Osterbrauchtum

in Oberfranken

 


 

Osterbrunnen und Osterbaum in Plösen

 

Die Karwoche diente der Vorbereitung für das Osterfest. In vielen Häusern bekamen die Stuben einen neuen Anstrich; Küche, Gwell (das Speise-Gewölbe) und Hausplatz wurden "nausgwiesen". Das Brotbacken hatte man vorher besorgt, denn "Wo der Rauch in der Karwoche hinzieht, da regnet es nicht hin." In dieser Woche unterließ man auch das Waschen der Bettwäsche.

Bis zum Ersten Weltkrieg wurde am Gründonnerstag (andernorts Ostersonntags früh) der Osterbrunnen geschmückt. An zwei kleinen Fichten befestigte man Papierrosen und bunte Bänder und hängte vorsichtig die selbstgebastelten Binseneier daran auf. Die Bäumchen standen links und rechts des Brunnens. Sie bedeuteten Leben und Fruchtbarkeit und wurden mit der Bitte, daß wieder alles wachsen und gedeihen möge, aufgestellt.

Die Binseneier fertigten die Mädchen und Frauen an. Besonders schön geratene stellten sie auf ein Eckbrett in der Wohnstube. Die Binseneier lassen sich leicht selbst basteln: Man muß sich dazu in der Zeit des zunehmenden Mondes Binsen, die an Weihern oder auf nassen Wiesen wachsen, holen. Zu Hause entfernt man die grüne Hülle, so daß sich das Mark leicht herauslösen läßt. Bei abnehmendem Mond schießt nämlich der Saft nicht ein, das schafwollfarbene Mark bricht leicht und ist nur ein dünner Faden.

Dieses Binsenmark wird nun spiralenförmig auf ein mit Mehlkleister bestrichenes ausgeblasenes Hühnerei geklebt und mit Woll- oder Stoffrestchen verziert. Wer besonders kunstfertig ist, kann mit dem Mark die verschiedensten Muster legen.

Das Schmücken der Osterbrunnen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen, oft besorgen das nun Vereine, doch auch manche Familien besinnt sich wieder des schönen Brauchs und verziert den Hausbrunnen oder eine nahe Quelle. Die Binseneier findet man allerdings kaum, dafür reichverzierte Ostereier, die mit ihren leuchtenden Farben die Besucher einladen, zum Osterbrunnen zu kommen.

Den Eiern, die die Hühner am Gründonnerstag legten, wurde nachgesagt, daß sie besonders kraftbringend seien. Wer von den männlichen Hausbewohnern am Karfreitag in der Kirche war, bekam sie von der Bäuerin gereicht. Die Eier mußten roh und außerhalb des Hauses verzehrt werden, nur so brachten sie Kraft und Stärke. Wenn der Eiersegen zu reich ausgefallen war, dann bat mancher Knecht darum, daß ihm doch lieber eine Pfanne Spiegeleier gebraten werde. War aber die Bäuerin als geizig bekannt, holten sich die Burschen vorsorglich am Gründonnerstag einige Eier aus den Hühnernestern.

Der Karfreitag war der besinnlichste Feiertag des Jahres. Wer zur Kirche ging, trug schwarze Trauerkleidung. Die Kinder wurden angehalten, nicht übermütig zu sein. "Wer am Freitag lacht und singt, der weint am Sonntag ganz bestimmt!" Dieser Spruch galt das ganze Jahr hindurch, sicher zum Gedenken an den Karfreitag.

Fröhliche Ostern! hieß es dann am Sonntag. Welch eine Freude, wenn die Kinder die Ostereier in den aus Heu oder Moos gebauten Nestern oder gar in den verschiedensten Verstecken fanden. Die Ostereier waren nicht so bunt wie heute, sie wurden in Zwiebelschalensud braun gefärbt.

Am Nachmittag des ersten Feiertags brachten die Paten den "Bündel". In die große weiße Serviette waren ein geflochtener Eierring aus Hefeteig, ein Dutzend Eier, ein Porzellankelch (auch Schale genannt) und dazu manchmal ein roter Zuckerosterhase eingebunden. In den dreißiger Jahren kamen Süßigkeiten und Spielzeug oder Kleidungsstücke hinzu. Den Kindern waren die Ostereier am wichtigsten.

Draußen auf der Wiese spielten sie damit. Sie wurden den kleinen Abhang hinuntergerollt, mit anderen spielte man "Eierpäcken". Dazu stieß man vorsichtig an das Ei des Gegners, so lange, bis eines davon nachgab und einen Sprung bekam. Das erhielt der Sieger.

Die Mädchen warfen die Eier wie einen Ball in die Luft und sagten folgenden Spruch dazu:

 

"Ich bin ein Student,

ich wasch meine Händ,

ich trockne sie ab,

ich steck's in mein Sack,

ich leg sie in die Seite,

mach wickala, wickala, weide.

Ich knie mich nieder

und bete zu Gott,

ich steh wieder auf

und fange das Ei mit einer Hand auf!"

 

Bei jeder Zeile wurde das Ei in die Höhe geworfen. Bis es herunterkam, wurde die entsprechende Bewegung ausgeführt.

Am zweiten Feiertag ging man bei schönem Wetter spazieren. Man legte einige Ostereier in einen großen Ameisenhaufen. Den Ameisen war das nicht recht, und wenn man nach einer halben Stunde wieder vorbeikam, hatten sie feine, labyrinthartige Verzierungen in die Schale geätzt. Auf dem Heimweg konnte man dann oft noch den Osterhasen beobachten. Zwar erkannte man dessen angeblich vergoldetes Stoppelschwänzchen nicht so recht, aber da Großvater keinen Zweifel daran ließ und die Kinder vor Freude ganz aufgerecht waren, glaubten sie gerne daran.

Am Osterabend betrachtete sich manches große Mädchen im Spiegel. Keinem Menschen würde es das Geheimnis preisgeben. Hatte es doch Osterwasser aus der Quelle oder dem klaren Bächlein geschöpft und sich damit gewaschen. Wer sich mit diesem Wasser wäscht, der wird Schönheit erlangen. Niemand durfte einen ansprechen, wenn man es holte, sonst wäre der Zauber wirkungslos. Das Osterwasser holten sich viele Mädchen noch in den zwanziger Jahren, womit aber nicht gesagt ist, daß nicht auch später noch so manche Vielumworbene sich in der Osternacht ihre Schönheit aus der Quelle geschöpft hat. Konnte man aber schon nicht direkt zu einer Quelle gelangen, so mußte man das Osterwasser zumindest von einem "fließenden Wasser" haben. Und das lieferten in vielen Ortschaften auch die zahlreichen "fließenden Dorfbrunnen", die meist zusammen mit der Einrichtung der Wasserleitungen in den Dörfern verschwanden.

 

 

Ostergedicht

Osterbrunnen Mistelgau

 

Osterbrunnen

Mistelgau

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