Kirchengründungen

von Stadtbürgern


Stadtbürger, insbesondere in Bamberg und Nürnberg, hatten erst seit dem 14. Jahrhundert durch den Erwerb von Landgütern und Burgen die Voraussetzungen zur Errichtung von Kirchen erworben.

Seit dem 13. Jahrhundert war die führende Schicht des Bürgertums mit der Stiftung von Meß- und Altarpfründen und der Errichtung von Spitälern tätig.

 

Nürnberg (St. Sebald, St. Lorenz)

Die städtische Siedlung Nürnberg war zunächst von der auf dem Land gelegenen Mutterpfarrei abhängig, obwohl es innerhalb des Bannbezirks Kirchen und Kapellen gab. Für die spätere Pfarrkirche St. Sebald war dies Poppenreuth, eine Filialkirche von Fürth und schon im 12. Jahrhundert von dieser separiert. Dem Bedürfnis nach einer selbständigen Pfarrkirche St. Sebald wurde durch die Verlegung des Pfarrsitzes von Poppenreuth nach St. Sebald Rechnung getragen. Die Vorläuferin der Sebalduskirche war eine Kapelle mit dem Grab des heiligen Eremiten, an dem schon 1070 Wunderheilungen geschahen. Seit 1308 war St. Sebald Oberpfarrei. 1355 wurde die Pfarrei Poppenreuth mit der Pfarrkirche St. Sebald uniert; ein Pfarrer versah beide Pfarreien.

Ähnlich entwickelt sich St. Lorenz in Nürnberg, dessen Hl.-Grab-Kapelle zu Fürth gehörte. Noch vor 1243 wurde der Pfarrsitz von dort an diese Kapelle verlegt und St. Lorenz dann (vor 1275) Pfarrei und mit der Pfarrkirche Fürth zusammengelegt. Ein Vikar versah anstelle des Oberpfarrers, eines Bamberger Domherren, künftig die Pfarrgeschäfte. Mit Beginn des zweitürmigen gotischen Neubaus übernahm St. Lorenz auch die Pfarrechte.

Seit der Unierung gelten also die Stadtkirchen rechtlich als Sitz der Pfarrei mit dem Patronatsrecht über ihre ländlichen Mutterkirchen. Fürth erhielt Mitte des 14. Jahrhunderts wieder einen eigenen Pfarrer, die Unierung wurde aufgehoben; Poppenreuth war längere Zeit nicht besetzt, geriet sogar in finanzielle Abhängigkeit zu St. Sebald, bis schließlich Papst Bonifaz IX. (1389 - 1404) die Poppenreuther Pfründe in die Pfarrpfründe von St. Sebald inkorporierte. Schon 1388 löschte Papst Urban VI. (1378-1389) das Recht der Bamberger Domkanoniker auf die beiden Nürnberger Stadtpfarreien und bestimmte die Residenzpflicht für den Pfarrer. Bis 1517 wurde dies jedoch nicht realisiert.

 

Bayreuth (Altstadt, Stadtpfarrkirche)

Zum Sprengel der würzburgischen Eigenkirche und Urpfarrei gehörten auch die westlichen Pfarreien der Herrschaft Bayreuth, sofern man nicht die dem hl. Nikolaus geweihte Pfarrkirche Altstadt als Urpfarrkirche ansehen will. Altstadt ist Mutterkirche von Bayreuth, dem 1231 bei der Stadtgründung die Pfarreirechte übertragen wurden. Wohl kam es schon frühzeitig zu einer Unierung beider Kirchen.

Die Altstädter Kirche wurde - wie die mittlerweile bedeutend gewordene Stadtpfarrkirche St. Magdalena in Bayreuth - von den Hussiten 1430 zerstört. Beide Kirchen wurden wieder erbaut, letztere bereits 1449 wieder geweiht. Trotz eines Neubaus (1476 St. Wolfgang) ging die Altstädter Kirche später ein.

 

Pegnitz, Waischenfeld

Die kleinen Landstädte Pegnitz - mit der Filialkirche zur Urpfarrei Büchenbach gehörig - und Waischenfeld - Pfarrei Nankendorf - können erst am Ausgang des Spätmittelalters und in der Reformationszeit die kirchliche Abhängigkeit von ihren Dorfpfarreien lösen und eigene Pfarreien bilden.

 


 

 

St. Sebald in Nürnberg

(Sebaldusgrab / Adam Kraft)

 

 

St. Lorenz in Nürnberg

(Engelsgruß /Veit Stoß)

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