Lichtenfels (VESTE, FORUM, CASTRUM) und

Scheßlitz (CIVITAS)

 

Die Güter Lichtenfels und Scheßlitz gingen 1130 durch Eheschließung mit Chuniza von Giech-Wertheim an Poppo I. von Andechs (63). Diese Verbindung, die die Macht der Andechser fast bis vor die Tore der Bischofsstadt Bamberg ausgeweitet hatte, wurde jedoch nach wenigen Jahren angeblich wegen der zu nahen Verwandtschaft der Eheleute gelöst, was allerdings ein glücklicher Umstand für Bischof Egilbert (Bischof zwischen 1139-46), den Nachfolger Bischof Ottos I. war, der 1142 auf einer Diözesansynode die Ehe für ungültig erklären und so den Machtgewinn Poppos I. vorerst bannen konnte (64). Bischof Egilbert von Bamberg wußte bereits, daß Chuniza den Weg ins Kloster wählen würde und konnte ihre Güter als Schenkung an das Bistum erwarten.

Graf Poppo I. erzwang jedoch mit kriegerischen Mitteln die Lehensauftragung der Burgen Lichtenfels und Giech an ihn und seinen Bruder Berthold III. sowie die Übertragung der Grafschaft im Radenzgau als bambergisches Erblehen. Folglich erlangte Bischof Egilbert zu Bamberg 1143 zwar das Kondominat über die Burgen Giech und Lichtenfels, der Andechser gab aber sein Anrecht auf den erheirateten Besitz allein schon mit Rücksicht auf den ehelichen Sohn Heinrich nie auf. König Konrad III. schlichtete schließlich den Streit und es wurde in den Giechburg-Verträgen vom 13. März und 24. September 1143 festgelegt, daß der Andechs-Plassenburger das vertragliche Recht hatte, die VESTE Giech ganz und das CASTRUM Lichtenfels zur Hälfte zu besetzen, darin zu verkehren und frei ein- und auszugehen.

Nachdem jedoch Graf Poppo I. am 11.12.1148 als Kreuzzugsteilnehmer in Konstantinpel starb und der Sohn Heinrich III. dem Schwert entsagt hatte, setzten neue Streitigkeiten ein. Im Jahre 1149, nach dem 3. März, wurde deshalb ein zweiter Giechburg-Vertrag zwischen Bischof Eberhard II. von Bamberg (Bischof zwischen 1146-70) und Graf Berthold III. von Andechs-Plassenburg (+1188), dem Bruder des verstorbenen Grafen Poppo I., geschlossen. Dieser Vertrag räumte Graf Berthold III. und dem Bischof das Recht ein, die VESTE (Burg) Lichtenfels mit je einem Kastellan (Burghüter) zu besetzen, die sich gegenseitig keinen Schaden zufügen durften. Jedoch lag das Schwergewicht der Macht auf VESTE und CASTRUM Lichtenfels sichtlich bei Graf Berthold III.

Die Rivalität zwischen dem Bistum Bamberg und dem Grafengeschlecht der Andechs-Plassenburger wurde erst ausgeschaltet, als König Friedrich I. (Imp. 1152-90) im Interesse des Reiches den Andechser Otto II. im Jahre 1177 zum Bischof von Bamberg machte. Mit dem Herrschaftszentrum Plassenburg und dem Bistum Bamberg waren ab 1177 die Grafen von Andechs nun weltliche und geistliche Herren im heutigen Oberfranken und konnten ihre Märkte und Städte frei gründen.

Auch die Siedlung Lichtenfels am linken Mainufer ist eine Gründung der Herzöge von Andechs-Meranien. Die Burg Lichtenfels dürfte bereits um das Jahr 1000 zur Besitzmasse der Grafen von Schweinfurt gehört haben. Im Schenkungsvertrag von 1142 über die Erwerbung von Lichtenfels durch das Bistum Bamberg wird erstmals der Name Lichtenfels (Litenvels) urkundlich erwähnt. Im Giechburg-Vertrag von 1149 wurde Lichtenfels als VESTE bezeichnet. Die Bezeichnung FORUM (= Markt) für Lichtenfels kam mit der Befestigung des Ortes unterhalb der Veste: "cum forum nostrum in Lichtenvels! durch Herzog Otto VII. von Meranien (+1232), der um Lichtenfels einen Palisadenzaun errichten ließ, dessen Holz aus dem Wald des Klosters Langheim stammte (65).

Obwohl die Stadtbezeichnung CIVITAS für Lichtenfels nicht festgestellt werden konnte, vermutete jedoch Erich von Guttenberg, daß auch Lichtenfels, eine nichtagrarische Siedlung mit Handwerkern und Kaufleuten, erst zur Zeit der Grafen von Andechs-Meranien gegründet wurde. 1245 wird Lichtenfels als CASTRUM bezeichnet (66). Zunächst beschrieb bekanntlich diese Stadtbezeichnung den "fränkischen Burgstadttyp", wurde zur Zeit der Andechs-Meranier aber auch im Zusammenhang mit den befestigten, urbanen Siedlungen Innsbruck, Bayreuth und Prezendorf/Himmelkron verwendet.

Deutlicher noch finden wir den Stadtbegriff CIVITAS in einem weiteren Handelszentrum. Herzog Otto VII. von Andechs-Meranien urkundete im Jahre 1230 in seiner CIVITAS Schesslitz, einem urbanen Zentrum, das ebenfalls im Rechtsbereich einer wichtigen VESTE, der Giechburg, stand. Viele Urkunden wurden an diesem Ort, der sich bekanntlich in der Nähe der "Hohen Straße" von Würzburg, Bamberg über Bayreuth nach Eger (Prag) befand, erstellt.

 

Giechburgverträge von 1143/1149


(61) Urkunde v. 1249, Bischof Heinrich I. v. Bilversheim (1242-1257, Bamberg): CASTRUM Lichtenfels - das "heimkehrende Lehen", 750 Jahre Lichtenfels, Kirchengeschichte S. 65.

1244 Aug.25 Lichtenvels, 1239 Nov. 14 Liechtinvels, 1232 Burg Lihtenvels, 1143 Mai Feste Giecheburg und Lihtenvels, 1242 Dez. 1 Liehtenvels (Oefele Urk. Nr. 100, 213, 680, 668, 613)

(62) 1244 Schezlic, 1231 Juli 16 Giech, 1230 Nov. 6 CIVITAS Shehsliz (Oefele Urk. Nr. 683, 580, 571); 1147 Nennung: Poppo comes de Gieche, Urk.Nr. 123 - Oefele Archiv.

(63) Oefele, Geschichte des Hauses Andechs, S. 87 ff.

(64) Neidinger, Emil, Die Herzöge v. Meranien im Blickfeld der Heimat- und Reichsgeschichte.

(65) Meyer, Otto, Oberfranken im Hochmittelalter, Oberfranken-Stiftung, Bayreuth 1973, S. 160.

(66) Meyer, H., Älteste Urkunde v. 1142, S. 18 in: 750 Jahre Stadt Lichtenfels, Lichtenfels 1981.

 


Trebgast und Prezendorf