Bayreuth

(CIVITAS, VILLA, CASTRUM, OPPIDUM)

 

Das Alter der heutigen Stadt Bayreuth lässt sich urkundlich nicht eindeutig datieren. Die erste namentliche Nennung von Bayreuth in einer Bamberger Urkunde von 1194 ist für die Erforschung von Stadtbezeichnungen weniger hilfreich, da sie außer der Nennung "Baierrute" leider keinerlei Angaben zu Lokalisierung, Siedlungsstruktur und Städtenamen enthält (50).

Mit VILLA erscheint 1199 erstmals eine uns bekannte Stadtbezeichnung: "Villa que dictur Beirrut" (51). Der Begriff CIVITAS taucht in einer Schenkungsurkunde von 1231 auf, die der Bamberger Domprobst Poppo (+ 1245), Sohn des Grafen Berthold III. von Andechs (+1188), im Skriptorium des Klosters Michelberg erstellen ließ. Hier wurde Bayreuth als "civitatis Beirruth" tituliert (52). Im Ellwanger Vertrag vom 28. Juli 1265 werden für Bayreuth dann auch die Stadtbezeichnungen OPPIDUM und CASTRUM genannt (53).

Für die ab etwa 1160 einsetzende Stadtgründungspolitik der Andechser Grafen im heutigen Oberfranken war Bayreuth der ideale Beginn, da es sich hier um Eigengrund aus dem babenbergischen Erbe handelte an dem das Bistum Bamberg keinerlei Besitzrecht geltend machen konnte. Auch lag dieser Eigenbesitz sehr günstig an zwei wichtigen Altstraßen (54).

Der Grundriß des Stadtkerns läßt nicht die geringste Spur einer - wie auch immer gearteten - dörflichen Vorsiedlung erkennen und unterstützt damit die Auffassung, daß auf dem Areal innerhalb der späteren Stadtmauern keine frühe Rodesiedlung (Einzelgehöfte jedoch möglich) existiert haben dürfte. Die dörfliche Ansiedlung der Andechser mit Eigenkirche St. Nikolaus befand sich bekanntlich ca. 2 km westlich der damaligen Baierrute. Es wird kaum bezweifelt, daß die Anfänge der heutigen Stadt Bayreuth auf einem planmäßigen Gründungsakt der Grafen von Andechs-Meranien beruhen (55).

Bis ins 17. Jahrhundert läßt sich anhand zeitgenössischer Quellen noch ein weiterer stadtgeschichtlicher Begriff für Bayreuth nachweisen: die "Burg Bayreuth" (56). Da jedoch weder in der Andechser-Urkundenforschung noch von Seiten der Archäologie Hinweise auf eine Burganlage der Andechser Grafen in Bayreuth gegeben werden, kann BURG/BURGUM auch als Stadtbezeichnung verstanden werden. Auch Fischer hat das Vorhandensein einer Burganlage in Bayreuth anhand seiner Aufzeichnungen widerlegen können (57). In älteren Quellen erwähnte "Burggüter" - burgartig angelegte Grundstücke - wurden jedoch erst nach der Andechs-Phase, in der Regel vom Landesherrn, an Adelige verliehen. Hinweise auf Entwicklungen von Burggütern können der Realbefreiung von 1439 und dem Bayreuther Landbuch von 1499 entnommen werden.

Das in der Bayreuth-Beschreibung von Reiche aus dem Jahre 1795 erwähnte Meranische Burgschloß, ein festes (steinernes) Gebäude, wurde gemäß Teilungsvertrag von 1532 als fürstliche Kanzlei benutzt und noch 1544, zu Beginn der "Albertinischen Unruhen", zu Kanzlei-Geschäften verwendet, bevor es 1621 einem Stadtbrand zum Opfer fiel (58). Besagtes Gebäude stand an der heutigen Maximiliansstraße und ging nach dem Stadtbrand spätestens im 17. Jahrhundert in der Schloßerweiterung auf und verschwand somit aus dem Stadtbild. Wenn auch keine Burg- bzw. Schloßanlage der Grafen von Andechs in Bayreuth stand, so ist aber auch nicht auszuschließen, daß das damalige Kanzleigebäude den Grafen von Andechs-Meranien möglicherweise als administratives Gebäude diente (59).

