Bamberg

(Oberfranken)


Die Bischofsstadt Bamberg unterscheidet sich nicht von zahlreichen anderen oberfränkischen Städten bezüglich der frühen Abwendung ihrer Bewohner von der Kleidung, die sich als Volkstracht bezeichnen ließe.

 

 

Bürgersfrauen von Bamberg

um 1825/30

 

Bamberger Gärtnermädchen

um 1820

 

Bei Liposwky lesen wir:

"Und nun zu den Gärtnerinnen ..., deren die stehenden im festlichen Kostüme auftreten, die beim Marktkorbe sitzende aber im täglichen Gewande erscheint. Von selbst fällt es auf, daß die Barthäubchen der Schönen aus der Vorstadt niedriger und nicht mit so großen und breiten Bändern in einander geschlungenen Maschen, oder Schleifen beladen seyen, wie die der Bürgerinnen in der Stadt, dann daß sie, anstatt der weißen mit Spitzen geschmückten Halskrausen (cravates), ein aus Seide, oder feiner Wolle gewebtes mit einer Bordüre geziertes farbiges, auch ein weißes mit gesticktem Blümchen begabtes Tuch um den Hals geschlungen tragen, desselben beide Enden aber über den Rücken wallen lassen. Die Jäckchen schliessen sich ganz kurz, und knapp (enge) am Leibe an, aus verschiedenen Stoffen nach der Witterung und den Jahreszeiten, dann dem Geschmacke einer Jeden, wohl auch nach der Laune einer wandelbaren Mode verfertigt. Unter der eben nicht faltenreiche Schürze tragen diese Frauen und Mädchen wahlweise eine Tasche, um ihr Geld, ihre Schlüssel, ihr Sacktuch, und wessen sie sonst bedürfen, zu verwahren."

 

 

Bamberg um 1820

Die Bambergerinnen sind um diese Zeit an ihren mächtigen Bänderhauben zu erkennen.

 

Länger als die Volkstracht blieb der Kopfputz der Bamberger Bürgerfrauen, nämlich die sog. "Bamberger Haube", erhalten. Bereits Fentsch weist in der "Bavaria" auf diese eine "Abart der Frankenhaube" darstellende Haube hin. Er beschreibt die schon 1865 als "Bamberger Haube" bekannte, spezifisch katholische Kopfbedeckung wie folgt:

"Ihr Gupf unterscheidet sich kaum merklich von jenem der bekannten Bänderhaube. Statt der den Rücken hinabwallenden fliegenden Bänder aber hat sie diese in eine steife Masche (Schleife) geschlungen, die in zwei mächtigen, schier fußbreiten Flügeln auseinander stehen. Senkrecht wie eine Wand bilden diese Maschen den Hintergrund des Kopfes, in der Mitte überragt von der kegelförmigen Spitze der Kappe. Die Enden des Maschenbandes hängen etliche Hand breit über den Nacken herab".

Die traditionelle Kopfbedeckung der Bamberger Obsthändlerinnen war das sog. "Pfeffertuch", ein breites, rotes Kopftuch, das über die Grenzen Bambergs hinaus Verbreitung fand.

Tradition und Standesbewußtsein der Bamberger "Gärtner" und "Häcker" haben diese lange an ihre Standestracht festgehalten. Bei den Männertrachten kann man Gärtner und Häcker nur an der Art, wie sie den Dreispitz aufsetzen, unterscheiden. Der Gärtner richtet die Hutspitze nach vorne, der Häcker nach hinten. Den Männertrachten ist eine hochgeschlossene, mit einem kleinen Stehkragen versehene rote Weste eigen, die einen doppelreihigen, silberfarbenen Knopfbesatz besitzt. Die schwarze Samthose ähnelt einer Kniebundhose, allerdings liegt sie unterhalb des Kniegelenks nicht fest an. Unten ist sie mit silberfarbenen Knöpfen und einer entsprechenden Schnalle verziert. Der dunkelblaue bis zu den Knien reichende Rock hat Revers, Aufschläge und fünf silberfarbene Knöpfe. Auf der Rückseite ist er mit einem von unten bis zu den Hüften reichenden Schlitz versehen, in Falten gelegt und mit vier Knöpfen geschmückt. Mit rotem Garn werden die weißen Strümpfe in Knöchelhöhe mit einem Muster, einem stilisierten Nadelbaum oder einem Zweig, bestickt. Die Größe der silbrigen Schuhschnallen drückte früher die Wohlhabenheit ihres Trägers aus.

 

 

Bamberger Gärtnergruppe

 

 

Bamberger in der "Häckertracht"

beim Oberfränkischen Trachtenfest

(Eckersdorf, 1984)

 

Bei der Frauentracht dient sowohl den "Gärtnerinnen" als auch den "Häckerinnen" die "Bamberger Haube" als Kopfbedeckung. Die verheirateten Häckerinnen kennzeichnet allerdings ein Goldkranz an der Stirnseite des Gupfes. Schwarze Halbschuhe mit Silberschnallen und weiße Strümpfe tragen beide Gruppen. Die übrige Tracht der "Häckerinnen" und "Gärtnerinnen" unterscheidet sich:

Die "Gärtnerinnen" tragen einen weiten, mittelblauen, bis unter die Waden reichenden Rock, dessen Saum mit schwarzen Zackenspitzen besetzt ist. Die weinrote Bluse hat einen mit rotem Samt eingefaßten V-Ausschnitt. Den Abschluß der langen Ärmel bilden enganliegende Bündchen. Die Vorderseite des Rockes bedeckt eine schwarzgrundige Schürze mit großem, buntem Blumenmuster. Die Schürze wird hinten gebunden. Ein weißes Tuch aus Baumwolltüll mit breitem Spitzenbesatz bedeckt Rücken und Schultern. Die Enden werden in den Blusenausschnitt gesteckt und schauen unter dem Blusensaum hervor.

Die "Häckerinnen" kleidet ein über die Waden reichender Rock und eine Bluse, die in einem Stück gearbeitet sind. Verwendet werden dazu helle Stoffe mit stilisierten Blumenmotiven. Etwa 15 cm oberhalb des Rocksaumes ist eine Rüschenborte aus dem gleichen Stoff angebracht. Ein weißes Leinentuch verdeckt Rücken und Schultern. Es wird vorne über der Brust gekreuzt und auf dem Rücken mit einer Tuchnadel befestigt. Die Tuchenden bedecken noch den Leib. Für die vorne gebundene Schürze können die Trägerinnen unter verschiedenen Farben und Mustern wählen. Bei festlichen Anlässen stecken sich die Frauen einen Blumenstrauß in den Schürzenbund.


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