Die Brunnenwette in Plech


1539 saßen beim Wirt "Zur goldenen Laus" in Plech zwei Fremde: ein Kirchenbaumeister aus Bayreuth, der für den Markt Plech eine neue Kirche bauen sollte, und der Baumeister Hanns Erhardt aus Betzenstein. Er sollte einen Ziehbrunnen graben, der die Plecher von ihrer ewigen Wassernot befreien würde. Beide Baumeister rühmten sich ihrer Kunst, und es dauerte nicht lange, so wollte jeder der Tüchtigere sein. So kam es zu einer Wette:

Derjenige solle sein ganzes Vermögen verlieren, der zuletzt mit seinem Vorhaben fertig werde. Der Kirchenbaumeister aber müsse zum Zeichen, daß die Kirche vollendet sei, ein gefülltes Mörtelschaff, der Brunnenbauer einen Eimer frischen Quellwassers vom fertigen Brunnen vor der Plecher Augen zum Marktplatz tragen. Als Zeuge dafür galt der Bürgermeister von Plech.

Am nächsten Tag machte man sich mit Eifer an die Arbeit. Der Kirchenbaumeister aber war kein ehrlicher Mann. Er versprach dem Gesellen des Brunnenbauers Geld, wenn er die Arbeiten absichtlich verzögere. Der Geselle jedoch war ehrlich und berichtete seinem Meister sogleich von dem Angebot des Bayreuthers. Dieser war über die Aufrichtigkeit seines Gesellen erfreut. Er versprach, ihn nach vollendetem Werk reichlich zu belohnen.

Rasch gingen die Arbeiten an Kirche und Brunnen voran. Der Betzensteiner war guten Mutes, denn er hoffte, schon bald auf Wasser zu stoßen. Doch er wurde enttäuscht. Bei zwanzig Klafter Tiefe stieß er auf Fels. Zwei Brunnenknechte, denen die harte Arbeit zuviel wurde, liefen ihm davon. Er konnte kaum Ersatz für sie finden.

Unterdessen wuchs drüben die Kirche höher und höher. Schon waren die Fundamente für den Kirchturm gelegt, das Langhaus fast vollendet. Der Brunnenbauer und seine Gesellen schufteten Tag und Nacht. Endlich war der Fels durchschlagen, aber statt Wasser zeigte sich nur Geröll und Sand. Auf der Kirchbaustelle aber vollendete man zur gleichen Zeit den Turm. Der Bayreuther ließ den Plechern verkünden, daß ihre Kirche in drei Tagen fertig sei. Ein Mörtelschaff stand bereits auf dem Turme bereit. Dreiundzwanzig Klafter tief war inzwischen schon der Brunnenschacht und es kam kein Wasser. Unbeirrt schaffte der Meister aus Betzenstein weiter.

Am dritten Tag war der Markt zu Plech voller Menschen, die bald zur Kirche, bald zum Brunnen schauten. Die Bauleute waren eben dabei, die Firstziegel aufzusetzen und zu verstreichen, als vom Brunnenschacht her ein großes Geschrei zu vernehmen war. Gleich rannte der Brunnenmeister in vollem Laufe zum Markte. Er stellt einen vollem Eimer frischen, klaren Wassers unter die staunende Menge. Dann verkündete er mit lauter Stimme, daß man bei fünfundzwanzig Klafter Tiefe auf eine starke Ader trinkbaren Quellwassers gestoßen wäre. Da brachen die Plecher in lauten Jubel aus.

Zur gleichen Zeit wurde auch der Kirchenbau vollendet. Der Baumeister schickte sich an, das gefüllte Mörtelschaff zum Markte zu tragen. Als er den Jubel hörte, erkannte er seine Wette als verloren! In seiner Verzweiflung steckte er seinen Kopf in das volle Schaff und stürzte sich vom Gerüst in die Tiefe. Dort blieb er mit gebrochenem Hals liegen.

Brunnenmeister Hanns Erhardt aus Betzenstein aber lohnte seine treuen Gesellen reichlich.

 

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