Lauf

(Mittelfranken)


 

Landgericht Lauf

(1855)

 

Lange hat sich in Stadt und Land die slawische Tracht erhalten, die letzten Spuren die weißen Hauben der Frauen wanderten mit ins Grab, und jetzt herrscht französische Mode, französische Kleidung in Schnitt und Tracht.

Nicht nur die Städter, sondern auch die Landleute ziehen diese Mode der eigentümlichen ländlichen Kleidung vor. Die Sehnsucht nach einem Damenhut veranlaßt viele reiche Bauernmädchen in das Städtchen zu heiraten. An Weihnachten 1855 paradierten mit einem Schlage die Bürgersfrauen in Lauf mit Hüten, und es ist komisch viele Mädchen mit dem Korbe auf dem Rücken und der Haube die Woche über ihren ländlichen Verrichtungen nachgehen zu sehen, und an Festtagen sie in ihrer Kleidung höherer Stände zu finden.

Auch das männliche Geschlecht bleibt namentlich in Lauf in der feineren Kleidertracht von gutem Tuche ist mit Seide ausgemacht nicht zurück. Die Facharbeiter tragen die Kleider von modernem Schnitt meist halbtücherne von Juden ausstaffiert, denen sie fortwährend zinspflichtig bleiben. Je entfernter der Landbewohner von der Stadt, desto charakteristischer und seinem Stande angemessener ist seine Kleidung, und hier scheidet sich die Wahl der Farben nach den zwei Confessionen Protestanten und Katholiken, während erstere dunkle meist schwarzfärbige Kleider tragen prangen letztere in bunten Farben vorherrschend roten in beiden Geschlechtern. So teuer auch die Kleider zu stehen kommen, suchen es doch die Dienstboten ihrer Herrschaften nachzumachen; man sieht bei Bauernknechten über ihrem Oberrock von Tuch, blautuchene Mäntel geworfen, wovon das Stück zu 40 - 50 fl. zu stehen kommt.

Die Dienstmädchen tragen cottonene Röcke, und die Schürzen hier Fleck genannt, von Seide, wie auch seidene Halstücher. Die Kinder sind ebenfalls gut gekleidet, im Sommer mit kattunenen, im Winter mit tuchenen Kleidern für beide Geschlechter, selbst die Ärmeren sind gut gekleidet die unehelichen wie die ehelichen, die Eltern suchen sich in der Kleidung der Kinder hervorzutun.

 


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