Die Martinskirchen


 

Die ältesten Kirchen tragen das Patrozinium des fränkischen Nationalheiligen Bischof Martin von Tours. Diese Martinskirchen wurden sehr früh, meist noch in der Merowingerzeit, an den Orten errichtet, an denen es auch königlichen Besitz gab. Die Täler des Mains und der Regnitz waren fruchtbar und früh besiedelt; hier waren die Verkehrswege. so war auch die Regnitz flußaufwärts mit Königshöfen besetzt, deren Kirchen Martin geweiht waren.

 

Fürth

Dies trifft für Fürth zu, das beiderseits der Rednitz wie auch nördlich und südöstlich der Pegnitz königlich Güter hatte. Das Martinspatrozinium weist auf eine frühe fränkische Königskirche hin, die bei der Siedlung Fürth ("ecclesia prope Furthe sita") im Rednitzgrund, beim Zusammenfluß mit der Pegnitz, lag. Sie ist als Mutterkirche der St. Michaelskirche in Fürth ("in Furthe"), St. Lorenz in Nürnberg und St. Johannes in Burgfarrnbach (1949 abgetrennt) anzusehen. Der örtlichen Überlieferung zufolge soll Karl der Große diese Martinskapelle im Jahr 793 an der Stelle seines Kapellenzeltes errichtet haben.

Die Pfarrechte der Fürther Martinskirche scheinen nach Abtretung ihrer letzten Filiale verfallen bzw. an St. Lorenz zu Nürnberg übergegangen zu sein, denn 1362 wird sie nur noch als Nebenkirche ("annexa capella") zur Fürther Michaelspfarrei erwähnt. Der Ort Fürth kam mit seinen zwei Kirchen am 1. November 1007 durch Schenkung König Heinrich II. an das Bamberger Domstift. Der (Ober-) Pfarrer von Fürth war daher stets ein Domherr, der einen Vikar mit der Seelsorge beauftragte.

 

Erlangen

Unter den 976 an Würzburg geschenkten Kirchen war auch die Martinskirche in Erlangen, auf dem Martinsbühl gelegen, die von einem der drei königlichen Eigenpriester versehen wurde. Patrozinium und Lage der Kirche außerhalb der Siedlung Erlangen "machen es so gut wie sicher, daß die Kapelle die älteste Kirche von Erlangen ist" (Guttenberg-Wendehorst).

 

Forchheim

Martinskirche und Königsgut in Forchheim sind wahrscheinlich spätmerowingisch. 805 war Forchheim wie Hallstadt Stapel- und Etappenort für den böhmischen Feldzug. Im 9. und 10. Jahrhundert war der Königshof Tagungsort von Hoftagen und Reichsversammlungen. 976 schenkte Otto II. seine Eigenkirche des hl. Martin mit Zugehörungen, darunter die Tochterkirche zu Erlangen, Eggolsheim und Kersbach, der Würzburger Kirche. 1002 schenkte Heinrich II. auf Verwendung des Würzburger Bischofs das Kirchengut ("abbaciam") Forchheim, drei königliche Eigenpriester und die Dörfer Erlangen und Eggolsheim dem Stift Haug in Würzburg. 1017 bestätigte Kaiser Heinrich II. einen Tauschvertrag zwischen dem Bischof von Würzburg und dem von Bamberg. Ersterer übergab der Bamberger Kirche neben anderem das Kirchengut "Erlangun" (Erlangen), Forchheim, "Eggolvesheim" (Eggolsheim) und "Kyrsebach" (Kersbach), letzterer Gaukönigshofen und Trennfeld.

In enger Beziehung zur Pfarrkirche gab es um die Jahrhundertwende eine Taufkapelle, die beim Umbau der Kirche um 1200 als Kultraum gestaltet wurde und in der Folgezeit verschiedenen Funktionen diente. 1354 wurde die Pfarrkirche in das Kollegiatstift St. Martin umgewandelt. Über das Gebiet des alten Königsgutes erstreckte sich von 1251 an das bischöfliche Amt Forchheim.

 

Eggolsheim

Die Kirche von Eggolsheim zählt zu den ältesten Pfarrkirchen der Diözese Bamberg. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts hatte das Kloster Fulda in Eggolsheim, das wahrscheinlich selbständiges Königsgut war, Besitz. Der christliche Ortsfriedhof des alten Eggolsheim lag einst außerhalb der heutigen Ortschaft, wie ein karolingisches Reihengräberfeld mit 118 Gräbern belegen kann. 976 und 1002 ist Eggolsheim bei den Schenkungen an Würzburg genannt, ebenso 1017, als das Kirchengut wieder an Bamberg kam. Die Kirche stand in Beziehung zu St. Martin in Forchheim, etwa in der Art, wie die Kapelle zu Trunstadt und Bischberg zur Martinskirche Hallstadt. Ob Eggolsheim bereits 1017 selbständige Pfarrkirche war, ist ungewiß; jedenfalls wird 1157 die Filiale Drosendorf genannt. Aus dem Königsgut und aus ehemaligem Besitz des Benediktinerklosters Fulda in Eggolsheim entwickelte sich im 12. Jahrhundert eine domstiftische Villikation (Verband von Meierhöfen), das Dompropsteiamt Eggolsheim.

