Die Slawen in Franken


 

Osterbrunnen in Bayreuth-St. Georgen

Slawische Siedlungswellen

Die Erschließung begann mit der "Frankisierung" des heutigen nordbayerischen Raumes, die im 6. Jahrhundert einsetzte, und zwar mit dem Ergebnis der herrschaftlichen Erfassung Süddeutschlands durch die Merowinger. Jedoch stagnierte ganz offensichtlich bereits während der mittleren und auch späteren Merowingerzeit dieser fränkische Landausbau im heutigen Oberfranken.

Das war die Gelegenheit für die Westslawen, sich friedlich in einer großen Siedlungswelle in Oberfranken niederzulassen, was dazu führte, daß man während der zweiten fränkischen Erschließungsphase das Land am Obermain als "terra slavorum" (Slawenland) bezeichnete. Erst mit den Karolingern trat auch am Obermain eine Wende zugunsten der Franken ein. Das frühe Bistum Würzburg galt erstmals ab dem späten 8. Jahrhundert als "pars Australium" (Francorum); nachweislich ab 830/835 n.Chr. wurden die Bewohner als "Francis occidentalis et Australes" genannt.

Die seit etwa 600 n.Chr. nach Nordostbayern ohne Widerstand eingesickerten Slawen hatten eine Linie von Coburg südwärts entlang Ilz und Main bis zur Regnitzmündung, sodann die Regnitz aufwärts bis zur Wiesentmündung mit einer Ausbuchtung in den Steigerwald erreicht. Die Linie verlief weiter von Forchheim die Wiesent aufwärts über die Quellgebiete von Pegnitz, Rotem Main und Creußen zur Heidenaab und die Naab aufwärts und abwärts (bis Kallmünz), vor allem zum Schwarzachtal bis zum Chamb, der bei Cham in den Regen mündet. Ihr Siedelraum war größtenteils Rodungsgebiet.

Von dieser ersten slawischen Westbewegung, die wir in den Ortsnamen auf -itz oder -gast und in slawisch-fränkischen Siedlungsnamen wiederfinden und als die Zeit fränkisch-bayerischer Kolonisation begreifen, ist die Epoche slawischer Zwangssiedelungen im 8. Jahrhundert, vor allem im Zuge fränkischer Staatskolonisation, zu unterscheiden. Oberfranken, das östliche Mittelfranken sowie die Oberpfalz nördlich der Linie Kallmünz - Schwandorf - Roding - Cham haben somit ein slawisches Ursubstrat der Bevölkerung.

Aus den uns noch erhaltenen Quellen geht hervor, daß die slawischen Sippenverbände nicht führerlos, sondern unter der Leitung eines aus den eigenen Reihen stammenden, anfangs als "iopan" (Zupan) bezeichneten Anführers zugewandert waren. Nachdem die slawischen Siedler seßhaft wurden, änderte sich der Titel des adeligen Anführers zum "Dorfältesten".

 

 

Schloss Fantaisie / Bayreuth-Donndorf

 

Grafen von Schweinfurt

Im Laufe des 10. Jahrhunderts bildete sich zwischen Steigerwald und Fichtelgebirge die Macht der Grafen von Schweinfurt (Babenberger) heraus. Sie bildeten ein Bindeglied zwischen dem sächsisch-thüringischen Norden und dem bayerischen Süden. Ihre Herkunft geht auf die Popponen und somit der Linie der mittelrheinischen Adelsgesellschaft um Rupertiner und Mainzer Tradentenkreis zurück. Sie konnten auf große Verwandte zurückblicken wie z.B. den Babenberger Heinrich, der als princeps militiae König Ludwigs d.J. und Kaiser Karls III. zu den hervorragendsten und angesehensten Persönlichkeiten des ostfränkischen Reiches zählte; als dux Austrasiorum leitete er die Verteidigung von Paris gegen die Normannen und fand dabei am 28. August 886 den Tod. Ebenso berühmt wurde auch sein Bruder Poppo, der 892 Markgraf in der Sorbenmark und "dux Thuringorum" war.

Da die Grafen von Schweinfurt für ihr umfangreiches Rodungswerk am Obermain viele Neusiedler benötigten und die Kolonisation nicht mehr von deutschen Siedlern allein getragen werden konnte, holten sie ihnen befreundete Westslawen, die ihnen dank ihrer Erfahrungen bei Rodungen von großer Hilfe waren. Die Begegnung von Franken und Slawen (hier besonders Sorben) am Obermain hat sich zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert vollzogen. Der Beginn intensiver Kontakte zu den westslawischen Völkern geht auf Poppo, Markgraf der Sorbenmark, zurück.

Neben Sorben und Reichswenden befanden sich am Obermain um 800 n.Chr. auch noch andere Slawen - Kriegsgefangene mit ihren Familien - , die bereits durch Karl d. Großen zwangsangesiedelt worden waren. Zusätzlich hatte Karl d. Große in der Endphase des zweiunddreißig Jahre dauernden Sachsenkrieges (794-804) heidnische Sachsen an den Obermain deportiert. Westslawische Sorben kamen dorthin, nachdem Karl d. Große in den Jahren 805 und 806 n.Chr. diesen Stamm, der sich zwischen Elbe und Saale befand, unterworfen hatte. Die Sorben wurden dabei gegenüber Karl d. Großen tributpflichtig.

 

Osterbrunnen in Frankenhaag

 

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