Stadtbezeichnung - Burgus

 

Die Stadtbezeichnung BURGUS wurde urkundlich oft für Siedlungen verwendet, die schon weit "auf dem Weg" zur CIVITAS vorangeschritten waren (36). Aus diesem Begriff sind deutlich die Vorstellungen der mittelalterlichen Bevölkerung ersichtlich: Die Befestigungen einer Stadt dienten nicht nur dem Schutz der Einwohner, sondern ließen zur staufischen Zeit auch die Stadt als "Großburg" verstehen; d.h., die Stadt war eine mit wehrfähigen Einwohnern besetzte Festung. Daher wurden auch die Einwohner dieser befestigten Städte als burgenses - BÜRGER (d.h. Bewohner) - bezeichnet.

Das Wort BURG ist indogermanischen Ursprungs und findet sich in geringer Veränderung bei allen Völkern dieses Sprachstammes wieder. In Kluge, Etymol. Wörterbuch der deutschen Sprache, 5. Auflage heißt es unter BURG: In den altgermanischen Dialekten war Burg - "was uns Stadt ist". Das altgermanische Wort begegnet uns auffälligerweise im Armenischen als BURGN und im Arabischen als BURG, wabei diese Bezeichnungen wahrscheinlich zunächst auf das nachklassische lateinische BURGUS zurückzuführen sind, woher auch das gemeinroman.-ital. BORGO, das franz. BOURG "Flecken" sowie das altirische BORG "Stadt", abgeleitet sind. Erst als die einzelnen indogerm. Stämme seßhaft wurden, bildeten sich die Begriffe für STADT. Besonders in der Stadtgründungsphase der Zähringer- und später der Stauferzeit bezeichnete man eine präurbane Besiedelung mit Umfriedung (jedoch noch ohne Stadtrecht) als BURG.

Nicht zu verwechseln sind jedoch BURGGÜTER und FREIHÄUSER, die erst nach der Andechs-Phase auch in Oberfranken auftraten. Hierunter verstand man burgartig befestigte Gebäude. Diese Güter wurden in der Regel vom Landesherrn an Adelige verliehen (37).

 


(36) Schwineköper, Berent, Stauferstädte, Zähringerstädte, S. 124, in: Südwestdeutsche Städte im Zeitalter der Staufer, Band 6, Thorbecke Verlag.

Hinweis dazu: Für neu angelegte Siedlungen frühstädtischen Charakters aus diesem Zeitraum kann man wohl im allgemeinen das Vorhandensein von Palisaden aus Holz, Planken, Zäunen und - wenn es hoch kommt - Wälle und Gräben voraussetzen. Mauern bilden noch im 11. Jahrhundert eine Ausnahme.

(37) Fischer, Häuserbuch der Stadt Bayreuth, Band I, Verlag Rabenstein, Bayreuth 1991, S. 140 ff.,


Andechs und Oberfranken