Der größte Friedhof aus dem Ende der Jungsteinzeit in Bayern entdeckt

Bergrheinfeld /Schweinfurt

 

4500 Jahre ist ein Gräberfeld, das bei Bauarbeiten zum neuen Tennet-Umspannwerk bei Bergrheinfeld (Kreis Schweinfurt) freigelegt wurde. Mit 26 Skeletten in 19 Gräbern ist es der größte Friedhof aus dem Ende der Jungsteinzeit, der sogenannten Schnurkeramik, der in Bayern bislang entdeckt wurde.

Die 25 Toten, darunter acht Kinder, waren in der typischen Hockerstellung der Schnurkeramik bestattet. Die Frauen liegen dabei mit dem Kopf im Osten, die Männer mit dem Kopf im Westen. Beide blicken gegen Süden beziehungsweise Südwesten. Gefunden wurden zwölf Einzelgräber, fünf Doppel- und eine Dreifachbestattung. Eine tiefe Grabgrube enthielt zwei Tote: eine typische Ost-West-Bestattung, wobei das Skelett durch eine Nord-Süd-Nachbestattung verändert wurde. In diesem Grab förderten die Archäologen eine Silexklinge, vier Steinbeile, eine steinerne Axt sowie kleine, bearbeitete Tierknochen, die als Werkzeuge dienten, zutage. Als ganz besoneren Fund aus diesem Grab sind zwei Fragmente eines menschlichen Schädels. Sie stammen von einer Stirnpartie, die offenbar bei einer Schädeloperation ausgesägt wurde. Solche Operationen am lebenden Menschen gab es bei den Schnurkeramikern - benannt nach der Keramikverzierung - häufiger.  Oft wurden aus den Schädelteilen dann Amulette gefertigt. Ob solche Operationen aus esoterischen oder medizinischen Gründen geschahen, ob damit Geister beschworen oder Kopfschmerzen gelindert werden sollten, ist nicht bekannt.

Auf dem höchsten Punkt der Geländekuppe deckten die Fachleute zudem einen Kreisgraben mit 14 Metern Durchmesser auf. Es handelt sich wohl um ein Hügelgrab ohne Tote. Doch am Rande des Kreises lagen Ober- und Unterschenkelknochen, allerdings nicht in Hockstellung, sondern langgestreckt. Neben diesem Kreisgraben vermuteten die Archäologen eine mittelalterliche Richtstelle. Sieben kreisförmig Pfostenlöcher deuten auf eine Glagen hin, weithin sichtbar.

 

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