Ausgrabungen am Kloster Einsiedel bei Ruppertshütten

 

Wer zu der Grabungsstelle am ehemaligen Kloster Elisabethenzell, das in jüngster Zeit Einsiedel genannt wurde, kommt, dem fällt sofort der Grundriss der ehemaligen Kirche auf, der im vergangenen Jahr wieder aufgemauert wurde. Hier soll ab 2017 ein archäologischer Park entstehen. Doch war es nicht nur eine Kirche die hier stand. Es sollen mindesten drei Kirchen gewesen sein. Diese wurden so erbaut, dass die größere immer um die kleinere Kirche herum gebaut wurde. Auf diese Weise konnte die alte Kirche so lange wie möglich genutzt werden.

Der älteste Bau ist die kleinere Kapelle, sowie der Brunnen der sich neben der Kirche befindet und etwa sieben Meter tief ist. Es muss etwa 70 bis 80 Jahre gedauert haben von der ersten kleinen Kapelle bis hin zum Kloster.

Der jüngste und größte Kirchenbau erhielt zusätzlich einen abgetrennten Mönchschor, so dass die Mönche ungestört ihre vorgeschriebenen Gebete verrichten konnten. Denn die Kirche diente zu jener Zeit als Übernachtungsraum für Reisende. Ebenfalls befand sich an diesem Kirchenbau ein Turm oder Dachreiter, an dem sich vermutlich einst eine Glocke befand.

Nördlich der Kirche befindet sich ein Friedhof, auf dem die Ausgräber bereits 65 Gräber fanden, jedoch noch nicht einmal ein Drittel des gesamten Friedhofgeländes untersucht haben. Man geht davon aus, dass sich in der Nähe dieses Klosters ein Dorf befunden haben muss von dem die Toten zur Bestattung hierher gebracht wurden. Dieses Dorf wurde jedoch bisher noch nicht gefunden.

Westlich des Kirchengebäudes fand man einen aus Stein gemauerten Keller und südlich von diesem Keller ein starkes Fundament weshalb die Archäologen davon ausgehen, dass es sich hierbei um einen Wohnturm gehandelt haben muss.  Bestärkt werden sie in ihrer Annahme durch den Fund von Resten einer Warmluftheizung, die dieses Gebäude geheizt haben muss. Solch ein Wohnturm war zu jener Zeit dem Adel vorbehalten. Es könnte auch das Haus des wohl adligen Priors gewesen sein. Direkt an diesen Wohnturm schloss sich im Süden ein kleiner ummauerter Bereich an, der erst vor kurzem freigelegt wurde. Hier fanden die Helfer eine Menge Mutterboden, weshalb davon auszugehen ist, dass dieser hierher gebracht wurde, so das dieser Bereich als Garten diente. Ganz im Süden, wo sich zuletzt eine Wildschweinsuhle befand, stießen die Ausgräber auf die Reste eines künstlich angelegten Teiches.

Zusätzlich zu den Mauerresten fanden die Archäologen eine Reihe von Artefakten bei ihren Ausgrabungen. Hierzu gehören verschiedene Metallteile, wie Hufeisten, Reste von Messern und Scheren. Es wurden eine Menge von Keramikscherben gefunden, aber auch kunstvoll gestaltete Keramikfiguren, wie ein kleiner Pferdekopf, der als Aquamanile diente und zur rituellen Händewaschung verwendet wurde. In einem Grab fanden sich eine Menge Silbermünzen und zuletzt fanden die Helfer Pilgerabzeichen aus Metall.

 

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