Mörderischer Gero


Diese Sage vom Markgrafen Gero greift ein Thema auf, das wirklich Geschichte ist, aber im Grunde Ereignisse erzählen, wie sie aus Wunschvorstellungen entstanden.

Sie ist wohl der frühgeschichtlichen Zeit entliehen, in der es um die Aufteilung unter den Mächtigen des Landes ging. 932 eroberte Heinrich I. die Lausitzer Grenzburg Liubusua. Heinrichs Nachfolger, Otto I., unterwarf Mitte des 10. Jahrhunderts die Gebiete bis zur Oder. Er setzte Grafen zur Festigung der Macht ein. Die Mark an der südlichen und mittleren Elbe und Saale erhielt Markgraf Gero (937 - 965), der seine Herrschaft bis an die Oder ausdehnte und die Lausitz in sein Herrschaftsgebiet einverleibte.

Kaiser Otto I. beauftragte Gero mit der Unterwerfung der Wenden. Und das soll er mit Hinterlist und Tücke vollstreckt haben. So hat er im Jahre 939 Wendenfürsten - 30 an der Zahl - auf sein Residenzschloß auf den Schloßberg geladen, sie betrunken gemacht haben. Hinterrücks ließ er sie hinmorden.

Nun, da die Wenden führerlos, war es ein Leichtes, sie zu besiegen. Spätere Geschichtsschreiber konnten dieses Ereignis so nicht nachvollziehen. Tatsache ist wohl mehr, daß die Wenden keine Veranlassung hatten, Gero als großen Kulturbringer und Feldherrn zu feiern. Hingegen, und nur zu gern, sagten sie ihm viele Scheußlichkeiten nach, zu der auch obengenannte gehört.

In das Zeitalter Geros fällt auch die Sage, daß sich ein Wendenfürst, mit Namen Ciscibor, nach Zerstörung seiner Burg auf der Landskrone bei Görlitz in den Spreewald geflüchtet habe. Von den Trümmern seiner Feste aus sei er bis an die Ufer der Spree gewandert, habe sich dort auf ein aus Weidenruten zusammengeflochtenes Floß gesetzt, sei den Fluß hinabgeschwommen und wohlbehalten in der Niederlausitz angelangt. Hier erbaute er das Schloß zu Burg und herrschte über die Niederlausitzer Wenden als ihr König, der Botmäßigkeit der Deutschen in den unzugänglichen Spreewalde entziehend und ihren Waffen trotzend.

Erst im Jahre 1298 soll der letzte Wendenkönig seinen Tod in den Flammen gefunden haben, aus denen er edelmütig Anna, die Tochter eines einstigen Standesgenossen, des Ritters v. Puttlitz, rettete.

 

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