Teil 2:

Heinrich II. und sein Bistum Bamberg

Im Protokoll der Frankfurter Synode vom 1. November 1007, auf welcher das deutsche Episkopat der Neugründung des Bistums Bamberg durch Heinrich II. zustimmte (37), werden besonders die persönlichen Beweggründe des Königs hierfür angesprochen: Die Kinderlosigkeit seiner Ehe, die Ausbildung zum Geistlichen in der Domschule zu Regensburg und sein menschliches Auftreten (38). Die von Guttenberg angeführten politischen und wirtschaftlichen Überlegungen haben sicher nur eine nebensächliche Rolle für die Neugründung gespielt ebenso wie die im Protokoll angesprochene Aufgabe der Slawenmission, das Heidentum der Slawen zu vernichten und den Namen Christi für immer in feierlichem Andenken einzuführen. Gestützt auf aufschlußreiche Untersuchungen von Wendehorst- v. Guttenberg kann man davon ausgehen, daß Bamberg auch nicht in erster Linie als Missionsbistum zur Christianisierung Oberfrankens gegründet worden ist (39). Denn die kirchliche Organisation war schon vor der Gründung Bambergs bis zum Fuße von Fichtelgebirge und Frankenwald und in die Münchberger Senke vorgedrungen. Mindestens 22, wahrscheinlich sogar 39 alte Pfarrkirchen bestanden schon, unter ihnen königliche Eigenkirchen aus dem 8. Jahrhundert (7 mit dem Patrozinium des heiligen Martin), vom Bistum Würzburg gegründete Pfarrkirchen (8 mit dem Patrozinium des heiligen Kilian) und Eigenkirchen der älteren Babenberger (Bamberg selbst) sowie der Markgrafen von Schweinfurt (Creußen und Kronach). (40)

Die Umwandlung der Pfalz Babenberg, in der Heinrich II. sich am liebsten aufhielt, in einen Bischofssitz, die reiche Ausstattung des neuen Bistums und auch seine Einbeziehung in die Reichspolitik mußten zu jener Zeit ebenso religiös wie politisch gewertet werden. Noch diente, was der Kirche dient, auch dem Reich - und umgekehrt. Eine beschleunigte Errichtung des Bistums Bamberg war zweifellos angebracht, um die dauernde Schwächung des bis vor kurzem mächtigsten ostfränkischen Adelsgeschlechts, der Markgrafen von Schweinfurt, zu erreichen.

Über seinen Plan, hier in Bamberg ein Bistum zu errichten, hatte König Heinrich II. lange Zeit geschwiegen. Zunächst wollte er sich die Zustimmung jener Männer sichern, die durch die Neugründnung die meisten Einbußen erleiden würden. Dies waren der Erzbischof von Mainz und die Bischöfe von Würzburg und Eichstätt. Den geringsten Widerstand vermutete Heinrich II. von seiten des Mainzer Metropoliten, der ja mit der Gründung dieses neuen Bistums einen weiteren Suffragan hinzugewann. An Bischof Megingoz von Eichstätt, einem schwierig zu behandelnden Mann, trat Heinrich vorerst nicht mit seiner Bitten heran, da er richtig vermutete, daß mit dessen Nachfolger besser über Abtretungen Eichstätter Diözesangebietes zu verhandeln sein würde (41). Heinrichs verblüffende Kenntnis im Umgang mit Klerikern kam nicht von ungefähr: als sein Vater, der Bayernherzog, von Otto II. in Acht und Bann getan wurde, brachte man Heinrich, den bislang einzigen Sohn, auf die Domschule nach Regensburg, um ihn zum Geistlichen zu erziehen, wohl mit der Absicht, ihn auf diese Weise nicht zum Rächer des Vaters werden zu lassen. Auch wenn aus der geistlichen Karriere nichts wurde, hatte er gelernt, wie man dem Klerus schmeichelt ohne sich ihm auszuliefern. Eine Haltung, die er mit Perfektion auch gegenüber dem Papst einnahm (42).

Durch die im Juni 1007 erlassene Bulle "Officii nostri" verlieh der Papst dem neu zu gründenden Bistum Bestätigung und Schutz. Das Einverständnis der weltlichen Fürsten erhielt Heinrich vermutlich im Oktober 1007 auf dem Hoftag zu Aachen. Das Bistum Würzburg, das sich durch die Neugründung des Bistums Bamberg eine Erhebung zum Erzbistum erhoffte (43), mußte sich jedoch damit zufrieden geben, daß sich der Hauptzuständigkeitsbereich des Bistums Bamberg angeblich besonders auf die Erfüllung der kirchlichen Pflichten im Hinblick auf das Heidentum der Slawen am Obermain beschränken sollte; denn die von Würzburg abgetretenen Gebiete, also in der Hauptsache der Radenzgau, waren - auch nach Auffassung von Endres - im Vergleich zu den Altsiedellandschaften in kirchlicher Hinsicht kaum erschlossen. Dort lebten Slawen, die noch als Heiden bezeichnet werden mußten (44).

Das Gründungsgut des neuen Bistums Bamberg bestand hauptsächlich aus den fränkischen Eigengütern Heinrichs II., der Burg Bamberg auf dem Domberg, Gütern im Volkfeld, den Königsgütern um Hallstadt, der weit ausgedehnten Königsmark Forchheim, aus Eggolsheim und Gütern um Burgebrach. Hinzu kamen Schenkungen im Nordgau, die Reichshöfe Fürth und Hersbruck, Osterhofen/Donau, Besitzungen in Reichenhall und Aibling und viele Orte in niederbayerischem Gebiet. Gleich am Gründungstag und in den folgenden Jahren sorgte Heinrich II. für die ungewöhnlich reiche Ausstattung mit liegendem Gut. Schon am Tag der Gründung lagen über zwei Dutzend Urkunden vor, deren Zahl sich in den folgenden Jahren auf insgesamt 63 erhöhte. Somit konnte der Stiftung, teils dem Bischof, teils seinen Kanonikern, wesentlich mehr als ein Existenzminimum zugewiesen werden (45).

