Michelrieth

(Unterfranken)


 

 

Auffallend hübsch ist die Braut mit dem hohen Kranz (Brautkrone), der auf einem roten Haarband sitzt, und dem weißen Halstuch. Besonderer Schmuck ist auch der "Pudel", ein wollener Halsschmuck, auf Stoff aufgenäht.

 


Kirchspiel Michelrieth, das sind die sieben protestantischen Gemeinden im südöstlichen Spessart, die zur ehemaligen rechtsmainischen Grafschaft Wertheim gehörten.


Zum Sonntagsgottesdienst schmücken sich die älteren Frauen mit der Bödeles- oder Schwabenhaube, die sich von der alten Bandhaube des Hochspessarts dadurch unterscheidet, dass der Boden in einer stark verjüngten Schweifung gegen den Nacken abgebogen ist, und das Haupthaar völlig unter der sich anschmiegenden Kopfform verschwindet.

Am Haubenboden, den eine Rose aus vielfarbiger Seidenstickerei ziert - als Trauerzeichen gilt die weiße Rose - sind zwei schmale Schleifen befestigt. Die schwarze Haube wird durch eine weiße Mullhaube, die mit einer breiten Spitze besetzt ist, verhüllt. Die breiten Haubenbänder, die die Ohren völlig verdecken, werden unter dem Kinn zu einer herabhängenden, mächtigen Schleife gebunden. Den Hals umschließt ein hochgeknotetes baumwollenes Tuch.

Der Faltenrock ist durch eine Polsterung an den Hüften hochgestellt und durch eine gefältete Schürze gedeckt. Ein weißes Brusttuch wird für den Festgang des Abendmahls und für Trauerfeierlichkeiten kreuzweise über den Oberkörper gelegt und durch den Tuchmutzen gezogen, so daß die Enden unter dem Mutzen wieder zum Vorschein kommen.

An die Stelle des blauen oder anliegenden Tuchmutzens tritt als Sonntagsnachmittagskleidung ein weiter, loser Kittel mit schwarzem Bandbesatz. Der Atlasschurz wird durch einen baumwollenen ersetzt, und die schwarze Bandhaube ist von der weißen Hülle befreit.

Die alte Kirchentracht wird nur noch von bejahrten Frauen getragen, während die jüngeren Frauen die Sonntagsnachmittagstracht auch für den Hauptgottesdienst an den Sonntagen bevorzugen, aber statt der ihnen zu altmodisch gewordenen Bandhaube ein Haarnetz mit Samtband wählen. Der schwerfällige Faltenrock mußte dem glatten Rock mit Samtbesatz weichen.

Für die Hochzeitsfeierlichkeiten wird die Sonntagstracht reicher und schmuckbeladener ausgestaltet.

Die Brautjungfrauen legen Korallenketten an und binden die weißen Brusttücher kreuzweise über den Mutzen.

Den Hals verhüllt ein schwarzseidenes Halstuch. Auf der Bandhaube wird eine bienenkorbähnliche Krone befestigt, die mit Gold- und Silberverzierung und künstlichen Blumen beladen ist. Rosmarinzweige schmückten Braut und Bräutigam, während auf der Brust des Bräutigams ein großer Blumenstrauß prangt.

Mit Ausnahme des langschößigen, leinenen Grünkittels, der noch in Steinmark als Arbeitsrock von einigen Bauern benutzt wird, ist die frühere bäuerliche Arbeitskleidung aufgegeben worden.

Nur an den Sonntagen wallen einzelne alte Männlein mit dem Dreispitz auf dem Haupte durch die reichgesegneten Fluren der Grafschaft zur Kirche. Aber die kurzen Lederhosen und die hohen Stiefeln gehören der Vergangenheit an. Dagegen bevorzugten die besonders Standhaften zum Kirchgang noch den Tuchrock, das Kamisol und die Tuchweste mit den Silberknöpfen.


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