Effeltrich

(Oberfranken)


Was das Tragen der Volkstracht betrifft, so hat die Zeit durchaus ihre Spuren hinterlasse. So werden die Festtagstrachten nur noch an Feiertagen wie der Fronleichnamsprozession, dem Effeltricher Georgiritt und dem Forchheimer Martinsritt getragen. Im Forchheimer Land ist das Tragen der Tracht nicht nur Sache der Trachtenvereine, sondern auch privater Personen, wobei in erster Linie Frauen aktive Trachtträger sind.

 

 

Effeltrich - Fronleichnamszug

 

 

 

Die Hauptfarben dieser Tracht sind "rote Töne von der Farbe gebrannter Ziegel bis zu schwerem Bischofslila und ein Grün, das bald mit Gelb gemischt zu sein scheint, bald nach Blau hinüberspielt. Gelb ohne Zusatz findet sich seltener, am seltensten Blau. Das Material: Schwer fallendes Tuch, bauschige Wollstoffe verbinden sich mit knisternder, glänzender Seide und mit sparsam verwendetem Samt. Der Seidenstoff ist selten einfarbig, fast immer bestickt oder in sich gemustert. Dazu kommt eine Vorliebe für Goldborten, für Brokatbänder, für Seidenspitzen.

 

Die alte Festtracht setzt sich folgendermaßen zusammen:

Zunächst sind da die Unterröcke, vier an der Zahl, manchmal auch mehr. Ihre genaue Anzahl ist abhängig von der Figur und dem Geschmack der Trägerin. Das Material dieser Unterröcke ist Biber in verschiedenen Farben. Darüber bauscht sich in Glockenform der Oberrock, dessen gewaltige Stoffmenge (5 - 6m) in schmalen eingebügelten Falten, deren manchmal bis zu 200, gelegt ist. Zur Aufbewahrung werden diese Falten, damit sie scharfkantig bleiben, eng aufeinandergelegt und zusammengebündelt. Unter dem bis zu Knöcheln reichenden Rock sind die schwarzen und weißen, auch farbig geringelte Wollstrümpfe der Frauen und Mädchen in den ausgeschnittenen Halbschuhe ( = "Schleicherla" ) kaum sichtbar. Eine breite Borte am unteren Rocksaum ist stets grün. Der Rock ist in Kniehöhe oft mit einer zweiten Borte verziert. Über dem Hemd, aus weißem Leinen mit Spitzen an Ausschnitt und Ärmel, umschließt der "Leib" (= Mieder) eng den Oberkörper. Der "Leib" ist ärmellos und farbenfroh bestickt. Er ist aus Seidendamast oder schwarzem Samt. Geschlossen wird er auf der Brust mittels Messingkettchen und -häkchen. Die wulstartige Polsterung des "Leibes" um die Hüften ist weniger eine Huldigung an Schönheitsideale vergangener Zeiten, dient er doch vielmehr dazu, das beträchtliche Gewicht der Röcke zu halten. Über dem "Leib" spannt sich die "Schubben" (= Oberkittel), ein meist schwarzes, enges Jäckchen mit grüner Samtbandverzierung und lappig ausgezackten, bis knapp zur Taille reichenden Schößchen. Den tiefen Ausschnitt verdeckt ein breites buntes Seidentuch, das sogenannte "Neistecktiegla" (Hineinstecktuch), das über der Brust zu einem Dreieck gekreuzt, unter die "Schubben" gesteckt wird und dessen Enden an der Hüfte wieder zum Vorschein kommen. Um den Hals legt sich ein buntes Seidentuch, das im Nacken verknotet ist, das "Ninterbindtiegla".

Über dem Rock wird eine buntgemusterte, mit Schmuckbändern eingefaßte Schürze - "die eigfaßta Scheaza" - gebunden, deren Bänder vorne zur Schleife lang herabhängen. Das rote Kopftuch wurde von den Mädchen und Frauen nur bei weltlichen Anlässen, wie Kirchweih etc. getragen.

