Der Begriff VILLA, der bis zum Mittelalter ausschließlich nur als dörfliche Ansiedlung gedeutet wurde, hat in der Zähringer- bzw. Stauferzeit eine zusätzliche Bedeutung erlangt. Denn bedingt durch die Nähe zu den französischen Nachbarn wurde bei den Bauherren dieser Epoche das französische Wort VILLE mit STADT gleichgesetzt (28). Bis in 12./13. Jhd. wurden im heutigen Bayern auch nichtagrarische Siedlungen mit Handwerkern und Kaufleuten als VILLA bezeichnet. Auch Stuttgart wurde beispielweise noch im Jahre 1282 in einer Konstanzer Urkunde als VILLA bezeichnet.
Obwohl der Begriff VILLA in der überwiegenden Zahl der in Tausenden von Urkunden überlieferten Belege auch wirklich "Dorf" war, darf jedoch ebensowenig angezweifelt werden, daß mit VILLA auch eine städtische Siedlungsform, sogar eine bereits ausgebildete Stadt, gemeint sein konnte.
(28) Hiereth, S., Städte u.
Märkte im Mittelalter, Bayer. Geschichtsatlas, München
1969, S. 81/82.
Menge-Güthling, Langenscheid-Wörterbuch Lateinisch-Deutsch, Teil 1, Berlin 1978, S. 802.
Petschenig, Michael, Der kleine Stowasser, München 1971, S. 532.
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Schlesinger, Walter, Stadt und Burg im Lichte der Wortgeschichte,
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Köbler, Gerhard, burg und stat - Burg und Stadt? in: HJB 87, 1967, S. 305-325.