Zusammenfassung

 

Mit der durch die Andechser Grafen ausgelösten Intensivierung der regionalen Wirtschaftszentren im heutigen Oberfranken entstand reges pulsierendes Leben und blühender Handel, womit die Kaufleute immer mehr an Bedeutung gewannen. Für die Grafen von Andechs stiegen die fiskalischen Erträge, zumal sie auch ihre Verwandte, Hedwig von Schlesien, eine Andechserin die im Kloster Kitzingen aufgewachsen war, beim wirtschaftlichen Aufbau Schlesiens tatkräftig mit geschulten Bauern, Handwerkern und Kaufleuten, die weitgehend aus dem heutigen Franken kamen (82), unterstützt hatten und nun an der intensiven Handelsbrücke zwischen dem heutigen Oberfranken und Schlesien partizipieren konnten. Hierdurch wurde der Absatz vor allem von Waren, die dem gehobenen Lebenstandard des geistlichen und weltlichen Adels entsprachen (z.B. feine Textilien, Pelze, Edelmetalle, Metallwaren, Gewürze und Ölen) gesteigert. Allerdings vermochte die heimische Wirtschaft bisher die große Nachfrage nach diesen Dingen nicht zu decken. Deshalb dürften auch Produkte aus Italien, Byzanz und der Levante eingeführt worden sein, wie z.B. hochwertige Tuche, Pelze, Elfenbein oder Edelmetalle. Von Amberg kamen u.a. Salz, Eisen und Waffen, aus Nürnberg Schwefel und aus Bamberg Wein. So kam es, daß sich im Gebiet des heutigen Oberfrankens, das fast ausschließlich Agrarland war, beachtlicher Handel und aufstrebendes Handwerk entwickeln konnte. Das hatte nun wiederum eine Verstärkung der Geldwirtschaft zur Folge und gipfelte schließlich in einer mächtigen Erweiterung des Weltbildes für Oberfranken (83).

Die zur Zeit der Grafen von Andechs-Meranien verwendeten Stadtbezeichnungen CIVITAS, OPPIDUM, VILLA, STAT, BURGUS konnten nicht bedeuten, daß es sich bereits um Städte mit Stadtrecht und Selbstverwaltung handelte. Bekanntlich war eine Stadterhebung damals oft noch ein langgestreckter Vorgang und selten nur ein Rechtsakt. So muß man annehmen, daß die Andechs-Städte eher bedeutende urbane Siedlungen waren, die der früheren Kirchenrechtsordnung unterstanden. Diese urbanen Besiedelungen sollten jedoch nicht nur als Fernhandelsplätze bzw. Nahmärkte mit agrarisch-gewerblicher Wirtschaftsstruktur angesehen werden, sondern auch als Festung zur Grenzsicherung und territorialer Expanison. Für ihre Gründung spielten fiskalische und administrative Gesichtspunkte eine wichtige Rolle: Je dichter das Städtenetz, desto kleiner die urbanen Besiedelungen. Je niedriger der Rang des "Stadtherren", desto unbedeutender ihre Städte. Man bezeichnet die Zeit um 1250 in der deutschen Stadtgeschichte dementsprechend auch als "Zeitalter der Kleinstadtgründung". Daneben wuchsen jedoch auch regionale Markt- und Wirtschaftszentren heran, die hinsichtlich ihrer Rechtsausübung und Rechtspflege einer VESTE als internem Rechtsbereich unterstanden (84):

 

VESTE Fürstenau (Eigenbesitz) - Bayreuth CIVITAS

VESTE Giech (Ehegut) - Scheßlitz CIVITAS

VESTE Lichtenfels (Ehegut) - Lichtenfels CASTRUM

Burg Trebegast (Eigen) - Prezendorff CASTRUM

 


(82) Meyer, Otto, Oberfranken i. Hochmittelalter, Oberfranken-Stiftung, Bayreuth 1973, S. 154,

Bei Hedwig wirkte sich auch ihre fränkische Erziehung darin aus, daß ihre Klostergründung Trebnitz in Schlesien mit Nonnen aus St. Theodor in Bamberg besetzt und damit, wie mit allem anderen, die fränkisch-schlesischen Beziehungen einleitete.

(83) Ders., S. 112-131

(84) Diese Aufzählung für Oberfranken erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit. Sie könnte jedoch als Grundlage für weitere Nachforschungen regionaler Zentren im heutigen Oberfranken dienen.

 

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