Rinetta und der Kral

(Serbski kral = Serbenkönig)


Es geschah, daß der Wendenkönig ein 10jähriges Mädchen namens Rinetta stahl. Auf dem Ritt zum Schloß weinte das Kind in den Armen des Räubers. Aber allgemach schlief es ein und sagte im Traum zu ihm: "Du guter Vater".

Davon war der Kral so beeindruckt, daß er - in wundersame Gedanken versunken - sein Roß zum Haus der Eltern von Rinetta führte. Diese schrien, als sie den Kral erkannten. Das erwachte Kind aber, als es sich wieder bei seinen Eltern sah, lächelte und sagte: "O, er hat mir nichts getan, er hat mich nur ein wenig auf seinem Pferde reiten lassen." Da ritt der Kral rasch davon. Wohl blieb er ein wilder Räuber, aber er stahl keine Kinder mehr. Von Zeit zu Zeit, wenn ihn sein Gewissen ob seiner Raubzüge und Zechgelage plagte, zog es ihn zu Rinetta hin, die gar lieblich aufblühte von Jahr zu Jahr. Zuletzt faßte der Kral eine so verzehrende Liebe zu dem Mädchen, daß er einsam wurde und wochenlang seine Burg nicht verließ.

Da kam Rinetta zu ihm als seine Frau. Von da an tat er keinen Raubzug mehr. Und gar als Rinetta ihm einen Sohn schenkte, da ward der Kral dem Lande ein gütiger Vater. Er verteilte von den ungeheuren Goldschätzen, baute Weiler und Dörfer, wurde ein Feind und Vernichter aller Räuber, die noch im Lande waren.

 

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