Vorstellbar ist auch, daß die urbane Siedlung Baierrute dem Rechtsbereich der ca. 5 km westlich von Bayreuth liegenden Burganlage der Andechser Grafen - der urkundlich bekannten Burg Furstinawe (= Fürstenau) - unterstand (60). Auch Fürstenau lag in der Nähe wichtiger strategischer Altstraßen, die durch Andechser Eigenbesitz führten.


Straßennetz zwischen der mittelalterlichen Großstadt Nürnberg und Bayreuth (nach Rudolf Endres, Nürnberg-Spinne im Netz, Frankenland Heft 5, Oktober 2006, Seiten 314 ff.):

"Verzaichnus der herrschaft glait des Burggraventums zu Nurmberg"

Die 1. Straße führte vom Laufer Tor Nürnberg über Heroldsberg - Pegnitz nach Creußen, wo eine Straße nach Eger und Prag abzweigte. Die Hauptroute führte nach Bayreuth - Berneck - Hof - Plauen bis Zwickau, wo sie sich in zwei Stränge teilte: die eine Route verlief über Görlitz und Breslau hin nach Krakau und die andere, nördlich Route über Leipzig - Frankfurt an der Oder nach Thorn und weiter nach Ostpreußen.

Neben 12 Haupthandelsrouten, die bereits vor 1500 durch Nürnberg verliefen oder von hier ihren Ausgang nahmen, gab es noch eine Vielzahl von Nebenstraßen, wie das Geleitverzeichnis festhielt. Allein zwischen Nürnberg und Bayreuth gab es vier verschiedene Straßen, auf denen die Burggrafen geleiteten.


(50) BHStA München, Klosterurkunden Prüfening Nr. 35

(51) Ussermann, episc. bambergense, S. 134-1199: Heilungsbericht eines wohl Geisteskranken aus der "Villa Bayreuth" am Grab der Kaiserin Kunigunde in Bamberg

(52) BHStA München, UK. Bamberg Nr. 551-1231 "uillam in confinio civitatis Beirruth sitam"

Oefele Archiv Urk. Nr. 658a, S. 207, 1231 (Bamberg) CIVITAS Beirruth

(53) BHStA München. UK. Brandenburg/Bayreuth nr. 15-1265 und 16-1265 "...opidi nostri in Baierrut ..." und "... opidi in Baierrute cum castris et omnibus proprietatibus".

(54) Segl, Bayreuth, S. 70 (via publica od. Hohe Straße)

(55) Pokorny, Siegfried, Bayreuth: Landwirtschaftliche Rodesiedlung oder geplante Marktsiedlung? in: 800 Jahre Sprache in Bayreuth, Verl. Rabenstein, Band 11, Bayreuth 1994, S. 35 ff.

Seifert, Ernst, Die Meranier in Oberfranken, Heimatbeilage zum Amtl. Schulanzeiger, Nr. 228, S. 17 ff. Bayreuth 1996.

(56) Müssel, Karl, Zeitgeist und Tradition in der Bayreuther Barockkunst um 1700, AO 56 (1976) S. 238 aus: Singspiel "Amage Regina de Sarmati" i.d. Hochf. Residenz u. Burg Bayreuth.

(57) Fischer, Häuserbuch, S. 141 ff: Der zum Markt hin offene Hof des Alten Schlosses war bis nach dem Stadtbrand von 1621 mit sechs Häusern besetzt, die erst nach 1621 durch die Landesherrschaft aufgekauft wurden. In der Schmiedgasse hat es keine Burg gegeben.

(58) Reiche, J.C.C., Bayreuth, (1795), Bibliotheca Franconia, Band 3, S. 13-31.

(59) Fischer, Häuserbuch, S. 320, 489; Hinweis: Dieses Meranische Verwaltungsgebäude befand sich im Bereich Haus Altes Schloß V.

(60) Oefele, Edmund, Frhr., Geschichte der Grafen von Andechs, Innsbruck 1877, S. 103, 213.

1243 Dez 25, Burg Furstinawe, Nr 679 bei Oefele, Burganlage lag bei Altenplos

BHStA München, Urkunden Diessen, KU Nr. 13 und MB VIII 182/83.


Lichtenfels und Scheßlitz