Funde slawischer Keramik


 

Osterbrunnen in Behringersmühle

 

Zahlreiche Ausgrabungen in den letzten Jahrzehnten erbrachten einen archäologischen Nachweis für eine slawische Besiedlung in Oberfranken, die sich vor allem in der Keramik zeigt.

Die slawische Keramik unterscheidet sich deutlich von der zeitgleichen "germanisch-deutschen" Ware. Es handelt sich dabei um eine aufgewülstete, grob gemagerte, erdfarbene Keramik, die bevorzugt mit Wellenbändern oder Schraffuren verziert wurde. Die germanische Keramik ist dagegen weniger grob gemagert, meist von schwarzer Farbe, ist weit weniger verziert, und wenn, dann höchstens mit Wellenlinien.

Eine Kartierung der slawischen Keramik in Oberfranken zeigt eine Häufung nördlich der Linie Bamberg - Bayreuth bis zum Obermainbogen, d.h. im wesentlichen in den klimatisch günstigen und landwirtschaftlich gut zu nützenden Terrassenlandschaften des Obermaintales: von Bamberg, Hallstadt, Scheßlitz, Schlammersdorf, Staffelberg, Burgkunstadt, Weismain, Zultenberg, Kasendorf, Lochau, Alladorf, Mistelgau bis nach Stockau bei Bayreuth.

Das Auftreten slawischer Keramik muß nicht unbedingt auf eine rein slawische Siedlung hinweisen. Sie kommt sehr oft, prozentual unterschiedlich, zusammen mit germanischer Ware vor, was auf ein friedliches Zusammenleben beider Stämme hindeuten könnte. Die germanisch-slawische Durchmischung wird auch in einer der wenigen zeitgenössischen Quellen deutlich, dem Banzer Reichsurbar aus dem 9. Jahrhundert, indem neben germanischen Personen- und Örtlichkeitsnamen auch slawische Ortsnamen und slawisch-germanische Mischnamen auftauchen.

Möglicherweise standen aber auch Slawen im Dienste einer fränkischen "Oberschicht". So ein "Nebeneinander", frei oder in Abhängigkeit, konnte bislang nur auf dem Bamberger Domberg durch die von 1986 bis 1992 laufenden Ausgrabungen nachgewiesen werden, wo in denselben Siedlungsschichten slawische - immerhin 29,4 % - und germanische Funde auftraten. Auf dem gesamten Bamberger Domberg stellte die slawische Ware mit 34,6 % die größte Gruppe dar.

Nach archäologischen Befunden scheint Oberfranken erst im 8. Jahrhundert von fränkischen Siedlern durchdrungen worden zu sein. In dieser Zeit setzten die karolingisch-ottonischen Reihengräberfelder ein, von denen wir heute etwa 20 kennen, die jedoch auch später beginnen und länger bestanden haben können. Im Auftreten von Reihengräbern in Nordostbayern könnte es sich um eine Übernahme der Körperbestattung durch die Slawen im Sinne eines kulturellen Angleichens an die vordringende fränkische Staatsmacht handeln.

Zur Bekehrung der ansässigen Slawen veranlaßte Karl der Große den Würzburger Bischof, im Slawenland Missionskirchen zu bauen. Aus Urkunden Ludwigs des Frommen von 822 - 830 wissen wir, daß 14 Kirchen (Slawenkirchen) errichtet worden sind.

 

 

Osterbrunnen in Pittersdorf

 

Osterbrunnen in Pittersdorf

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