Der Kaiser als Stadtherr


Die Kaiservisite einer Reichsstadt bedeutete den Besuch des Stadtherrn bei seinen Untertanen. Die festliche Szenerie, Prunk, Glanz und Pomp des illustren Zeremoniells verdeckten zwar diesen Charakter der Begegnung von Obrigkeit und "Untertänigem", in dem besonders und vor allem die kaiserliche Stadtherrschaft zum Ausdruck kam. Ein Kaiserbesuch war für eine Reichsstadt ein seltener, glanzvoller Höhepunkt, den nicht jede Generation der Bürger der kleinen Reichsstädte erlebte.

Im 15. und 16. Jh. waren die Unterbringung und Verpflegung des zahlreichen Gefolges einem bestimmten Procedere unterworfen, das den Einheimischen zwar große Mühen und Kosten verursachte, sich aber wohl im tragbaren Rahmen bewegte. Der Kaiser logierte gewöhnlich in den vornehmsten Bürgerhäusern, ab dem 17. Jh. auch im eigens dafür ausgestattetem Rathaus. Das kaiserliche Gefolge verteilte sich gemäß dem jeweiligen Rang auf die gesamte Stadt, sofern es überhaupt innerhalb der Stadtmauern untergebracht werden konnte.

Das Protokoll des Kaisereinzuges sowie die Beschaffenheit der städtischen Geschenke, die grundsätzlich erwartet wurden, wurden im Vorhinein mit dem Kaiserhof abgesprochen. Die Schlüsselübergabe am Stadttor, die festliche Beflaggung der Stadt, das Spalierstehen der uniformierten und bewaffneten Bürger, der Baldachin mit dem Reichsadler sowie die Ehrenpforte, die kaiserliche Audienz, der Meßbesuch wie auch gemeinsame Mahlzeiten waren genau festgelegt.

Die kaiserliche Stadtherrschaft über die "civitates imperii" rührte vornehmlich aus dem Besitz des Reichsgutes her. Lag allerdings eine Stadt auf Kirchengrund, so mußte sich der König die Stadtherrschaft mit dem Grundherrn, einem Bischof z.B., teilen.

Das Wesen einer Reichsstadt machte aus, daß sie sich der königlichen Gerichtsoberhoheit versicherte und sich keiner territorialen Gerichtsgewalt unterwerfen mußte. Kaiser/König ließen sich durch Beamte (Schultheiß/Ammann) im Richteramt vertreten. Diese Ämter wurden von Rat und Bürgerschaft der Reichsstädte im Spätmittelalter und im 16. Jh. sukzessive übernommen, so daß die königliche Gerichtsherrschaft zwar noch de jure gegeben war, de facto aber in den Händen der Städte selber lag.

 

 

Ehrenpforten waren für die Huldigung der neugekrönten Kaiser oder anläßlich von Kaiserbesuchen in den Reichsstädten ein unerläßliches Requisit der Feierlichkeiten.

(Nürnberg 1712)

Der eigens für den Kaisereinzug gefertigte Baldachin bedeutete höchste Ehrerbietung gegenüber dem Reichsoberhaupt und Stadtherrn.

(Nürnberg)

 

 

Der Rat der Reichsstadt huldigte dem auf seinem Thron im Rathaussaal sitzenden Kaiser.

In seiner Abwesenheit stand der leere Stuhl symbolisch für den Herrscher

(Kaiserthron aus dem großen Saal des Nürnberger Rathauses)


 

 

 

Die Reichsinsignien bildeten den Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches, der das Reich symbolisierte.

 

 

Die Reichskrone war das höchste Symbol des Reiches.

Als wichtigste Insignie wurde sie mehr als 800 Jahre lang bei den Kaiser- und Königskrönungen benutzt

 

 

Quaternionenadler

Die aus dem frühen 15. Jh. stammende "Quaternionenlehre" suchte unter Verwendung von Vierergruppen, die ständische Struktur des Reiches darzustellen.

Sie zeigt auf 6 Flügelfedern 48 Wappen, darunter die der "Reichsstädte" Augsburg, Metz, Aachen, Lübeck sowie der "Reichsbauern" Köln, Regensburg, Konstanz, Salzburg auf dem linken Flügel,

auf dem rechten Flügel die Wappen der "Reichsdörfer" Bamberg, Ulm, Hagenau, Schlettstadt.

Die Aufbringung des gekreuzigten Christus verlebendigt die Sakralität des "Heiligen Reiches"


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