Das Jahr 1015 brachte dem Bistum Bamberg eine bedeutende Erweiterung über den Radenzgau hinaus und fügte ihm auch große Besitzungen des Nordgaues an. Jetzt betrieb das Bistum Bamberg besonders im Osten seines Gebietes Rodungen und schob sich in das Fichtelgebirge und in den Frankenwald vor. Auch die von Wendehorst- v. Guttenberg angesprochene vorbambergische Kirchenorganisation, die sich aufgrund des Würzburger Patronats und des Patrozinismus des hl. Kilian rekonstruieren läßt (46), wurde durch das Bistum Bamberg neu belebt.

Mit der von König Heinrich II. eingeleiteten politisch-administrativen Neuordnung in Oberfranken und der Gründung seines Bistums Bamberg begann für die Geschichte am Obermain ein neuer Abschnitt. Auch das Grafengeschlecht von Andechs-Meranien wurde durch Eheschließung des Grafen Arnold II. von Dießen mit Gisela von Schweinfurt (47) in den nun beginnenden neuen geschichtlichen Abschnitt integriert.

 

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(37) F.- Fabian, Cäsaren, S. 64 ff.

Thietmar, VI, 31.

Kist, J., Fürst- u. Erzbistum Bamberg, BB, 1962, S. 14-16.

Mayer, Th., Die Anfänge des Bistums Bamberg (Festschr. für E. Stengel), Köln 1952, S. 272-288.

Thietmar, VI, 30, S. 311

Frhr.v.Guttenberg, E., Das Gründungsprivileg Johannes XVIII. für das Bistum Bamberg, in: ZBLG 4, 1931, S. 460 ff.

Ders., Die Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg, VGffG Reihe VI, Bd. 2, Würzburg 1963, S. 15 ff.

Jaffe, Philipp, Bibliotheca rerum Germanicarum, Bd. V: Bonumenta Bambergensia, Berlin 1869, S. 482 ff.

Deinhard, W., Dedicationes Bambergenses, Text des Domweiheberichtes, Freiburg 1936, S. 4-5.

E.v.Guttenberg, Urbare und Wirtschaftsordnung des Domstifts zu Bamberg. 1. Teil. Aus dem Nachlaß, hg. v. A. Wendehorst, Würzburg 1969, aus: VGffG, Reihe X, 7. Band.

Meyer, O., Kaiser Heinrichs Bamberg-Idee im Preislied des Gerhard von Seeon, in: F Bl 3, 1951, S. 75-78.

Stein, Geschichte Frankens, Bd. 1, S. 131 ff.

(38) F.-Fabian, Cäsaren, S. 64 ff.

(39) Endres, Grafen von Schweinfurt, S. 24 ff.

E.v.Guttenberg - W. Wendehorst, Bistum Bamberg, S. 13 ff, ebenso auch

H. Büttner und M. Beck, Die Bistümer Würzburg und Bamberg in ihrer politischen Bedeutung für die Geschichte des deutschen Ostens (Studien und Vorarbeiten zur Germania Pontificia 3) 1937.

(40) Hofmann, H., Bayer. Geschichtsatlas, S. 74, dazu

E. Frhr. v. Guttenberg, Die Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg, GffG, 6. Reihe, Bd. 2, 1932/63, ebenso

Kist, Johannes, Fürst- und Erzbistum Bamberg, S. 17j.

Wendehorst, A., Das Bistum Würzburg, Teil I: Die Bischofsreihe bis 1254. In: Germania Sacra NF 1, Berlin 1962.

Ders., Das Bistum Würzburg. Ein Überblick von den Anfängen bis zur Säkularisation, in: Freiburger Diözesan-Archiv 86, 1966.

(41) Frh. v. Guttenberg: Germania Sacra II/1, S. 41 ff.

Meyer, Oberfranken im Hochmittelalter, S. 11 ff.

(42) F.-Fabian, Cäsasren, S. 66

(43) Neukam, W. G., Das Hochstift Würzburg und die Errichtung des Bistums Bamberg, WDGBLL 14/15, 1952/53, S. 147-172 (Anm. 17).

Kallen, G., Kaiser Heinrich II. und Würzburg, in: WDGBLL. 14/15, 1952/53, S. 141-146.

(44) Endres, Das Slawenmotiv bei der Gründung des Bistums Bamberg, 109. Bericht, BB, 1975, S. 166 (= Endres, Slawenmotiv).

(45) Meyer, Oberfranken im Hochmittelalter, S. 11 ff.

E.v.Guttenberg, Sämtliche Urkunden (Gründungsausstattung), Regesten Bamberg, Nr. 37 ff., S. 25 ff., ebenso auch: Nr. 76 und 77, S. 40-42.

Arneth, K., Die Familiennamen des ehemaligen Hochstiftes Bamberg in ihrer geschichtlichen Entwicklung, in: JbfL 16, 1956.

Meyer, O., Das Perikopenbuch Kaiser Heinrichs für Kloster Michelberg/Bamberg, in: F Bl 5, 1953, Nr. 18.

(46) Endres, Das Slawenmotiv, S. 164 ff.

(47) Meyer, Oberfranken im Hochmittelalter, S. 136 ff.