Die drei Nymphen von der Stempfersmühle


Die drei Stempfersmühl-Quellen im Wiesenttal unterhalb von Gößweinstein waren einst der Wohnsitz dreier Nymphen. In schönen Sommernächten entstiegen die drei Jungfrauen dem Quellengrund und mischten sich in menschlicher Gestalt unter die Sterblichen. Doch vor dem ersten Hahnenschrei mußten sie wieder in den Grund zurück, sonst waren sie dem Tode verfallen.

Da feierte einst der Schloßherr in Gößweinstein die Verlobung seiner einzigen Tochter mit dem Grafen aus dem Steigerwald. Gäste aus nah und fern waren zu diesem Fest auf die herrliche Burg gekommen. Nach der Abendtafel wurde im Rittersaal getanzt. Da traten auf einmal drei wunderschöne Mädchen in den Saal. Sie trugen weiße Kleider, mit grünen Bändern verziert, ihre langen blonden Haare fielen lang über ihre Schultern und ihre zierlichen Füße steckten in meergrünen Schuhen. Und schon mischten sich die drei Schönen unter die überraschten Gäste. Doch dauerte es nicht lange und man forderte sie zum Tanze. Bald blieb ihnen kaum noch Zeit zu einer kurzen Rast, so begehrt wurden sie von Rittern und Edelleuten.

Die jüngste und schönste der drei tanzte zuletzt nur noch mit einem jungen Ritter, dem man von weitem ansah, daß er bereits sein Herz an die fremde Schöne verloren hatte. Immer wieder bedrängte er sie, ihm doch zu verraten, wie sie heiße und woher sie komme. Doch sie wich ihm mit der Antwort aus. Stunde um Stunde verrann, der Morgen nahte. Da hörte man aus dem Burghof den ersten Hahnenschrei. Entsetzt lösten sich die drei Jungfrauen aus den Armen ihrer Tänzer und flohen, so schnell sie konnten. Der junge Ritter jedoch, bestürzt über den plötzlichen Abschied, folgte ihnen. Er sah die drei Schönen in Windeseile den Berg hinablaufen. Rasch folgte er ihnen. Doch als er zur Stempfersmühle kam, sah er sie in den Quellen untertauchen und verschwinden. Als er aber näher trat und in das Wasser blickte, wallte dort - aus dem Quellengrund kommend - ein roter Blutstrom auf. Erschrocken und zugleich voller Trauer kehrte er zurück zur Burg Gößweinstein

So sehr er in der folgenden Zeit auch danach suchte und fragte, die drei Schönen wurden niemals wiedergesehen. Denn die drei Nymphen waren erst nach dem ersten Hahnenschrei zu ihren Quellen zurückgekehrt und somit unwiederbringlich dem Brunnengesetz und somit dem ewigen Tode verfallen

 

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