 

Bamberg

Weiter regnitzabwärts lag dicht außerhalb des befestigten Stadtkerns die Martinskirche von Bamberg, deren Anfänge aufgrund des Patroziniums und der regelmäßigen (Filial-) Wallfahrten von Hallstadt, Amlingstadt und anderen Orten zur Martinskirche sehr früh in fränkisch-karolingischer Zeit angesetzt werden. Es ist anzunehmen, daß sie zu den 973 bei der Schenkung des Besitzes Bamberg durch Otto II. an Herzog Heinrich den Zänker summarisch genannten "Kirchen" gehörte.

Eine andere Forschungsrichtung nimmt eine Kirchengründung keinesfalls vor dem 12. Jahrhundert an. Tatsächlich findet sich die erste sichere Erwähnung einer Martinskirche in Bamberg erst 1194 im Stiftungsbuch von St. Jakob. Der spätere Pfarrsprengel umfaßte den Stadtbereich zwischen den beiden Regnitzarmen, die ursprünglich selbständige Siedlung Zinkenwörth, die Siedlung Theuerstadt und die östlich Hälfte der Zent Bamberg. Die Pfarrkirche wurde im Zuge der Säkularisation 1804/05 abgebrochen und der Martins-Kirchhof aufgelassen.

 

Hallstadt

 

Zu den alten fränkischen Königskirchen gehört Hallstadt. Das ursprüngliche Martinspatrozinium wechselte zu Kilian, als die Kirche des Königsgutes an das Bistum Würzburg kam. Die vom Bistumssitz weit entfernten Kirchen bekamen das Patrozinium des Diözesanpatrons. Wann dies geschah, ist urkundlich nicht überliefert. Am 6. Mai 1007 schenkte Heinrich II. das Praedium Hallstadt der Bamberger Kirche. 1013 tauschte er die Eigenkirche in Hallstadt vom Bischof von Würzburg für Bamberg ein, mit Ausnahme der zwei Kapellen in Bischberg und Trunstadt.

 

Pfarrkirche Hallstadt

 

Königshofen

Nach Osten hin auf dem Jura gab es einen Königshof schon zur Zeit der Gründung des Bistums Würzburg: "Kunigeshoven in montanis contra Boemiam", Königsfeld. Es ist nicht zu belegen, ob hier schon eine fränkische Königskirche stand.

 

Weichenwasserlos

Wohl gehörte zum Königsgut die benachbarte Martinskirche in Weichenwasserlos, die von Königsfeld aus gegründet sein dürfte. In Anbetracht des hohen Alters des Ortes - 802/804 werden Güter zu "Wazerlosung" erstmals dem Kloster Fulda übergeben - und des Pfarrcharakters gilt Weichenwasserlos als Urpfarrei.

Die Kirche von Königsfeld, mit Kilianspatrozinium, später Maria und Jakobus d.Ä., scheint eher eine vorbambergische Gründung der Würzburger Bischöfe gewesen zu sein. Die Kirche ist heute noch von einer romanischen Friedhofsanlage umgeben.

 

Nankendorf und Weismain

Zu den "frühesten Kirchen der ostfränkischen Kolonisation" auf dem Jura zählen auch die Martinskirchen von Nankendorf, obwohl sich in ihrer Umgebung nur wenig Königsgut nachweisen läßt, und die von Weismain. Patrozinium, frühe Beurkundung als Pfarrkirche (vor 1139) und der ausgedehnte Pfarrsprengel lassen diesen Schluß zu. Wie die Königskirchen zu Hallstadt und Forchheim scheint die Pfarrkirche zu Nankendorf schon früh in den Besitz der Würzburger Bischöfe übergegangen zu sein. 1301 wird die Pfarrkirche dem Domkapitel zu Bamberg inkorporiert.

Das Martinspatrozinium der Weismainer Kirche stellt die Beziehung zu ehemaligem Königsgut her, das früh in den Besitz einer Dynastie gelangte. Die Überschneidung der beiden Pfarrsprengel Weismain und Altenkunstadt läßt dagegen eine grundherrliche Entstehung der Kirche vermuten. Weismain als Tochterkirche von Altenkunstadt aufzufassen, trifft nicht zu.

 

Troschenreuth

Die Martinskirche von Troschenreuth an der Grenze zum Nord- und Radenzgau gehört einer Rodungssiedlung der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts an; eine Pfarrkirche ist erst 1363 nachgewiesen.

 


Kirchturmknopf

 

Auf der Kirchturmspitze befanden sich oft ein kugelförmiger Knopf und ein Kreuz.

In diesem Knopf fand sich manchmal neben Dokumenten auch eine Martinsmünze

 


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St. Martin