"praedium Lindenhardt"


Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach erhielt von Kaiser Heinrich V. wegen besonderer Verdienste das "praedium Lindenhardt" zuerst als Lehen, später als Eigenbesitz zugesprochen. Unter dem besonderen Verdienst war das selbstlose Eingreifen im Jahre 1111 in Rom zu verstehen. König Heinrich V. hatte damals mit Ottos Hilfe den Papst Paschalis II. und seine Kardinäle gefangengenommen. Er wurde erst daraufhin durch Papst Paschalis II. zum Kaiser gekrönt.

Neben "praedium Lindenhardt" bekam Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach auch Bärnreuth (als nordwestliche Herrschaftsbegrenzung), Muthmannsreuth, Moritzreuth und Gebiete um Trockau (auch Weiglathal). Damit kontrollierte Otto V. die alte Gaustraße von Pottenstein über Hohenmirsberg bis Spänfleck. Weitere Ansiedlungen wie Craimoos, Creußen und Frankenberg sprachen für eine Kontrollierung der neuen Reichsstraße von Nürnberg über Pegnitz, Creußen, Kemnath, Eger nach Prag.

Mit dem "praedium Lindenhardt" wurde von Kaiser Heinrich V. dem Pfalzgrafen Otto V. von Wittelsbach ein strategischer Ort zugesprochen, von dem er beide Verkehrswege gleichzeitig kontrollieren konnte. Mit dem selbstlosen Einsatz im Jahre 1111 hatte er dem Kaiser seine Treue deutlich gemacht und war für diese Aufgabe aus der Sicht des Kaisers der richtige Mann.

Damit aber bei Otto V. kein "Machtrausch" entstehen konnte, setzte der Kaiser wiederum das Grafengeschlecht der Andechser als "Nachbarn" an die Herrschaftsgrenze des Wittelsbacher. Somit kontrollierten die Andechser Grafen die westliche Gaugrenze der Wittelsbacher von Pottenstein über das Ahorntal (Freiahorn) nach "Baierrute". Die Grenze dürfte zwischen beiden Straßen der Poppendorfer Wald, südlich das Dorf Poppendorf, nördlich die Poppenmühle gewesen sein. Wie aus verschiedenen Forschungsberichten bereits bekannt, war die nordwestliche Begrenzung die Südabhänge des Culmberges (jetzt Sopienberg) gewesen.

Auch die "Reichsstraßen-Kontrollstelle" Frankenberg wurde für die Wittelsbacher durch das Adelsgeschlecht der Andechser eingeengt. Der Kaiser gab den Andechsern den Ort Plössen (BA Kemnath) als Eigenbesitz. Damit konnten die Andechser nicht nur die Reichsstraße, sondern auch die Gaustraße von der "Baierrute" (Bayreuth) nach Kemnath (Verbindung zur Reichsstraße) kontrollieren.

Das "praedium Lindenhardt" bekam Otto V. als Eigenbesitz zugesprochen. Die Andechser Grafen bekamen die "Baierrute" (Bayreuth) ebenso als Eigenbesitz. Zwischen beiden Adelsgeschlechtern war der Culmberg (= Sophienberg) die markante Grenze. Auf dem Culmberg bauten die Andechser Grafen einen steinernen Wachturm. Später wurde dieses Gebäude als Schlößchen ausgebaut, das wir dann auch noch als das "Sophienschlößchen" in der Markgrafenzeit vorfinden.

Der Kaiser hatte damit ein ausgewogenes Kräfteverhältnis am Obermain geschaffen.


Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach

 

1110 - Otto von Wittelsbach und König Heinrich V. ziehen nach Rom (Kaiserkrönung sollte durchgesetzt werden)

12.02.1111 - Vertrag in der Peterskirche / Rom. König Heinrich V. hat mit Hilfe Ottos den Papst Paschalis II. und seine Kardinäle gefangengenommen. Nach zwei Monaten wurde dann König Heinrich V. durch Past Paschalis II. zum Kaiser gekrönt.

1115 - Kaiser Heinrich V. spricht in einer Urkunde von Grafen Otto von Wittelsbach

1116 - Graf Otto von Wittelsbach heiratet Heilika, eine der beiden Erbtöchter des Grafen Friedrich von Lengenfeld

1117 - Otto, der spätere Bayernherzog wurde geboren

03.04.1119 - Graf Friedrich von Lengenfeld verstarb. Otto von Wittelsbach übernahm - das Erbe.

Hinweis: Das Erbe war Landbesitz, neben Burglengenfeld auch Gebiete im "Nordgau". Der verstorbene Friedrich von Lengenfeld besaß ausgedehnte Allode in dem von den Schweinfurter Grafen beherrschten Nordgau. Er hatte mit den Schweinfurtern die Luitpoldinger als gemeinsame Verwandte.

25.06.1120 - Papst Kalixt II. befahl Otto von Wittelsbach, als Sühne für seine Mitwirkung an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II., ein Augustinerkloster zu stiften.

1121, März - Reichstag zu Regensburg. Kaiser Heinrich V. setzte Graf Otto von Wittelsbach als Pfalzgrafen im Herzogtum Bayern ein.

1121 - Entstehung des Klosters Ensdorf. Beginn des Baues durch Friedrich von Lengenfeld. Die Beendigung des Baues durch Otto von Wittelsbach. Pfalzgraf Otto wurde durch Vereinbarung mit dem Bamberger Bischof Otto Vogt des Kloster Ensdorf.

1124 - Otto von Wittelsbach rief Kloster Indersdorf ins Leben (als Sühne, Papst Kalixt II.).

1125 - Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach erhielt von Kaiser Heinrich V. zuerst als Lehen, dann als Eigenbesitzt das Hofgut Lindenhardt, den ganzen Creußener Forst, dessen Fortsetzung Forst Kutzenrain (Hinweis: Der Höhenzug Kutzschenrain zwischen Schnabelwaid und Sassenreuth war vermutlich Grenzmark des Rednitzgaues), dazu Schloß und Wald von Frankenberg.

1. Anmerkung: Heirat der Schweinfurter Bertha mit der jüngeren Linie der nordgauischen Grafen von Kastl. Das Erbe der Kastler Linie (Sulzbacher Linie) fiel testamentarisch teils an Kaiser Heinrich V., der besagte Besitzungen 1125 an Otto V. von Wittelsbach weitergab.

2. Anmerkung: Lindenhardt (Bau einer Kirche und einer Pfarre, die dem Kloster Ensdorf incorporiert wurde). Zur Schenkung Kaiser Heinrich V. gehörten u.a. Hörlasreut, Craimoos, Weiglathal, Moritzreut, Muthmannsreuth, Bärenreuth, Gebiete um Trockau

1149 - Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach und sein Sohn nahmen unter Führung von König Konrad III. am 2. Kreuzzug teil.

04.08.1156 - verstarb Pfalzgraf Otto von Wittelsbach

1286 - Die Wittelsbacher ließen sich auf dem bayerischen Hoftag mit dem Bamberger Lehen im Nordgau belehen. Dadurch, sowie durch die gleichzeitige "Konradinische Erbschaft" wurde der Großteil des "Nordgaues" wittelsbachisches Territorium.


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