jugendlichen, neun Haustieren, drei Wildtieren und Nagern sowie 30 unbestimmbare Knochenfragmente geborgen worden. Die Altersdatierung ergab für die Forscher einige Überraschungen:

Drei Funde, nämlich die beiden Jugendlichen sowie einen Mann, datieren die Forscher in die Eisenzeit, also 760 bis 400 vor Christus, was die Archäologen zuvor für alle Knochen erwartet hatten. Dann folgte die Überraschung: Bei einer Frau fiel die Altersdatierung in die Epoche der frühen Bronzezeit, zwischen 1980 und 1740 vor Christus. Die Knochen einer weiteren Frau sowie eines Mannes datierten die Archäologen in die Zeit zwischen 2910 und 2660 vor Christus und somit in das Endneolithikum (Spätphase der Jungsteinzeit). Der Fund zählt offenbar zur sogenanntn schnurkeramikschen Kultur, die in Oberfranken durch den Siedlungsfund vom Motzenstein bei Wattendorf besser untersucht werden konnte.

Von den Menschen wurden nicht nur Schädel, sondern auch Knochen anderer Körperregionen gefunden und zwar so verteilt, dass die Forscher sich sicher sind, dass einige der Körper vollständig in die Höhle gelangt sind. Auch von den Tieren wurden Schädel, Extremitäten und Knochen der Wirbelsäule gefunden. Wahrscheinlich sind zwei Schafe während der Eisenzeit auch komplett in die Höhle gelangt, da sich Knochen des gesamten Körpers auf kleinem Raum konzentrierten. Unsicherheit bezüglich der Vollständigkeit besteht noch bei den drei Rindern, drei Hunden, einem Schwein und einem Rothirsch. Eine Wildkatze (Eisenzeit) und ein Feldhase sind vermutlich auf natürlichem Wege in die Höhle gelangt und dort verendet. Außer den Alterdatierungen habe die Forscher zudem das Ernährungsverhalten der Menschen untersucht. Mit der Bestimmung der Isotopenverhältnisse in den datierten Knochen stellten sie fest dass bei den Menschen des Endneolithikums tierische Nahrung eine bedeutendere Rolle gespielt hat als bei den eisenzeitlichen Individuen.


 

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