Besonders auffallend an der Effeltricher Tracht ist der Kopfputz der Frauen und Mädchen. Das große weiße Kopftuch steht der verheirateten Frau zu. Neuere Nachforschungen ergaben, daß das weiße Kopftuch auch von Mädchen getragen wurden. Ein mit Spitzen umrandetes Quadrat mit einer Seitenlänge von 150 cm wird zum Dreieck zusammengelegt. Der "Baam" (= Baum), ist die reiche Stickerei der einen Ecke, liegt über dem Nacken oder steht etwas davon ab. Die beiden anderen Zipfel werden über der Stirne geknüpft, so daß ein Ende nach vorn, das andere nach hinten fällt. Vervollständigt wird die Festtracht durch ein in Samt gebundenes, kunstvoll mit Silber beschlagenes Gebetbuch und einem dazu passenden, wertvollen Rosenkranz. Oft tragen Frauen und Mädchen noch ein Sträußchen mit stark duftenden Blumen oder Zweiglein, das "Schmeckerla", (Rusamoria und Basil = Rosmarin und Basilikum) in der Hand.

Der Kopf der Mädchen ziert der "Hohe Kranz", als Braut- oder Jungfernkrone anzusehen, ist zylinderförmig, oben offen, mit einem Durchmesser und einer Höhe von etwa 25 cm. Er besteht aus Gold- und Silberdraht, Messingplättchen, Rosetten, Glasperlen und Glastropfen. Er wird mit einem breiten roten Band (Aufsetzband) auf dem Kopf befestigt.

Zur Unterkleidung der Sonntagstracht gehören "das Hemd", die "bibernen" Unterröcke, der "Leib". Die bunte Seidenschürze ist nur durch Spitzenborte verziert. Die Rückenansicht erscheint etwas reizvoller: das Rückenblatt des "Kittels", dessen spitz zulaufendes Ende auf dem Rock aufliegt, hat drei Zacken aus Borte angenäht, die die Rückenpartie noch schmäler scheinen lassen als sie es bereits ist. Darunter kommen die möglichst breiten und möglichst langen Bänder der Schürze hervor.

Die Werktagstracht als Arbeitskleid weicht grundsätzlich in Schnitt und Erscheinungsform nicht von der eben beschriebenen Sonntagstracht ab. Die "Blaua Woa" nennen sie die Frauen. Sie beschränkt sich auch tatsächlich fast ganz auf Blau als Grundfarbe.

 

 

 

Effeltricher Mann

mit pelzverbrämter Mütze

(um 1900)

Effeltricher Trachtenschneiderin

Anna Pinsel

(1880 - 1972)

 

 

Effeltrich um 1900
Effeltricher Mädchen

in ihrer Festtagstracht

mit "Hohem Kranz"

(um 1930)

 

 

Die Männertracht Effeltrichs, für die der breitrandige, schwarze Filzhut, der lange, rotgefütterte braune oder dunkelgrüne Mantel, die rote Weste und die bocklederne Kniebundhose typisch waren, war bereits vor 1900 aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Zunächst kleideten sich die Burschen und später auch die Männer nach städtischen Vorbild. Mit der im Jahre 1921 erfolgten Gründung des Effeltricher Volkstrachtenvereins wurde die Männertracht künstlich wiederbelebt. Die neue Männertracht ist gegenüber der Frauentracht wesentlich schlichter. Der Anzug "besteht hauptsächlich aus schwarzer Kniebundhose, roter Weste mit vergoldeten Knöpfen und Zierstichen und dunkelgrüner Jacke mit fünf Silberknöpfen auf jeder Seite. Dazu kommen weiße Kniestrümpfe, ein weißes Hemd mit Umlegekragen und eine zu langen Schleife gebundenes Halstuch". Ältere Männer tragen statt des üblichen Dreispitz oft eine Pelzmütze.

 


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