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Teil 2 |
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(Köln) |
Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in der Zeit Ottos des Großen einen kulturellen Aufschwung von beispiellosem Ausmaß. Dabei verschoben sich die künstlerischen Schwerpunkte von den alten karolingischen Zentren im Westen nach England und dem Osten. In England waren es vor allem Winchester und Canterbury, auf dem Kontinent im Rheinland Köln und Trier, im Südosten Regensburg und die Reichenau, in Franken Fulda, in Sachsen Corvey, Hildesheim und Magdeburg, die unter dem Einfluß der großen kirchlichen Reformbewegungen und durch die Förderung des Kaisers und der großen Kirchenfürsten die kulturelle Entwicklung der Epoche prägten. Für eine kurze Phase des Mittelalters, beginnend mit Otto dem Großen, wurden sie zu führenden Zentren der europäischen Kunst.
Wichtigstes Element des Neubeginns war die Wiederbelebung der karolingischen Tradition. Fast alle großen Kunstzentren des ottonischen Reiches griffen in dieser Zeit auf ältere Vorbilder zurück. Karolingische Bilderhandschriften, die sich im Besitz der Klöster und Kirchen befanden, wurden wieder hervorgeholt und als künstlerische Anregungen und Vorlagen benutzt. In Trier bildete eine karolingische Bibel den Ausgangspunkt für den Aufstieg zum führenden Zentrum der ottonischen Buchmalerei. In Fulda entstand bald nach der Mitte des 10. Jahrhunderts eine Handschrift, die ein Werk vom Hof Karls des Großen kopiert: der berühmte Codex Wittekindeus, der sich in Magdeburg befand, ehe er nach Enger in die Grabeskirche des Sachsenherzogs Widukund gelangte, dessen Namen er heut trägt. Ähnliches vollzog sich in Corvey, in Regensburg und auf der Reichenau. Überall wurde die karolingische Überlieferung zur Grundlage der neu entstehenden ottonischen Kunst.
Äußere Einflüsse kamen hinzu. In ihnen spiegeln sich die vielfältigen diplomatischen und verwandtschaftlichen Beziehungen wider, die Otto den Großen mit anderen Mächten Europas verbanden - von England, Burgund und dem westfränkischen Reich bis zu Bulgarien, Dänemark und dem Reich des Kalifen von Cordoba, dessen Glanz ganz Europa überstrahlte. Eine besondere Stellung nahm Oberitalien ein, das durch die Heirat mit Adelheid, der Witwe des italienischen Königs Lothar, unter die Herrschaft Ottos des Großen gekommen war. Es war Bewahrer und Vermittler der antiken Tradition. Wie kein anderer Bereich verkörperte es jene imperiale Größe, die den Ottonen als Ausdruck ihrer Herrschaft vorschwebte. So kann es nicht verwundern, daß es oberitalienische Elfenbeinschnitzer waren, die Otto der Große mit der Ausführung jenes gewaltigen Elfenbeinwerks betraute, das einst zur Ausstattung des Magdeburger Domes gehörte. Das Werk umfaßte ursprünglich mehr als fünfzig einzelne Reliefs. Sechzehn von ihnen sind noch heute erhalten, darunter eine Elfenbeintafel in New York, die Otto den Großen als Stifter des Magdeburger Doms vor Christus zeigt.
Von ähnlich großer Bedeutung waren die Beziehungen zum byzantinischen Reich. Sie fanden ihren deutlichsten Ausdruck in der Heirat Ottos II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu im Jahre 972. Auf einer Elfenbeintafel mit der Krönung Ottos II. und Theophanus erscheint das ottonische Kaiserpaar genau wie auf entsprechenden byzantinischen Krönungsdarstellungen aus Konstantinopel. Der sog. Kaiserinnenschmuck aus Mainz ahmt Tracht und Luxus einer byzantinischen Kaiserin nach. Die zahlreichen byzantinischen Elfenbeinreliefs auf den Einbänden ottonischer Handschriften, die Nachahmung orientalischer Purpurstoffe auf der Heiratsurkunde der Theophanu, die Verwendung griechischer Buchstaben in der ottonischen Buchmalerei - sie alle bezeugen die ungeheure Wirkung, die von der byzantinischen Kultur ausging.
Sie zeigen aber auch das Streben nach äußerster Prachtentfaltung, mit der das ottonische Herrscherhaus seine Gleichrangigkeit mit dem byzantinischen Kaisertum beweisen wollte.
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Thietmar von Merseburg |
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