Baierrewt


I. Oberpfälzisches Bayreuth (Wüstung "Baierrewt")

Nördlich des Hirschwaldes lag die Burganlage Ammerthal der Grafen von Schweinfurt (Babenberger Grafen). Ammerthal war bereits Eigengut des Grafen Berthold von Schweinfurt und Mittelpunkt grundherrschaftlichen Besitzes auf dem Nordgau. Als solcher tritt es bei der Empörung des Markgrafen Heinrich von Schweinfurt gegen König Heinrich II. hervor. In Ammerthal, wohin der Verbündete des Markgrafen, Herzog Boleslav von Polen und Böhmen, Hilfstruppen entsandt hatte, nahm der offene Aufstand seinen Anfang.

Von hier aus brachen im Jahre 1003 die Kriegsleute des Markgrafen nach Hersbruck auf, um den Schatz Heinrichs II., der dem König auf seiner Reise nach Bayern vorausging, zu rauben und nach Ammerthal zu schleppen. Als der König kurze Zeit später die Burg belagerte, veranlaßte er die Belagerten durch Vermittler, gegen Zusicherung ihres Lebens die Burg zu übergeben und die geraubten Schätze zurückzustellen. Trotzdem ließ er die Veste von Grund auf zerstören. Nachdem sich Graf Heinrich von Schweinfurt im Jahre 1004 unterworfen hatte, gab ihm der König das Eigengut Ammerthal wieder zurück.

Für König Heinrich II. war die strategische Lage Ammerthals enorm wichtig. Deshalb veranlaßte er bereits kurz nach der Zerstörung Ammerthals dessen Wiederaufbau. Im Rahmen seiner Gründung des Bistums Bamberg sollte in strategischer Lage ein politischer und kirchlicher Stützpunkt geschaffen werden. Ausersehen war das Gebiet um den Hirschwald. Als kirchlicher Stützpunkt wurde vermutlich an eine Pfarrkirche gedacht. Die Kirche der Grafen von Schweinfurt wurde bei der Zerstörung Ammerthals durch König Heinrich II. ebenfalls mit zerstört. Parallel zur Rodungs- bzw. Gründungsgeschichte der "Baierrute" am Obermain (Bayreuth) muß sich auch hier am Hirschwald ähnliches zugetragen haben. Die "Baierrute" am Obermain konnte sich zu einem Zentrum entwickeln, die "Baierrewt" im Hirschwald blieb jedoch in ihrer Entwicklung stehen und zerfiel in eine Wüstung.

Solche Vorgänge waren im Mittelalter keine Besonderheit. Besonders an strategischen Plätzen ballten sich verschiedene Interessen seitens der Kirchen, der jeweiligen Herrscher oder auch regionaler Adeliger. Auch bei der "Baierrewt" im Hirschwald muß es dazu gekommen sein.

Graf Friedrich von Lengenfeld drängte den Kaiser und das Bistum Bamberg, seinen innigsten Wunsch zu erfüllen - ein sogenanntes Hauskloster. Dieses Hauskloster sollte auch für seine Familie als Begräbnisstätte dienen. Es war für die damalige Zeit gar nicht unüblich, daß sich Adelige ein Hauskloster bauten. Auch die Vorfahren der Grafen von Andechs hatten ja in Dießen / Ammersee ein solches Kloster errichtet.

Für die Verwirklichung seiner Pläne mußte der Graf Friedrich von Lengenfeld warten, obwohl der Kaiser und das Bistum Bamberg ihr Einverständnis gezeigt hatten. Denn es kam mit dem Bistum Regensburg, in dessen Diözese das Hauskloster gebaut werden sollte, zu Schwierigkeiten. Auch das Bistum Regensburg wollte an diesem strategischen Ort ein Kloster errichten. Jedoch mit Bischof Hartwig von Regensburg, der kaiserlich gesinnt war, konnte der langgehegte Wunsch in Erfüllung gehen. Zumal um 1069 der Prior des mächtigen Benediktinerkloster Sankt Emmeram in Regenburg, Abt Wilhelm, nach Kloster Hirsau in Schwarzwald berufen wurde. Durch ihn kam die erste große Erneuerungsbewegung, die das mittelalterliche Mönchtum ergriffen. Er wollte der Verweltlichung der Klöster, aber auch dem Verfall der christlichen Werte im politischen und wirtschaftlichen Leben, der durch die Auflösung der karolingischen Reichseinheit bedingt war, entgegenzuwirken. Die von Abt Wilhelm eingeleitete Hirsauer Reform nach den Satzungen von Cluny führte zur Neugründung oder Reformierung von mehr als 100 Klöstern.

Um 1102 mußte auf Veranlassung von Bischof Gebhard von Regensburg das Hirsauer Reformkloster Kastl gegründet werden. Es wurde für den ganzen Nordgau zuständig. Nun förderte Bischof Otto von Bamberg die Gründung in seiner Eigenschaft als Kirchenfürst und als wirklichkeitsnaher Politiker. Nichts stand nun mehr im Wege, so daß im Jahre 1121 die Gründung des Klosters Ensdorf stattfinden konnte.

Im Strudel dieser geschichtelichen Ereignisse tauchte die "Baierrewt" immer mehr in seine Bedeutungslosigkeit unter. Von beiden Köstern wurde es verdrängt, so das man jetzt nur noch von der Wüstung "Baierrewt" spricht.

 


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