Reichsadlermotive

in Franken


 

 

 

Modeln mit Adlermotiven waren besonders in den Reichsstädten zur Verzierung von Lederstühlen beliebt. Die Positiv-Model des Rothenburger Museums zeigt ein aufwendiges, zu Teilen volkstümliches Muster mit dem Reichsadler in der Mitte, der von einem Kranz umgeben ist und von zwei Löwen gehalten wird.

Darüber befinden sich zwei etwas derbe Putti, die Kränze und Granatäpfel tragen. Ein Taubenpärchen auf einem Früchtekorb krönt die Darstellung, deren Zwischenräume mit Blumen ausgefüllt sind: Symbole eines blühenden friedlichen Lebens unter dem Schutz des kaiserlichen Adlers.

 

 

Gußeiserne Plattenöfen waren Ausdruck des bürgerlichen Repräsentationsbedürfnisses

 

Die Ofenplatte trägt, umgeben von einem Rollwerkrahmen, das Reichswappen, den doppelköpfigen Adler; unterhalb befinden sich zwei Familienwappen mit der Jahreszahl 1591.

Das linke - bekrönt vom Rothenburger Stadtwappen - zeigt einen Stechhelm, die Helmform bürgerlicher Heraldik , und auf Kartusche einen Schnepfenvogel. 1591 trug Georg Schnepf d.Ä. aus Rothenburg dieses Wappen.

Die Bekrönung des rechten Wappens besteht aus einem Löwen mit Speeren. Es handelt sich um das Wappenzeichen der ehem. ministerialen Grafen zu Rothenburg-Comburg, deren Privilegien in die Stadtrechte eingeflossen waren. Unter dem Löwenkopf ein Spangenhelm, die Helmform der adligen Heraldik, und auf Kartusche ein Fisch mit Tulpenzweig. Dieses Wappen trug 1591 Christoph Marckard aus Rothenburg.

1591 bekleideten Schnepf als Bürgermeister und Mackard als Steuerer die beiden wichtigsten Ämter des Rates, woraus sich vermuten läßt, daß die Ofenplatte aus dem Rathaus in Rothenburg stammt.

 

 

Auch Wirtshausschilder zierte der doppelköpfige Reichsadler

18 Jh. aus Eisenblech (Dinkelsbühl)

 

Der Adler hat als Symboltier lange Tradition. Bereits im Altertum nimmt der "König der Vögel" in der Mythologie" einen hervorragenden Platz ein: Er ist Attribut von Zeus/Jupiter, dann auch Odins. Er ist der Vogel der Sonne, Siegeszeichen für das Heer. Im Alten Testament symbolisiert er politische Herrschaft; Gott selbst gleicht einem Adler. Obgleich der Adler Zeichen des römischen Staates war, der die Kirche verfolgte, übernahm jene das Bild des Adlers für den auferstandenen Christus.

Karl der Große benutzte ihn als Symbol für die Weiterführung des "Romanum Imperium"; der Adler fand fortan verstärkt Aufnahme in die Königs- und Kaiserikonographie; um das Jahr 1200 ist er als "Reichswappen" anerkannt.

Die Einführung des doppelköpfigen Adlers erfolgte durch byzantinischen Einfluß; 1433 - mit der Kaiserkrönung Sigismunds - wurde der Doppeladler Wappentier des Kaisers. Er versinnbildlichte zudem die Doppelgewalt von "Kaiser und Reich". Der einköpfige Adler galt fortan als Königssymbol.

 

Selbst auf der Wetterfahne wurde als Zeichen der Reichsstandschaft der Adler aufgebracht.

Wetterfahne um 1604 (Schweinfurt)

 

Die aus dem frühen 17. Jh. stammende Schweinfurter Wetterfahne hat die Form einer Standarte. Auf Haus- oder Turmgiebel beweglich angebracht, zeigt sie die Windrichtung und damit das kommende Wetter an. Ihre Funktion ist identisch der des Wetterhahnes auf Kirchtürmen.

 


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