Stiftskirchenmuseum Himmelkron
Überraschende Entdeckung
Während der Restaurierungsmaßnahmen in der Stiftskirche von Himmelkron werden am 29. April 1991 Sandsteinplatten im Chorraum gehoben, damit neue Elektroleitungen gelegt werden können. Beim Wenden dieser Steine stellt man überrascht fest:
Sie sind auf der Unterseite bemalt. In wunderschön leuchtenden Farben erkennt man darauf ein Christusbild, Apostelgestalten und Darstellungen der törichten Jungfrauen.
Die alte
Zisterzienserinnenklosterkirche war ursprünglich reich
ausgestattet mit eindrucksvollen Figuren und bunt
gestaltet. Die aus dem Boden geholte
Christusdarstellung ragt dabei besonders heraus. Sie ist mit
dem haarumsäumten Kopf samt zarten Lilienenden des
Kreuznimbus und einem schlichten Gewand in das Dreipassfeld
der rechteckigen Platte eingefügt. In der linken Hand
hält sie die Weltkugel, Zeichen der von Gott
zugewiesenen himmlischen Macht. Mit der rechten Hand spricht
Christus den Segensgruß aus an alle Menschen, die sich
ihm zuwenden.

Mit der Bergung der Platten setzte eine langwierige Prozedur ein: Zwei der Steine wurden nach München in die Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege gebracht. Unter der Leitung von Professor Dr. Rolf Snethlage und Ltd. Restaurator (Abt. Wandmalerei) Jürgen Pursche musste erst untersucht werden, welche Farbzusammensetzungen bei der Bemalung verwendet wurden und mit welchen Mitteln die Steine restauriert bzw. konserviert werden können.
Ein weiteres Problem warf die Frage nach dem ursprünglichen Standort der Steine auf. Es dürfte als gesichert gelten, dass sie an der ehemaligen Brüstung angebracht waren, welche die Steinempore an der Westwand (Lettner) der Stiftskirche nach oben hin abschloss. Ob diese Empore samt Brüstung weiter an der Südwand des Langhauses entlang lief und dort ebenfalls bemalte Platten angelegt waren, lässt sich nicht mehr ermitteln.
Die Untersuchungen in den Restaurierungswerkstätten erbrachten folgenden Erkenntnisse:
I.
Bei dem verwandten Sandstein, der grobkörnig und porös ist, dürfte es sich um einen lokalen Bundsandstein, evtl. aus der Nähe von Trebgast/Kulmbach, handeln. Auch bei Kronach vorkommendes Gestein entspricht in seinen Eigenschaften dem der Himmelkroner Platten.
II.
Die Bemalung erfolgte in Kalk-, aus der Sicht der Wandmalerei in Secco-Technik. Der oder die Maler gingen in drei Schritten vor:
Erst wurde eine Intonacozeichnung angebracht für die zur Bemalung vorgesehenen Flächen. Diese roten Unterzeichnungen, mit Pinsel und Ockerfarbe aufgebracht, sind bei allen Platten zu erkennen. Danach legte man den Hintergrund an. Es folgten die Inkarnatstöne (Fleischfarben) sowie der Lokalton für Haare und Gewand.
Beim letzten Schritt wurde die Binnenmalerei, teilweise feingliedrig, ausgeführt. Die gesamte unregelmäßige Oberfläche der Malerei befindet sich in einem pudernden bzw. kreidenden Zustand. Das Bindemittel dürfte sich vollständig abgebaut haben.
Umwandlungen von Farbsubstanzen werden durch das Erdmaterial des Kirchenbodens vermutet, nämlich eine gravierende Farbveränderung von ursprünglich Blau in malachitartiges Grün.
III.
Ob die vorhandenen Löcher alt und als "Wolfslöcher" einzuordnen sind oder für das Abseilen eingetrieben wurden, lässt sich nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen.
IV.
Zur Ergänzung nach Beschädigungen sind angebrachte Mörtelreste erkennbar. Da abwärts tropfende Farbspuren vorhanden sind, kann man davon ausgehen, dass die Steine aufrecht, nicht liegend, bemalt wurden. Steinmetzzeichen oder Bleispuren sind nicht vorzufinden.
V.
Die Figuren dürften immer paarweise aufgebracht worden sein, waren also vermutlich zueinander gewandt dargestellt. Man findet unter den Dargestellten neben Christus die Apostel Jakobus den Jüngeren (mit Walkerstange), Judas Thaddäus (mit Keule), Andreas (gebrochener Stein, mit dem Andreaskreuz), Matthias (mit dem Beil), ferner eine einzelne Törichte Jungfrauendarstellung und mit gleichem Motiv zwei Reststücke einer Doppelplatte.