Die Slavenkirchen


Das Land an Regnitz und Obermain das seit der Teilung Thüringens 531/32 unter fränkischem Einfluß stand, war bereits christlich, als die Bischöfe von Würzburg auf Geheiß Karls des Großen zwischen 793 und 810 vierzehn Kirchen errichteten. Diese sog. Slavenkirchen bilden die zweite Schicht der Urpfarreien; sie waren mit drei königlichen Hufen dotiert, und wurden im Lande der Slaven ("in terra sclavorum") - sie saßen zwischen den Flüssen Main und Regnitz und wurden Main- und Regnitzwenden genannt -, errichtet. Die erst kürzlich getauften und nur äußerlich für den christlichen Glauben gewonnenen slavischen Volksglieder sollten hier seelsorglich betreut werden.

 

Amlingstadt + Seußling

Der größte Teil der Slavenkirchen - meist Taufkirchen mit Johannespatrozinium - lag im Radenzgau. In späterer Zeit wechselte das Patrozinium der Kirchen vielfach. Außerdem entwickelten sich einige zu Pfarrkirchen, andere blieben Kapellen. Mit Gewißheit sind die zu Pfarrkirchen in "Amelungestat" (Amlingstadt) und "Siuselingun" (Seußling) zu nennen, die 1013 an Bamberg kamen. In Amlingstadt hat mit der Verbreitung des Egidienkultes im 12. Jahrhundert das Patrozinium gewechselt, ebenso in Seußling. Dort soll bei der Translation der Sigismundreliquien 1354 nach Prag der Schrein in der Kapelle geruht haben.

Archäologische Erkenntnisse (Kirche von Amlingstadt)

 

Bischberg + Trunstadt

Die zur Königskirche Hallstadt gehörigen Kapellen Bischberg und Trunstadt wird man zu jenen Slavenkirchen zählen müssen, die Kapellen geblieben sind, auch wenn sie dem hl. Markus (Bischberg) und Marcellinus und Petrus (Trunstadt) geweiht sind.

 

Eltmann + Oberhaid

Wahrscheinlich standen auch in Eltmann und Oberhaid Slavenkirchen. In Oberhaid war 1147 eine Johanneskirche Nachfolgerin einer alten Taufkirche.

 

Uetzing, Isling

Ferner gab es an folgen Orten Slavenkirche: Uetzing, eine Würzburger Eigenkirche mit Johannespatrozinium in der Nachbarschaft slavisch benannter Orte. Gleiches gilt für Isling.

 

Modschiedel

 

(slavischer Ortsname)

bis 1382 eine Filiale von Altenkunstadt;

 

St. Johannes d. Täufer, Modschiedel

 

 

Kirchschletten

ein z.T. slavischer Ortsname in der Umgebung slavisch benannter Orte. Bis 1698 Filialkapelle (Johannes d. Täufer) von Scheßlitz. Der romanische Kirchturm reicht vielleicht noch ins 12. Jahrhundert zurück.

 

Ludwag

mit Johannespatrozinium und z.T. noch romanischer Kirche; in der Nähe gibt es ebenfalls slavisch und halbslavisch benannte Orte.

 

Reut

bei Forchheim - 1062 halbslavisch Zuegastesruith -, seit dem 17. Jahrhundert Pfarrkirche. Als Slavenkirche für das Gebiet östlich des Königshofes Forchheim zuständig.

 

Kasendorf

oder eine der Johanneskirchen der Umgebung

 

Marktgraitz

Slavischer Ortsname in slavischer Besiedlung. Eine eindeutige Zuweisung als Slavenkirche ist unsicher.

 


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